Kirche

Katholiken in Oberhausen planen Kirche der Zukunft

Im Rahmen des Pfarreientwicklungsprozesses diskutierten in der Gesamtschule (v.l.) Katja Schütze, Marion Bahne, Ansgar Stötzel, Hermann Wischermann, Sarah Ertmer und Bärbel Jansen.

Foto: Kerstin Bögeholz

Im Rahmen des Pfarreientwicklungsprozesses diskutierten in der Gesamtschule (v.l.) Katja Schütze, Marion Bahne, Ansgar Stötzel, Hermann Wischermann, Sarah Ertmer und Bärbel Jansen. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Bis 2018 will sich die Katholische Kirche neu aufstellen. Mitglieder von St. Pankratius hielten dazu einen Visionstag ab.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Auch Osterfelds Katholiken müssen sich nach dem Willen des Bistums Essen neu aufstellen. Dazu diente am Samstag in der Großpfarrei St. Pankratius ein Visionstag. Seit acht Jahren bilden die Gemeinden St. Franziskus, St. Marien und St. Pankratius eine Großpfarrei mit über 16 000 Katholiken.

Düstere Prognosen über die künftig zur Verfügung stehenden Finanzmittel, eine rückläufige Zahl von Kirchenmitgliedern und der sich weiter verschärfende Priestermangel zwingen zum Handeln. In einem bis 2018 angedachten Diskus­sions- und Erneuerungsprozess ist zur Zeit Bestandsaufnahme angesagt. Trotzdem waren die Mitglieder der Pfarrei in den Räumen der Gesamtschule an der Westfälischen Straße bereits eingeladen, ihre Vorstellungen einzubringen, wie sie sich die Kirche im Jahr 2030 vorstellen.

Nach einer geistlichen Einführung durch Propst Christoph Wichmann und der Vorstellung des so genannten Pfarrei-Erneuerungsprozesses durch Volker Meißner vom Generalvikariat in Essen waren die knapp 100 Teilnehmer dann selbst gefragt. Aus ei­ner Fülle von Schlagwörtern rund um das Thema Kirche wurden die zehn Begriffe ausgewählt, denen sie die größte Bedeutung beimaßen. Für jedes davon wurde nach der Mittagspause ein Workshop gebildet, der seine jeweilige Bedeutung ergründen sollte.

Fünf Frauen und ein Mann befassten sich dabei mit dem Begriff „Engagement“. Sie mussten zunächst bestimmen, was darunter zu verstehen ist. „Interesse zeigen“, „sich neu aufstellen“, „Leidenschaft“ und „positive Resonanz“ war da zu hören. Dann berichteten die Workshop-Mitglieder von ihrer Erfahrung mit Engagement. „Wir haben viel zu lange auf alte Pferde gesetzt“, beklagte die Mitarbeiterin einer katholischen Bücherei. Eine einzelne Gemeinde könne einfach keine attraktive Bücherei auf die Beine stellen. Wenn überhaupt, dann klappe das nur auf Ebene der Großpfarrei.

Von einer Erzieherin war dagegen zu hören, es sei gelungen, ganze Familien in den regelmäßigen Kita-Gottesdienst einzubinden – weil sich die Erzieherinnen selbst dafür einsetzen. Auch eine Kirchenmusikerin berichtete von po­sitiven Erfahrungen – mit Musikprojekten, die kein Dauer-Engagement mehr erfordern. Am erfolgreichsten sei die persönliche Ansprache einzelner, war man sich einig. Allerdings gebe es auch Hindernisse, zum Beispiel die starke Inanspruchnahme junger Menschen durch die Schule in den letzten Jahren. „Es fehlt gegenüber früher eben die Verpflichtung, sonntags zur Kirche zu gehen“, hieß es weiter. Auch in der Arbeit der Gemeinde wurden Schwächen ausgemacht. In mancher Gemeinde gebe es gar kein Angebot für Jungs mehr. Andererseits fehlten Informationen, wo es solche Angebote noch gibt. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob die Kirche nicht zu sehr auf die Mittelschicht fixiert sei.

Im Workshop zur „Spiritualität“ war man nach einer Bestandsaufnahme erstaunt, wie vielfältig die entsprechenden Angebote immer noch sind, reichen sie doch vom Bibeltag bis zur Wallfahrt. Auch hier wurde beklagt, dass die gegenseitige Kenntnis davon in der Großpfarrei noch zu wünschen übrig lässt. Auch stehe manches Angebot vom Aufwand her in keinem Verhältnis zur Nachfrage danach. „Wir müssen alles vorhalten, auch wenn nur drei Leute kommen“, klagte Pastor Vincent Graw.

Zweifel an der Umsetzung

Im Workshop zum Thema „Evangelien“ waren sich die fünf Teilnehmer einig, dass deren Botschaft das eigentliche Rüstzeug des Glaubens sei. Aber dann kam viel Kritisches zur Sprache: Da wurde vermisst, dass die Inhalte der Evangelien in und nach den Gottesdiensten auch mal weiter vertieft werden. Außerdem: „Als wir in der Gemeinde neu waren, wurden wir gleich angesprochen“, berichtete eine Frau. Das gebe es heute nicht mehr. Ferner: Alte und Kranke würden einfach auf die Caritas abgeschoben. Und: „In den großen Gottesdiensten sind die Kinder un­tergegangen.“ Schließlich wurden auch Zweifel daran laut, ob die vielen Diskussionen tatsächlich zu Konsequenzen führen, sich die Pfarrei also am Ende wirklich neu aufstellt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik