Widerstandskämpfer

Kaplan schmiedete Allianz gegen die Nationalsozialisten

Dr. Joseph Rossaint (links vorne) und  direkt rechts neben ihm der damalige Oberstadtdirektor Dieter Uecker, der

Dr. Joseph Rossaint (links vorne) und direkt rechts neben ihm der damalige Oberstadtdirektor Dieter Uecker, der

Foto: Klaus Oberschewen

Oberhausen.   Kaplan Joseph Rossaint und der Oberhausener Max Schäfer waren Weggefährten im Kampf gegen die Nationalsozialisten. Sie überlebten nur knapp.

Historiker Klaus Oberschewen wünscht sich einen immer breiter werdenden Schulterschluss gegen Rechts. Auch wenn unsere gesellschaftlichen Verhältnisse mit denen der Weimarer Republik nicht vergleichbar sind. Für den Vorsitzenden des Historischen Vereins Oberhausen-Ost beweisen gerade die unbekannteren Helden vor Ort, dass sich Widerstand lohnt. Wir erzählen in loser Folge ihre Geschichten. Dazu gehört diese einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen dem katholischen Kaplan Joseph Rossaint und dem Oberhausener Max Schäfer.

„Mitte der 1980er Jahre lernte ich Joseph Rossaint in Bad Bodendorf kennen. Wir führten lange Gespräche über die Bedeutung des Widerstands in der Nazi-Zeit und in der Gegenwart“, erzählt Oberschewen. Eine große Rolle hätten dabei die Bedingungen in Oberhausen um 1930 gespielt.

Politische Schulungen und Diskussionsrunden

Rossaint war von 1927 bis 1932 Kaplan in der Pfarre St. Marien. Zwischen 1928 und 1932 wurden die Zechen Oberhausen, Hugo Haniel und Sterkrade geschlossen. Wichtig sei Rossaint damals gewesen, sich für die Jugendlichen einzusetzen. „Und so entstanden Arbeitslosenstraßenklubs und Fußballmannschaften mit Namen wie Wohlfahrt, Schwarze Wolke, Einigkeit, Wassernixe, Piele und Trocken Brot.“ Es habe aber auch politische Schulungen und Diskussionsrunden für die jungen Leute gegeben.

„Rossaint lobte die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Oberhausener Jungkommunisten“, erinnert sich Oberschewen. „Auch in der Literatur war ich bereits auf diese ungewöhnliche Zusammenarbeit gestoßen, die mit Namen wie Johann van Suntum, Hein Schmidt, Ernst Kircher und Max Schäfer verbunden war.“

Schäfer stammte aus einer Mülheimer Arbeiterfamilie

Max Schäfer, den Oberschewen später ebenfalls persönlich kennenlernen sollte, habe in einem Gespräch im Dezember 1975 in Düsseldorf erzählt: „Verbindungen zu Kaplan Joseph Rossaint hatte ich seit 1931. Damals bat er uns, eine unserer Jugendversammlungen besuchen zu dürfen. Wir führten diese in einer Oberhausener Schule durch.“ Im Gegenzug sei Schäfer von Rossaint zu Versammlungen der katholischen Jugendgruppen eingeladen worden.

Max Schäfer stammt aus einer Mülheimer Arbeiterfamilie. Er sei fest verwurzelt in den Traditionen der SPD vor dem Ersten Weltkrieg gewesen. Unmittelbar nach Verlassen der Schule trat er dem kommunistischen Jugendverband bei. Ab Februar 1932 leitete er den kommunistischen Jugendverband in Oberhausen (KJVD), später hatte er die Bezirksleitung in Essen inne. Am 5. Mai 1933 wurde Schäfer verhaftet und zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, im Februar 1935 wurde er aus der Haft entlassen. „Er wohnte bei seinen Eltern in Mülheim und musste sich alle vier Wochen bei der Gestapo melden“, berichtet Oberschewen.

Anfang 1936 wurde Rossaint festgenommen

Unter großer Gefahr sei es Schäfer dennoch gelungen, zahlreiche Verbindungen zu knüpfen. Auch Joseph Rossaint knüpfte weiter an einem Netz aus Antifaschisten, das Platz für alle haben sollte. Er stellte ihnen seine Wohnung für Treffen zur Verfügung und half vielen Illegalen beim Überleben in der NS-Diktatur. „Unermüdlich schrieb er gegen die Kriegsgefahr an und mahnte zur Einheit aller Hitlergegner.“

Anfang 1936 wurde Rossaint festgenommen und mit sechs anderen Christen zum „Katholikenprozess“ vor den berüchtigten Volksgerichtshof in Berlin gestellt. Als Hauptangeklagter wurde er dort zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Max Schäfer hielt sich 1935 als Teilnehmer des VI. Weltkongresses der Kommunistischen Jugendinternationale in Moskau auf. Er kehrte nicht nach Deuschland zurück, sondern arbeitete illegal an der deutsch-holländischen Grenze.

Treffen im Zuchthaus Lüttringhausen

Im Januar 1937 schloss er sich den Internationalen Brigaden an, um in Spanien gegen den faschistischen Franco-Putsch zu kämpfen. Später gelangte er über Frankreich nach Kopenhagen. Dort wurde er im Juni 1940 verhaftet. Im August 1941 wurde er an die Gestapo ausgeliefert, im Oktober zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe verbüßte er im Zuchthaus Lüttringhausen. Hier traf er seinen Freund Joseph Rossaint wieder.

„Die Hitlerregierung hatte kurz vor der militärischen Niederlage den Befehl erlassen, alle politischen Häftlinge umzubringen“, erzählt Oberschewen. Am 13. April 1945 wurden 71 Häftlinge in der Wenzelnbergschlucht bei Remscheid ermordet, unter ihnen Fritz Kamleiter, ein Gefährte Rossaints und Schäfers aus Oberhausen, sowie Otto Gaudig aus Mülheim. Dem Zuchthausdirektor gelang es, Rossaint und Schäfer in letzter Minute vor der Erschießung zu retten. Drei Tage später befreite die amerikanische Armee das Zuchthaus.

>>> Ausstellung in der Gedenkhalle eröffnet

Joseph Cornelius Rossaint war jahrelang Präsident der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und setzte sich für die Öffnung dieser Organisation für junge Menschen ein. In den 1970er Jahren wurde der Name nach einem Kongress in Oberhausen geändert in VVN/BdA, Bund der Antifaschisten. Rossaint eröffnete 1988 die Ausstellung „Faschismus kommt nicht über Nacht. . .“ in der Gedenkhalle.

Diese von Klaus Oberschewen mitkonzipierte Ausstellung galt 20 Jahre als zentraler Bestandteil der politischen Bildungsarbeit für Schulen und Gewerkschaften. Joseph Rossaint verstarb 1991. Max Schäfer wurde 1968 Präsidiumsmitglied der DKP und Chefredakteur der „Marxistischen Blätter“. 1976 gab er ein Buch über Spanienkämpfer aus der BRD heraus. Er verstarb im Oktober 1986 mit 73 Jahren.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben