Kommentar

Kampf um Anti-Rassismus-Klausel schadet dem Theater

WAZ-Redakteurin Nadine Gewehr kommentiert den Streit um die Anti-Rassismus-Klausel am Theater Oberhausen. 

WAZ-Redakteurin Nadine Gewehr kommentiert den Streit um die Anti-Rassismus-Klausel am Theater Oberhausen. 

Foto: Kerstin Bögeholz/Gerd Wallhorn

Oberhausen.  Hunderte Künstler mischen sich in die Debatte im und um das Oberhausener Theater ein. Das schadet dem Kampf gegen Rassismus mehr als es nützt.

Es ist eine Farce. In einer Stadt, in der bei der Europa-Wahl mit der AfD eine Partei rund zwölf Prozent der Stimmen geholt hat, deren Mitglieder offen auf ihren Facebook-Seiten andere Kulturen beleidigen und diffamieren, soll ausgerechnet das Theater ein Rassismus-Problem haben? Ein Theater, das sich seit jeher gegen Rechts positioniert, bekannt ist für seine Weltoffenheit und Toleranz?

Es stimmt: Struktureller Alltagsrassismus ist ein großes gesellschaftliches Problem, das auch nicht vor kulturellen Einrichtungen Halt macht. Aber worüber reden wir denn hier? Über eine Klausel, die Rechtsexperten als „juristisch nicht anwendbar“ einstufen. Über einen falsch ausgesprochenen Namen, der als Rassismus ausgelegt wird. Und über Künstler aus ganz Deutschland, die sich vom Wort „Rassismus“ haben triggern lassen und nun meinen, aus Städten wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart das böse Oberhausener Theater anprangern zu müssen – womöglich, ohne jemals hier gewesen zu sein. Sie schaden damit unserem Theater, an dem schon jetzt ein Makel klebt. Und sie schaden der Sache. Rechte Hetzer und Rassisten dürften sich über diese Schmierenkomödie köstlich amüsieren.

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