Friedensdorf International

Kambodschareise zeigt Bilder aus einer anderen Welt

Fotografin Kerstin Bögeholz (46) aus Oberhausen vor einer der insgesamt 25 großformatigen Aufnahmen von ihrer Reise durch Kambodscha, die sie im September mit einem Team des Friedensdorfs unternommen hat.

Fotografin Kerstin Bögeholz (46) aus Oberhausen vor einer der insgesamt 25 großformatigen Aufnahmen von ihrer Reise durch Kambodscha, die sie im September mit einem Team des Friedensdorfs unternommen hat.

Foto: Franz Naskrent / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  In Kambodscha leistet das Friedensdorf, die Oberhausener Hilfsorganisation, vorbeugende Hilfe. Kerstin Bögeholz zeigt im Torhaus ihre Reisefotos.

Die Gegensätze hätten am Sonntag in der Torhaus-Galerie an der Vestischen Straße in Osterfeld kaum größer sein können: Dicht gedrängt im Raum stehen die vielen Gäste von Fotografin Kerstin Bögeholz, gepflegt gekleidet und mit einem Glas Sekt in Händen, und an den Wänden hängen ihre 25 großformatigen Fotos vom September. Damals reiste sie acht Tage mit einem Team des Friedensdorfs durch Kambodscha, bis vor wenigen Jahren eines der ärmsten Länder der Erde – heute eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit.

Wohlstandssymbol in der Müllsammler-Siedlung

Vor allem die Bilder von den beiden riesigen Müllfeldern, auf denen auch Kinder nach Verwertbarem herumstochern, und von der lumpigen Behausung, in der sie daneben wohnen, lassen die Gäste der Vernissage inne halten. Bekannte Persönlichkeiten sind gekommen, Thomas Gäng vom Stadtkatholikenrat, und Walter Paßgang, der CDU-Kommunalpolitiker. „Da weiß man, was Not ist und mit welcher Arroganz wir durchs Leben gehen“, sagt Annette Bertling, Besucherin aus Duisburg.

Aber beim Betrachten jener Bilder, die die Kinder der Müllsammler bei ihrem Zirkusprojekt zeigen, fällt auch ihr auf, dass sie nicht unglücklich wirken. Einige von ihnen halten sogar das vermeintliche westliche Wohlstandssymbol in Händen: ein Smartphone.

Dichter Fahrradverkehr in der Großstadt

Das alles wird plötzlich lebendig, denn auf zwei Flachbildschirmen läuft ein Film ab, den Kerstin Bögeholz ebenfalls gemacht hat. Der Blick aus dem Auto fällt auf einen Straßenrand, an dem Menschen ihre Dienste oder Waren anbieten. Dichter Fahrradverkehr in der Großstadt. Dann wieder das Müllfeld.

„Es ist 30 Grad warm. Man macht die Autotür auf und fällt fast um von dem Gestank. Aber die Menschen dort nehmen ihn gar nicht mehr wahr“, schildert die Fotografin ihre Eindrücke. Seit 2001 ist sie für WAZ und NRZ in Oberhausen unterwegs. Thomas Jacobs, bis zum vergangenen Sommer der Leiter des Friedensdorfs, sprach sie an, ob sie Interesse habe, eine Reise durch Kambodscha zu begleiten.

„Zeigen, dass wir nicht nur Kinder nach Deutschland holen“

Aber es gibt da auch noch die Bilder von sauberen Pflegebetten und mit vielen Infografiken plakatierten Wänden. Von der Schwangeren, die sich von einer Hebamme den Bauch vermessen lässt. Und von dem Säugling, der kurz nach seiner Geburt friedlich schlummert.

„Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Kinder nach Deutschland holen, um sie hier behandeln zu lassen“, sagt Claudia Peppmüller, Sprecherin des Friedensdorfs. In Kambodscha sei man zur Gesundheitsfürsorge übergegangen. In entlegenen Regionen, die bisher nur auf holprigen Strecken erreichbar sind, hat die Hilfsorganisation mittlerweile 36 Gesundheits-Basisstationen eingerichtet.

Zirkus gibt den Kindern Selbstvertrauen

Rund 70.000 Euro kostet eine solche Station. Ihr Personal stellt das Königreich Kambodscha. Es leistet Hilfe bei den vielen Geburten, gewährt Impfschutz, ermöglicht so, dass Folgeschäden von mangelndem Impfschutz ausbleiben, zum Beispiel Erblindung durch Röteln. „Wir brauchen von dort keine Kinder mit Knochenentzündungen mehr einzufliegen“, sagt Claudia Peppmüller.

Mit dem Zirkus neben dem Müllfeld von Battambang verfolgt das Friedensdorf ein soziales Ziel. Man wolle die soziale Isolation der Müllsammler überwinden, wolle Gemeinschaft stiften. Der Zirkus gebe den Kindern Selbstvertrauen, erklärt die Sprecherin. Auch Bildungsangebote gehörten dazu. Damit sie ihren Lebensunterhalt künftig anders bestreiten können.

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