Hass gegen Minderheiten

Jüdische Oberhausener fürchten antisemitische Gewalt

Der jüdische Glaube wird auch über das Tragen der Kippa, einer traditionellen Kopfbedeckung für Männer, gezeigt. Oberhausener Juden scheuen solche Symbole ihre Glaubens aufgrund von Angst vor Gewalt, so Glaubensvertreter.

Der jüdische Glaube wird auch über das Tragen der Kippa, einer traditionellen Kopfbedeckung für Männer, gezeigt. Oberhausener Juden scheuen solche Symbole ihre Glaubens aufgrund von Angst vor Gewalt, so Glaubensvertreter.

Foto: Gerd Wallhorn

oberhausen.   Juden in Oberhausen sind zwar keinen Übergriffen ausgesetzt. Aufgrund bundesweiter antisemitischer Taten geben sich aber viele nicht zu erkennen.

Oberhausener jüdischen Glaubens fürchten sich zunehmend vor antisemitischen Straftaten. Lev Schwarzmann, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde Perusch, ist sich sicher: „Fast alle Mitglieder der Gemeinde haben Angst. Keiner wird die Kippa oder den David-Stern tragen.“

Alexander Drehmann, Geschäftsführer der für Duisburg, Mülheim und Oberhausen zuständigen Jüdischen Gemeinde hat die Erfahrung gemacht: „Schüler jüdischen Glaubens sagen nicht, dass sie jüdisch sind, damit sie nicht angefeindet werden. Nur die wenigsten trauen sich das öffentlich zu machen.“

Das Wort „Jude“ ein Schimpfwort?

Sowohl Schwarzmann als auch Drehmann berichten, dass Gemeindemitglieder keinen Straftaten ausgesetzt seien, aber Alltagsrassismus erlebten. Auf Bolzplätzen sei das Wort „Jude“ ein Schimpfwort, meint Drehmann.

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr NRW-weit zwar deutlich zurückgegangen (um mehr als elf Prozent), aber die antisemitischen Übergriffe sind um neun Prozent gestiegen. Davon ordnete das Land 91 Prozent der rechtsextremen Szene zu. Zahlen für Oberhausen liegen nicht vor.

Liberale Gemeinde will Menschen aufklären

Berichte in Medien über antisemitische Straftaten haben sich deutschlandweit gehäuft. Zuletzt hatte ein Deutscher palästinensischer Herkunft einen Kippa-tragenden Amerikaner in Bonn beschimpft und geschlagen. In Dortmund hatten polizeibekannte Neonazis einen Mann antisemitisch beleidigt und attackiert.

Die Liberale Gemeinde versucht etwaigen Vorurteilen und Anfeindungen mit Aufklärung und der Kontaktaufnahme zu nicht-jüdischen Oberhausenern zu begegnen. „Wir laden Schulklassen ein. Wir versuchen auch, in Kontakt zu Muslimen zu treten.“

Die Gemeinde betreut eine muslimische Flüchtlingsfamilie. „Nicht alle Flüchtlinge sind mit Vorurteilen gegenüber Juden hergekommen. Viele Menschen in Oberhausen haben noch nie einen Juden gesehen, nur über den Holocaust gelesen und ihnen sind mal die Stolpersteine aufgefallen“, sagt Lev Schwarzmann von der Liberalen Gemeinde.

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