Kurioses Duo-Konzert

Jazz als königliches Vergnügen für zwei kindliche Könner

Tröten, Trommeln und tausenderlei tönendes Spielzeug: So zelebrierte das Duo Mark Alban Lotz und Alan Purves „Kuros“ ersten Todestag.

Tröten, Trommeln und tausenderlei tönendes Spielzeug: So zelebrierte das Duo Mark Alban Lotz und Alan Purves „Kuros“ ersten Todestag.

Foto: Jörg Schimmel

oberhausen.   Gummihühner inklusive: Als Gäste des Jazzkarusells bespielten Mark Alban Lotz und Alan Purves im Gdanska zahllose verrückte Klangerzeuger.

Beim jüngsten Jazzkarussell – am ersten Todestag seines Erfinders Walter „Kuro“ Kurowski – fühlte man sich im Gdanska doch sehr in die Wunderwelt des Danziger Spielzeughändlers Sigismund Markus versetzt, von dem der kleine Oskar Matzerath regelmäßig eine neue Blechtrommel bekam.

Sie war das einzige Instrument, das sich im überbordenden Sammelsurium des schottischen Percussions-Zauberers Alan Gunga Purvis nicht entdecken ließ. Dafür aber pedalgetriebene, indische Shruti-Boxes, selbstgebaute Zungen-Trommeln neben einem afrikanischen Ballaphon und zahllosen weiteren verrückten Klangerzeugern.

Dass angesichts dieser Pracht die Hühner nicht lachten, lag einzig daran, dass Purvis seine Gummiviecher höchst gewitzt würgte. Weshalb sie denn auch lauthals „Mami, Mami“ schrien, was mindestens so komisch war wie das grunzende Schwein zu Beginn dieses unterhaltsamen Abends. An dem die meisten Pfeifen zuhause geblieben waren, obwohl Marc Alban Lotz doch fast ein Dutzend Flöten mitgebracht hatte. Um seine Zuhörer, unterstützt von raffinierter Elektronik, keineswegs einzulullen, sondern faszinierend leichtgängig in den Sog aufmerksamer Versenkung zu ziehen.

Flirrende Flöten-Klänge und raffinierte Rhythmen

Denn was der in Holland lebende Schwabe in delikaten Dialogen mit seinem nicht nur auf Spielzeug spielendem schottischen Freund präsentierte, das war ein ganz organischer Fluss zartester Inventionen. So geriet ihr hochmusikalisch inszenierter Auftritt trotz vieler amüsanter Effekte nie zu tumbem Klamauk.

Was übrigens auch ohne visuelle Bereicherung auf ihrer CD „Food Foragers“ (Unit / Harmonia Mundi) rundum überzeugend tönt. Keine Selbstverständlichkeit bei derart gewitzter Improvisationskunst, die im Gdanska flirrende Flöten-Klänge und raffinierte Rhythmen zu harmonischer Eintracht führte.

Dass da niemand die zarte Melodie von „The Single Petal of a Rose“ aus Duke Ellingtons „The Queen’s Suite“ für Königin Elizabeth II. erkannte, war angesichts dieser raren Delikatesse verständlich – und ein ebenso königliches Vergnügen wie alles andere von Marc Alban Lotz und Alan Gunga Purvis, die das Jazzkarussell hochtourig drehen ließen.

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