Caritas weitet Hilfen aus

Isolation durch Corona: Zerreißprobe für psychisch Kranke

Einkaufen erlaubt: Die meisten Oberhausener erledigen auch dies – wie hier auf unserem Symbolbild – alleine. Die anhaltende Isolation aufgrund der Coronavirus-Pandemie aber ist vor allem für psychisch kranke Menschen oft nur schwer zu ertragen. Die Caritas will jetzt helfen.

Einkaufen erlaubt: Die meisten Oberhausener erledigen auch dies – wie hier auf unserem Symbolbild – alleine. Die anhaltende Isolation aufgrund der Coronavirus-Pandemie aber ist vor allem für psychisch kranke Menschen oft nur schwer zu ertragen. Die Caritas will jetzt helfen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die Caritas Oberhausen musste ihre Angebote aufgrund der Corona-Pandemie einschränken und geht neue Wege – auch, um psychisch Kranken zu helfen.

Wegen der Coronavirus-Pandemie haben sich die Bedingungen für die Caritas Oberhausen deutlich verschärft. Seitdem der Wohlfahrtsverband kurzerhand alle Einrichtungen und Beratungsstellen schließen musste, stehen die Telefone nicht mehr still. Der Beratungsbedarf ist enorm – das gilt vor allem für psychisch kranke Menschen, die mit der häuslichen Isolation von Tag zu Tag schlechter zurecht kommen. Deshalb weitet die Caritas jetzt ihr Angebot aus.

Ab Montag, 30. März, steht speziell für Menschen mit psychischer Erkrankung eine separate Hotline der Kontakt- und Beratungsstelle zur Verfügung. Die Rufnummer 94040660 ist von montags bis freitags, 9-19 Uhr, erreichbar. Alternativ können Sorgen, Fragen, Gesprächswünsche oder Probleme über die Mail kobs@caritas-oberhausen.de übermittelt werden. Auf diesem Weg können sich auch Betroffene melden, die anonym bleiben möchten.

In Zeiten von Ausgangsbeschränkung, ausfallenden Angeboten und damit verbundener sozialer Isolation geht es jetzt vor allem darum: „Als Caritas wollen wir eine Ventiloption schaffen und entlasten“, sagt Gino Dresen, Leiter dieses Bereiches.

Eine neue Situation für alle Beteiligten – auch für die Berater selbst

„Für uns ist das eine völlig neue Situation, in der wir neue Wege suchen, um Kontakt zu halten, zu begleiten, da zu sein“, ergänzt Caritasdirektor Michael Kreuzfelder. Er weiß: „Wenn wir als Wohlfahrtsverband von heute auf morgen Einrichtungen und Angebote schließen müssen, ist das vor allem ein Schlag ins Kontor für die Menschen.“

Ob Kindertageseinrichtungen, Gleis 51, Bistro Jederman, Sozialberatung, Psychosoziales Gesundheitszentrum, ambulant betreutes Wohnen – alles wichtige Kontakt- und Anlaufstellen für benachteiligte Menschen. „Jetzt glühen die Drähte online und per Telefon“, beschreibt Kreuzfelder die Situation. „Schnelle Erreichbarkeit und Hilfestellung sichern wir durch Teams im Hintergrund.“ Das sei zwar nur eine Krücke, aber die einzige Chance, weiter präsent zu sein.

Neue Hotline für Türkisch sprechende Oberhausener

Den Messangerdienst Whatsapp darf und will die Caritas wegen des unsicheren Datenschutzes nicht nutzen, gerade bei sensiblen persönlichen Daten. Die Caritas nutzt mit „Signal“ eine datenschutzkonforme und ebenfalls kostenlose Alternative. Die App kann im Playstore und bei IOS heruntergeladen werden. Viele Dienste sind auch auf diese Weise ansprechbar.

Ebenfalls ab Montag, 30. März, gibt es eine weitere Hotline für Türkisch sprechende Oberhausener. Unter Telefon 015202853088 steht montags bis sonntags (jeweils 12-15 Uhr) eine Mitarbeiterin für Fragen und Informationen zur Verfügung. Falls eine Weiterleitung an Fachdienste erforderlich sein sollte, ist auf Wunsch auch eine Begleitung als Dolmetscherin/Übersetzerin möglich.

Tipps für Familien, wie sie mit der beengten Situation umgehen können

Dazu gibt das Team der Erziehungsberatung online Tipps, wie Familien mit der auch für sie neuen und oft beengten Situation umgehen und Konflikte vermeiden können. Für ältere und gesundheitlich vorbelastete Oberhausener gibt es zudem Einkaufshilfen auch im Zusammenschluss mit der Aktion „Wohlfahrt hilft“. Weitere Aktionen seien in Planung. „Ich bin sehr dankbar dafür, wie engagiert und kreativ sich unsere Mitarbeitenden einbringen“, zeigt sich Kreuzfelder begeistert.

Dabei sei die berufliche wie persönliche Belastung enorm hoch. Dass man dabei gegenseitig auf sich achte, zeige ein Beispiel aus dem Wilhelm-Knappmann-Haus, Wohnstätte für psychisch Erkrankte. Eine in häuslicher Quarantäne befindliche Mitarbeiterin packte für ihre Kollegen „Notfallsäckchen“, gefüllt mit Süßigkeiten als Nervennahrung für den Dienst und Zeichen der Solidarität mit denen, die jetzt teilweise für andere mitarbeiten müssen.

Alle Dienste und Angebote der Caritas sind über Telefon, E-Mail und Online erreichbar: Telefon: 0208 911 07 – 0, Email: hilfe@caritas-oberhausen.de, Chatberatung unter www.caritas.de/onlineberatung, auf Facebook unter www.facebook.com/CaritasOB und im Web unter www.caritas-oberhausen.de – hier sind alle Kontaktdaten aller Angebote sowie eine Sonderseite rund ums Thema Corona zu finden.

Wichtige Informationen zur Coronavirus-Pandemie sind auch im Newsblog der WAZ zu finden. Die interaktive NRW-Karte zeigt die aktuellen Fallzahlen.

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