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In Oberhausen spricht Alexa auch mal schwäbisch

IT-Entwickler Daniel Mittendorf an seinem Arbeitsplatz daheim an der Bergstraße in Osterfeld.

IT-Entwickler Daniel Mittendorf an seinem Arbeitsplatz daheim an der Bergstraße in Osterfeld.

Foto: Kerstin Bögeholz / FFS

Oberhausen.  Innovative Computer-Ideen kommen nicht nur aus Berlin oder aus dem Silicon Valley, sondern auch von der Bergstraße in Oberhausen-Osterfeld.

Eigentlich gehört dieser Mann in einen schicken Co-Working-Space in einem alten Lagerhaus mit Blick auf die Spree, oder vielleicht auch in ein Hafendomizil direkt am East River mitten im New Yorker Boom-Stadtteil Williamsburg – doch Daniel Mittendorf empfängt nicht in Berlin oder an der US-Ostküste, sondern in einem Wohnhaus an der Bergstraße in Osterfeld, mitten im Ruhrgebiet. Sein Beruf: IT-Berater und IT-Entwickler auf einem besonders viel versprechenden Zukunftsfeld.

„Ich entwickle und schreibe Skills, also Kompetenzen, für Alexa und andere Sprachassistenten“, erklärt der 33-Jährige. Sprachassistenten gewinnen eine immer größere Bedeutung, die Menschen legen die Computertastatur immer öfter mal beiseite und treten mit dem Internet und zahlreichen Apps per gesprochenem Wort in Verbindung: „Alexa, öffne WAZ!“

Abitur-Training mit Alexa

Damit Alexa von Amazon oder auch die Sprachassistenten von Anbietern wie Samsung und Google das noch besser und nutzerfreundlicher können, schreibt Daniel Mittendorf seine innovativen Computer-Programme passgenau für seine Kunden. „Wir kreiieren passende Voice Experiences und geben Ihrer Marke oder Ihrem Unternehmen eine Stimme für Voice Assistenten“, heißt es werbewirksam auf der Internetseite des Unternehmens.

So machte er es per Programmierung zum Beispiel möglich, dass ein namhafter Verlag nun ein Abiturtraining für Schülerinnen und Schüler anbieten kann, wobei Alexa die Gesprächspartnerin ist: „Alexa, öffne Abi-Training!“

Und dann geht es schon los. Der Sprachassistent stellt Fragen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades zu den Fächern Deutsch, Mathematik sowie Politik und Wirtschaft, zum Beispiel: „Stimmt die Aussage, dass unter anderem der Wunsch nach industriellem Fortschritt das Lebensgefühl der Romantik prägte?“ Die Antwort in diesem Fall lautet natürlich: „Nein!“ Die schlaue Alexa, von Daniel Mittendorf mit einer entsprechenden Programmierung gefüttert, hört das und bewertet es entsprechend. Zum Schluss ermittelt sie, ob man schon gut genug vorbereitet ist für die Reifeprüfung.

Ein Schwäbisch-Quiz

Doch Daniel Mittendorf hat noch andere Kunden parat: Für das Hit Radio Antenne 1 Stuttgart entwickelte er zum Beispiel ein Schwäbisch-Quiz, das der Sender für sein regional verbundenes Publikum bereithält. Alexa stellt hier auf schwäbisch knifflige Mundart-Fragen und will dann wissen, ob man das jeweils Gesagte korrekt ins Hochdeutsche übersetzen kann. Zum Beispiel: „Was bedeutet: Vier nach Viertelviere?“ Die Antwort: Wenn ein echter Schwabe das sagt, ist es 3.19 Uhr oder 15.19 Uhr.

Feste Stelle aufgegeben

Vor zwei Jahren schaffte sich Daniel Mittendorf erstmals privat Alexa an. Zu dieser Zeit arbeitete er noch als IT-Fachmann für ein großes Privatunternehmen. Fortan entwickelte sich seine Leidenschaft, für den Sprachassistenten immer bessere Nutzungen zu finden. Seine feste Stelle gab er vor etwa einem halben Jahr auf und konzentriert sich nun als Selbstständiger darauf, sein eigenes Unternehmen „digivoice“ zum Erfolg zu führen. Die ersten Kundenkontakte sind vielversprechend.

Mit www.digivoice.io gibt es die eigene Firmen-Webseite, die über die digitalen Dienstleistungen von der Bergstraße in Osterfeld im Detail informiert. „Ich hätte zunächst nicht gedacht, dass ich daraus eine eigene Firma entwickeln kann“, sagt der 33-Jährige. Aber es sieht ganz so aus, als ob Alexa mit Oberhausener Hilfe noch manche Fähigkeit erlangen wird.

Oberhausen und dem Ruhrgebiet verbunden

Ob es ihn später mal nach Williamsburg oder Berlin zieht? Wohl eher nicht, so scheint es. „Ich habe mich bewusst entschieden, mein Unternehmen hier in Osterfeld zu starten“, sagt der Oberhausener. Das haben hoffentlich auch Alexa und ihre Kollegen gehört. Vielleicht lernen sie ja sogar irgendwann einmal Ruhrpott-Deutsch: „Alexa, gib mir mal den Mottek“?

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