Soziales

Immer mehr junge Menschen in Oberhausen haben keine Wohnung

Immer mehr Menschen in Oberhausen haben kein eigenes Zuhause.

Foto: Sina Schuldt/dpa

Immer mehr Menschen in Oberhausen haben kein eigenes Zuhause. Foto: Sina Schuldt/dpa

OBERHAUSEN.   Die Zahl der Wohnungslosen steigt – und die Betroffenen werden jünger. Die Probleme sind lange bekannt, doch Lösungen gibt es bislang nicht.

Obwohl die brenzlige Situation bekannt ist, bekommt die Stadt das Problem der rasant steigenden Zahl an Wohnungslosen in Oberhausen nicht in den Griff. Die derzeitige Lage ist sogar noch weitaus dramatischer als vor einem Jahr, als Verbände angesichts steigender Zahlen bereits Alarm geschlagen hatten. Es sind mittlerweile nicht nur immer mehr Menschen ohne Wohnung, die Betroffenen werden auch noch immer jünger.

30 Prozent sind jünger als 25

Den Anteil der jungen Wohnungslosen an der Gesamtzahl schätzt Jens Schwalm auf rund 30 Prozent. Der stellvertretende Leiter des Carl-Sonnenschein-Hauses beobachtet schon lange, dass immer mehr junge Menschen Hilfe bei der Caritas-Einrichtung suchen. Ihre Probleme sind vielseitig: Streit zu Hause, schwierige Verhältnisse in der Familie, Suchterkrankungen, psychische Probleme.

Um künftig Angebote für die jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren zu bündeln, hat das Carl-Sonnenschein-Haus gemeinsam mit der Drogenberatung der Stadt nun zu einem ersten Netzwerktreffen geladen. Rund 30 Vertreter von Einrichtungen wie Caritas, Diakonie, Stadt, Kurbel und Ruhrwerkstatt haben sich bereits getroffen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und zu überlegen, wie man dem Problem gemeinsam begegnen kann.

Doch das alleine wird wohl nicht reichen. „Die Probleme sind vielschichtig und können nicht mit einem Patentrezept gelöst werden“, sagt Frank Bremkamp, der beim Diakonischen Werk für den Bereich Wohnungslosenhilfe verantwortlich ist. Dies ist gerade bei den jüngeren Betroffenen deutlich erkennbar: Während der Eine gezielte Hilfe annimmt, lehnt der Andere diese strikt ab. „Wenn ein Jugendlicher sein Zuhause verlässt, weil er sich gegängelt und bevormundet fühlt, möchte er in Ruhe gelassen werden und nimmt keinerlei Hilfe an.“ Die Mitarbeiter müssten auf jedes Einzelschicksal individuell eingehen können – bei der Vielzahl an Betroffenen eine nicht zu lösende Aufgabe.

Die Diakonie betreibt eine Einrichtung für alleinstehende Wohnungslose an der Grenzstraße. Noch vor einem Jahr hat der evangelische Wohlfahrtsverband rund 500 Menschen betreut – plus 150 in privatem Wohnraum. Mittlerweile liegt die Zahl der Klienten bei rund 850, etwa ein Drittel ist jünger als 25 Jahre.

Das größte Problem bei der Bekämpfung der Wohnungslosigkeit sehen sowohl Caritas als auch Diakonie in fehlendem Wohnraum. „Die Lage ist katastrophal“, sagt Jens Schwalm vom Carl-Sonnenschein-Haus. Was Oberhausen dringend brauche, seien kleine Wohnungen, die sich auch Hartz IV-Empfänger leisten können. Gerade bei jüngeren Betroffenen kommt ein großes Problem hinzu: „Sie hatten in der Regel noch nie eine eigene Wohnung, müssen erst lernen, wie so etwas funktioniert. Wir müssen vor allem anderen erst einmal soziale und lebenspraktische Kompetenzen vermitteln.“

Oberhausens Sozialdezernentin Elke Münich stellt indes erst einmal klar, dass Wohnungslose nicht gleich Obdachlose sind. Während Wohnungslose etwa immer noch bei Freunden oder Bekannten unterkämen, stünden Obdachlose tatsächlich auf der Straße. Aber: „Niemand muss bei uns in Oberhausen draußen übernachten.“ Die städtische Notunterkunft verfügt derzeit über 45 Plätze, sieben waren mit Stand von Mitte Dezember belegt, einer der Betroffenen war unter 25 Jahre alt.

Erste Aufgabe des neuen Netzwerkes sollte es jetzt sein, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen: Wie viele junge Menschen sind betroffen? Was brauchen sie? Was können wir tun? Die Beschaffung von neuem Wohnraum sei das Eine, sagt Elke Münich. „Aber das eigentliche Problem liegt tiefer.“ Bei den Grundproblemen der jungen Menschen müsse man ansetzen.

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