Waldarbeit

Im Oberhausener Stadtwald laufen Durchforstungsarbeiten

Mehr als 150 Jahre hat diese Buche im Osterfelder Stadtwald gestanden. Vor wenigen Tagen ist sie umgekippt und wird jetzt zersägt. 

Mehr als 150 Jahre hat diese Buche im Osterfelder Stadtwald gestanden. Vor wenigen Tagen ist sie umgekippt und wird jetzt zersägt. 

Foto: Tamara Ramos

Oberhausen.   Bevor die Vegetationsperiode beginnt, werden noch Bäume gefällt, die Gefahren darstellen können. Aus anderem Totholz entsteht neues Leben

Rätselraten: Warum dieser 160 bis 170 Jahre alte Baumriese über Nacht umgefallen ist, ist auch bei näherem Hinsehen erstmal nicht erkennbar. Kein Pilzbefall, keine Schäden am Wurzelwerk. „Das war unvorhersehbar“, sagt Stadtförster Jürgen Halm. Auf jeden Fall fällt die stattliche Buche unter die Kategorie „Windwurf“ – weil es den Baum komplett umgehauen hat, samt Wurzelwerk.

Jetzt, da die Vegetation noch weitgehend Pause macht und noch keine Vögel brüten, sind im Wald Durchforstungsarbeiten angesagt.

250.000 Bäume sind zu pflegen

Insgesamt 466 Hektar Stadtwald in sechs größeren und rund zehn kleineren Forstflächen haben Jürgen Halm und seine Mannen vom Grünbereich der OGM zu pflegen. „Das sind wohl rund 250.000 Bäume“, hat Halm mal eben so überschlagen.

Einige von ihnen fallen an diesem Morgen im Osterfelder Stadtwald den Sägen des Waldarbeiter-Trupps zum Opfer – wie die vom Wind umgeworfene Buche. Knapp vier Festmeter, die nur als Industrieholz vermarktet werden können.

Für die hochwertige Möbelherstellung eigne es sich nicht, erklärt Halm: „Bäume, die älter als 70 Jahre sind, gelten hier als splitterbelastet – wegen der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg.“ In etwas handlichere Stücke zersägt, wird der Stamm später zum Abtransport am Rand eines Forstwegs deponiert.

Totholz schafft Lebensraum

Ein paar Meter weiter geht es danach einer Eiche an den Kragen, der einer der Winterstürme offensichtlich schon übel mitgespielt hat: „Windbruch“ diagnostiziert Halm: Die Krone ist abgebrochen, weitere abgestorbene Äste könnten herunterkrachen.

Warum der nur wenig jünger geschätzte Baum nicht als Ruine stehen bleiben kann, um für Specht, Fledermaus und Co. einen Unterschlupf bieten zu können? „Weil er einfach zu nah am Weg steht“, erklärt Halm. Um die Verkehrssicherheit der Waldwege zu gewährleisten, greife man in solchen Fällen zur Säge.

Er zeigt auf eine Buche, die einen ähnlich traurigen Anblick bietet, aber weitab vom Weg steht. „Solche Bäume lassen wir stehen und vor sich hin verrotten. Die sind ein Ökosystem für sich.“ Selbst wenn er umfällt, bleibe er liegen: „Das ist ja hier keine Parkanlage. Das Unordentliche ist die Natur des Waldes. Der Wald lebt durch liegendes und stehendes Totholz. Da entstehen vielfältige ökologische Nischen, für Tiere, Pflanzen, Pilze.“

Generell sei die Durchforstung im Oberhausener Stadtwald nicht darauf ausgerichtet, mit möglichst viel Holz Kasse zu machen: „Unsere Durchforstung dient in erster Linie dazu, den Wald als Naherholungsgebiet für die Stadtbevölkerung zu erhalten.“

Mit kleinen Bäumen aufforsten

Wo immer man Bäume herausnehme, würden sie später durch kleine ersetzt: So haben wir dann viele Bäume unterschiedlichsten Alters auf einer Fläche. Wenn dann die nächsten ihr natürliches Alter erreichen und absterben, gibt’s da schon neue, die vielleicht 10 oder 20 Jahre alt sind. Die können dann richtig durchstarten.“

>>> Info: Nachhaltigkeit; ein Prinzip der Forstwirtschaft

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme gewährleistet werden soll.

Sie ist ein „forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann.“

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