Sportstunde

Im Oberhausener Pflegeheim fliegen die Beine durch die Luft

Das ASB-Pflegezentrum bietet nun Capoeira für Senioren an. / Funke Foto Services

Das ASB-Pflegezentrum bietet nun Capoeira für Senioren an. / Funke Foto Services

Foto: Christoph Wojtyczka

Bewohner und Mitarbeiter im ASB-Pflegezentrum üben mit einem Trainer die brasilianische Kampfkunst Capoeira. Das kann schweißtreibend sein.

Sambamusik dröhnt aus der Musikanlage. Trainer Claudio Rosa ruft und zählt laut: „Um, dois, três“ und klatscht dabei zum Takt in die Hände. Zahlreiche Beine fliegen in die Höhe, Arme holen zum Schwung aus. Aus dem Hintergrund scherzt eine Frau: „Wenn das so weiter geht, brauche ich wegen Muskelkater einen Krankenschein.“ Copacabana-Gefühl mitten im ASB-Pflegezentrum am Annemarie-Renger-Weg. Eine Truppe aus jüngeren und älteren Bewohnern sowie Mitarbeitern trainiert mit Claudio Rosa die brasilianische Kampfkunst Capoeira, eine Mischung aus Kultur, Sport, Tanz und Musik.

Zum Start am Dienstagvormittag geht es zuerst einmal gemächlich zu. Rosa sagt: „Capoeira ist mein Leben.“ Der 44-Jährige macht es seit rund 35 Jahren und lehrt in Oberhausen an seiner eigenen Kampfsportschule. Er ist seit acht Jahren in Deutschland und zeigt den 16 Teilzeitbrasilianern zu Beginn erst einmal Aufwärmübungen. Nebenbei gibt es einen Minisprachkurs in Portugiesisch. So verbindet man Sport mit ein wenig Bildung.

Abwechslungsreicher Sport für Bewohner und Mitarbeiter

Auf einem Bein stehen, das andere anwinkeln: Die Teilnehmer wackeln ein wenig, meistern die Dehnübungen aber. Dann geht es ans Eingemachte: Claudio Rosa zeigt die ersten Schritte. Den linken Arm angewinkelt nach vorne strecken, das linke Bein nach hinten. Mit der rechten Seite wird die Balance gehalten, dann folgt der Wechsel. Die genaue Koordination von Arm und Bein ist gar nicht so leicht und erfordert etwas Übung.

Die ersten Schweißperlen stehen bereits auf der Stirn, als Rosa nicht zum Tanz, sondern zum Tritt bittet. Teamleiterin Jessica Henkel duckt sich rechtzeitig, als der Profi seine Schritte ausführt und sein Bein über ihren Kopf schweifen lässt. Mitarbeiterin Andrea Weber soll das nachmachen. Mit ein bisschen Mühe schafft sie das auch. Nach einer Stunde ist die erste Einheit vorbei. „Wir sind weit gekommen“, sagt Claudio Rosa. Maria Schmidt (84) fand es „etwas schwierig“, Spaß gemacht hat es ihr dennoch. Für Gerda Guthoff (84) war der Sport eine gelungene Abwechslung: „Das ist mal etwas anderes. Solange ich mich bewegen kann, mache ich das hier mit.“ Auch Jessica Henkel will, wenn es die Zeit erlaubt, in den kommenden Wochen dabei sein.

Zwei Mal in der Woche Kurse

„Leider fehlt hier nur der passende Strand“, sagt Einrichtungsleiter Manfred Lübke lachend. „Wir wollen den Bewohnern neue Möglichkeiten zur Bewegung aufzeigen“, erklärt Sylva Poschlad, Leiterin des sozialen Dienstes, die Einführung des neuen Angebotes. „Wir haben geschaut, was sich hier umsetzen lässt. Auch wenn die Bewohner nicht jedes Wort verstehen, sehen sie die Bewegungen. Das ist das Wichtigste.“ Künftig ertönt zwei Mal pro Woche für unterschiedliche Gruppen die Sambamusik im ASB-Haus. Im Sommer ist geplant, die Übung nach draußen zu verlegen. Bei gutem Wetter ist die Copacabana dann gar nicht so weit weg.

>>> Der Ursprung von Capoeira liegt in Afrika

Die brasilianische Kampfkunst Capoeira hat ihren Ursprung im afrikanischen „NiGolo“ (Zebratanz). In Brasilien wurde sie dann weiterentwickelt.

Neben dem Kampf und der Musik spielt der „Roda“ (dt. Kreis) eine große Rolle. Er gilt als gesellschaftlicher Rahmen, in dem der Kampf stattfindet.

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