Gewalt gegen Frauen

Im Frauenhaus Oberhausen fehlen Plätze für Hilfesuchende

Vor gewalttätigen Männern finden Frauen im Frauenhaus Schutz.

Foto: Hendrik Schulz

Vor gewalttätigen Männern finden Frauen im Frauenhaus Schutz. Foto: Hendrik Schulz

Oberhausen.   Die Nachfrage nach Plätzen im Frauenhaus übersteigt das Angebot. Ein weiteres Problem: Die Frauen finden im Anschluss keine bezahlbare Wohnung.

Für verzweifelte Frauen und für deren Kinder ist das Frauenhaus häufig die letzte Rettung vor dem gewalttätigen Ehemann und Vater. Doch die Plätze in den Frauenhäusern sind rar. „Wir haben die gleichen Probleme wie alle übrigen Frauenhäuser auch“, sagt Dorothee Schenke vom Frauenhaus Oberhausen.

Die Frauen, die einen der wenigen Plätze erhalten haben, finden keine Wohnung, weil es keinen günstigen Wohnraum mehr gibt. Sie bleiben länger als sonst im Frauenhaus. Für nachfolgende Frauen ist kein Platz.

Wenn die Frauen mehrere Kinder haben, gestaltet sich die Wohnungssuche noch schwieriger. Oder wenn sie Schulden haben, weil die Männer irgendwelche Verträge abgeschlossen haben. Erschwerend für die Wohnungssuche sind zudem fehlende Sprachkenntnisse.

Internetseite informiert über freie Plätze

„Normalerweise leben Frauen im Schnitt drei Monate bei uns, jetzt sechs“, sagt Dorothee Schenke. Rund 60 Frauen nehmen sie pro Jahr auf bei 180 Nachfragen. Und das, obwohl die Internet-Seite www.frauen-info-netz.de nicht nur alle Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen anzeigt, sondern auch, ob sie voll sind.

Grüne Punkte, gleich freie Plätze in einem Haus, gibt es kaum noch. „Es gibt ganz oft Tage, an denen alle Häuser rot sind“, erzählt Suna Tanis-Huxohl, Mitarbeiterin des Frauenhauses. Das sind Tage, an denen auch die Polizei verzweifelt. Haben Polizisten Frauen und womöglich Kinder aus einer Wohnung gerettet, wissen sie nicht wohin mit ihnen. Was aus diesen Frauen wird, wissen auch die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses nicht.

In Nachbarstädten ist alles dicht

„Vor zwei, drei Jahren gab es immer noch in einer Nachbarstadt freie Plätze, wenn wir belegt waren“, erinnert sich Dorothee Schenke. Diese Zeit ist nun vorbei. Im Frauenhaus werden dringend zusätzliche Plätze benötigt.

Jetzt erwarten die Mitarbeiterinnen mit Spannung, ob die in diesem Jahr ratifizierte Istanbul Konvention, die im Februar 2018 in Kraft treten soll, auch umgesetzt wird. Die Istanbul-Konvention ist ein im Europarat geschlossenes Übereinkommen, in dem sich über 40 Staaten dazu verpflichten, Frauen vor allen Formen von Gewalt zu schützen. „Danach müsste es für uns einen Platz pro Familie pro 10.000 Einwohnern geben“, überlegt Schenke. Nach dieser Berechnung könnten sie doppelt so viele Frauen wie jetzt unterbringen.

Ehemalige sollen Patenschaften übernehmen

Die Frauen hoffen, dass auch ein Projekt des Landes die Situation entspannt. In den autonomen Frauenhäusern Essen und Oberhausen wurde je eine halbe Stelle geschaffen. Zwei Jahre arbeitet die Sozialpädagogin Sarah Reichenberg mit ehemaligen Frauenhausbewohnerinnen. Sie hält zum Beispiel fest, wie die Wohnungssuche verlief, wann die Frauen Hilfe gebraucht hätten.

Die Ehemaligen werden zudem angehalten, Patenschaften von Geschlechtsgenossinen zu übernehmen, die noch im Frauenhaus leben. Außerdem plant die Sozialpädagogin, Kontakte zu Wohnungsgesellschaften aufzunehmen, um die Wohnungssuche der Frauen zu erleichtern.

15 Schlafräume für sieben Frauen

Im Frauenhaus Oberhausen gibt es 15 Schlafräume für elf Frauen und für sieben Kinder. Die Kinder haben ihr eigenes Zimmer, das über eine Verbindungstür mit dem der Mutter verbunden ist. So können sich die Frauen auch mal zurückziehen und zur Ruhe kommen.

Das Verhältnis von deutschen Frauen zu Geschlechtsgenossinnen mit Migrationshintergrund liegt bei 50 zu 50. Mittlerweile gehören viele Araberinnen zu den Bewohnerinnen, aber auch Marokkanerinnen. Vertreten sind alle möglichen Nationalitäten. „Nur keine Türkinnen mehr“, stellt Suna Tanis-Huxohl fest. Dabei wurde sie vor Jahren eigens eingestellt, weil sie die türkische Sprache spricht. Die beiden Frauen vermuten, dass Türkinnen, die mittlerweile in der dritten Generation hier leben, Rückhalte in der Familie finden, wenn ihr Ehemann sie quält.

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