Trauer

Hospiz-Verein richtet Corona-Gedenkstätte in Oberhausen ein

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Die temporäre Gedenkstätte soll hinter der evangelischen Friedenskirche an der Steinbrinkstraße in Oberhausen-Sterkrade entstehen.

Die temporäre Gedenkstätte soll hinter der evangelischen Friedenskirche an der Steinbrinkstraße in Oberhausen-Sterkrade entstehen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Oberhausen.  Das ambulante Hospiz Oberhausen schafft eine temporäre Gedenkstätte für alle, die wegen Corona leiden mussten. Gesucht werden Namen.

Seit Beginn der Pandemie sind über 350 Menschen in Oberhausen an Corona gestorben - viele alleine, ohne Freunde oder Angehörige an ihrer Seite. Und die hatten zum Teil nicht einmal die Chance, sich bei einem Begräbnis angemessen zu verabschieden. Viele Menschen wissen offenbar nicht, wohin mit ihrer Trauer. „Wir verzeichnen seit der Pandemie verstärkt Anfragen für Trauerbegleitungen“, sagt Sabine Schrade, Koordinatorin im ambulanten Hospiz Oberhausen. „Es würde sicher helfen, diesen Abschied ein Stück weit nachzuholen.“

Gedenkstätte ist auch für diejenigen, die wegen Corona in finanzielle Not geraten sind

Im Hospiz-Verein ist deshalb die Idee entstanden, eine temporäre Corona-Gedenkstätte einzurichten. Entstehen soll diese hinter der evangelischen Friedenskirche an der Steinbrinkstraße in Sterkrade.

Gewidmet sein soll der Gedenkort nicht allein denjenigen, die an einer Corona-Erkrankung gestorben sind. Auch gedacht werden soll der Menschen, die sich angesteckt haben und noch heute, Monate später, unter gesundheitlichen Spätfolgen leiden. [Lesen Sie:Oberhausen: Jeder dritte Corona-Patient leidet an Spätfolgen]

Zudem soll es auch um die Menschen gehen, die durch die Corona-Einschränkungen in Existenznot geraten sind, etwa weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben. „An all diese Oberhausenerinnen und Oberhausener soll nun gedacht werden“, sagt Sabine Schrade. „Sie alle sollen einen Namen bekommen.“

Ambulantes Hospiz Oberhausen sucht die Namen der Corona-Opfer

Denn um auf die vielen Leidenswege dieser Pandemie aufmerksam zu machen, will das Hospiz die Vornamen all derer sammeln, die an den Corona-Folgen leiden und gelitten haben. Die Namen sollen auf Schiefertafeln übertragen und an der Gedenkstätte abgelegt werden. Bei Verstorbenen soll auch der Todestag mit verzeichnet werden. Das Hospiz bittet deshalb nun Angehörige, Freunde, Nachbarn und Bekannte, die Informationen zuzuschicken (per Mail an: kontakt@hospiz-oberhausen.de).

Es können auch Namen anderer Opfer zugeschickt werden, deren Leiden nicht direkt mit Corona in Verbindung steht.

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Eröffnet werden soll die Gedenkstätte am Samstag, 10. Juli, um 11 Uhr mit einer Auftaktveranstaltung, bei der Musik gespielt, Texte und Fürbitten gelesen werden sollen. Die temporäre Gedenkstätte soll dann zwei Wochen, bis zum 25. Juli, bestehen bleiben. In dieser Zeit können dort weitere Namenstafeln abgelegt werden, ebenso Blumen und Kerzen. [Lesen Sie auch:Oberhausen gedenkt Corona-Toten über Religionsgrenzen hinweg]

Trauerbegleiter sind vor Ort

In den zwei Wochen werden an der Gedenkstätte auch Trauerbegleiter des ambulanten Hospizes anwesend sein. Menschen, die über ihre schwierigen Erfahrungen beim Abschied von einem nahen Angehörigen oder Freund sprechen möchten, bieten sie dann Gespräche an. Während der zwei Wochen der Gedenkstätte wird jeweils mittwochs, freitags und sonntags von 15 bis 17 Uhr jemand vor Ort sein. Die Bänke an der Wiese der Gedenkstätte können so zu Trost- und Trauerbänken werden.

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