Judenverfolgung

Holocaust überfordert Grundschüler in Oberhausen nicht

Die Oberhausener Schulrätin und zwei Grundschulleiter haben die Biografie Sally Perels in Bilderbuchform gebracht, um Dritt- und Viertklässlern den Zugang zu der Geschichte zu ermöglichen.

Die Oberhausener Schulrätin und zwei Grundschulleiter haben die Biografie Sally Perels in Bilderbuchform gebracht, um Dritt- und Viertklässlern den Zugang zu der Geschichte zu ermöglichen.

Foto: AR

Oberhausen.   Die systematische Ermordung von sechs Millionen Juden ist ein Thema für Dritt- und Viertklässler. Davon sind Oberhausener Grundschulen überzeugt.

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Die Ermordung von sechs Millionen Juden während der nationalsozialistischen Diktatur, der „Holocaust“ – ein Thema für die Grundschule? Nein, finden häufig Eltern. Zu früh, zu verstörend, belastend, grausam sei die Beschäftigung mit diesem Teil der deutschen Geschichte für Dritt- und Viertklässler. In dieser Woche steht das Thema trotzdem für die dritten und/oder vierten Jahrgänge auf dem Stundenplan aller Oberhausener Grundschulen. Für die konzertierte Aktion gibt es gute Gründe.

Denn der „Holocaust“ ist in erster Linie ein Tabuthema für Erwachsene, lautet eine These in der erziehungswissenschaftlichen Forschung. Das können Oberhausener Grundschullehrerinnen und -lehrer bestätigen, weshalb sie die Anregung von Schulrätin Silke vom Bruch gerne aufgriffen: Auf deren Initiative hin nehmen erstmalig Oberhausener Grundschüler an einer Lesung mit Sally Perel teil. Auch für den Autor des Buches „Ich war Hitlerjunge Salomon“ ist es eine Premiere, vor so jungen Schülern die Geschichte seines Überlebens als Jude im Zweiten Weltkrieg zu schildern.

760 Grundschüler treffen Sally Perel

Rund 760 Grundschüler werden dem Zeitzeugen begegnen. Sie bereiten sich im Unterricht darauf vor, auch mit einem eigens dafür von Silke vom Bruch und den Schulleitern Sven Siebenmorgen und Sabrina Thomas gestalteten Bilderbuch zu Perels Biografie. Die Dritt- und Viertklässler, die nicht an der Lesung teilnehmen können, lernen in der Projektwoche, im Deutsch- oder Reliunterricht oder an einem Projekttag ebenfalls etwas über die Judenverfolgung und -ermordung.

Das Thema sachlich zu behandeln und Fakten weiterzugeben, sei notwendig, ist Sabrina Thomas, Leiterin der Robert-Koch-Schule, überzeugt. „Die Kinder kommen außerhalb der Schule ohnehin damit in Berührung, haben dann aber oft ein problematisches Halbwissen.“ Fundiertes Wissen zu vermitteln „ist unsere Aufgabe“, sagt auch Sven Siebenmorgen, Leiter der Königschule. „Kinder suchen nach Aufklärung und wollen ihre Fragen loswerden“, ist seine Erfahrung. Gerade in dem Alter gingen Kinder offen und unbefangen mit dem Thema um, die Erziehung zu Offenheit, Toleranz, Solidarität könne zudem nicht früh genug ansetzen.

Fotos von Leichenbergen und Filme von Konzentrationslagern müssen sich die Kleinen dafür nicht ansehen, es gibt zahlreiche Bilderbücher und Materialien, die ihnen zum Beispiel den erzählerischen Zugang anhand einer Identifikationsfigur in ihrem Alter ermöglichen.

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