Stadtplanung

Hoher Öko-Aufwand für die Edeka-Ansiedlung

Streng geschützt: die Kreuzkröte (Bufo calamita). Sie kommt im Waldteich-Gebiet vor und muss auf Ersatzflächen neu angesiedelt werden.

Foto: imago

Streng geschützt: die Kreuzkröte (Bufo calamita). Sie kommt im Waldteich-Gebiet vor und muss auf Ersatzflächen neu angesiedelt werden. Foto: imago

Osterfeld/Sterkrade.   Über das gesamte nördliche Stadtgebiet erstrecken sich Ausgleichs- und Ersatzflächen. Es geht um die streng geschützte Kreuzkröte.

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Wenn freie Flächen heute in großem Stil bebaut oder asphaltiert werden, muss die betroffene Natur woanders bessere Lebensbedingungen erhalten. Seltene Tier- und Pflanzenarten müssen so geschützt werden. Das ist auch bei dem an der Waldteichstraße geplanten Edeka-Zentrallager und der dafür vorgesehenen Umgehungsstraße so. Über das ganze nördliche Stadtgebiet sind die Ausgleichs- und Ersatzflächen dafür ver­teilt. Die beiden Bebauungspläne dafür liegen noch bis 28. Juni erneut öffentlich aus. Geringe Änderungen ihrer Grenzen und die Verpflichtung, auch die Ausgleichs- und Ersatzflächen publik zu machen, machen das erforderlich.

Da ist zunächst der Bebauungsplan Nr. 735 Erschließung Waldteich/Weierheide. Er sieht den Bau der Umgehungsstraße zwischen Gewerbegebiet Im Erlengrund, Weißenstein- und Waldteichstraße entlang der A 3 vor. Dafür werden größtenteils Freiflächen und landwirtschaftliche Flächen mit einer Größe von über 70 000 Quadratmetern (qm) umgewidmet. Allein für die Straßenfläche sind das 44 000 qm. Dort, wo die Umgehungsstraße die Weißensteinstraße in Form eines geplanten Kreisverkehrs kreuzt, ist auch ein neues kleines Gewerbegebiet von 19 000 qm vorgesehen.

Projekt gilt als nachhaltig

Schon dieser Teil der Planung für sich erfüllt laut Stadtverwaltung den Anspruch der Nachhaltigkeit. Als nachhaltig, also langfristig vertretbar, gilt für eine Stadt von der Größe Oberhausens ein jährlicher Freiflächenverbrauch von 155 000 qm. Außerdem gilt das betroffene Gelände zwischen der vorhandenen Bebauung und der Autobahn als ökologisch nicht besonders wertvoll. Unter dem Strich gehen dadurch 28 000 qm verloren.

Davon soll knapp die Hälfte, 13 000 qm, durch die Ausweisung von Ausgleichsflächen außerhalb des Plangebiets kompensiert werden. Eine von ihnen wird der ehemalige Sportplatz an der Einmündung der Markgrafen- in die Biefangstraße in Schwarze Heide. Er soll rückgebaut und in Grünfläche verwandelt werden. Die andere wird die ehemalige Gärtnerei zwischen Hamborner Allee und Emscherstraße in Buschhausen. Ihre Gebäude sollen abgerissen und das Gebiet aufgeforstet werden.

Von ganz anderen Dimensionen ist das Plangebiet des Bebauungsplans Nr. 642 mit seinen 393 000 qm nördlich der Waldteichstraße. Es handelt sich um die Fläche der ehemaligen nationalen Kohlereserve. Dort will Edeka das Zentrallager mit rund 500 aus Moers verlagerten und bis zu 500 neu zu schaffenden Arbeitsplätzen errichten. Das Gelände gilt nicht als Freifläche, auch wenn die Natur es sich in den letzten Jahren zurückerobert hat, weil es amtlich bis heute Gewerbe- oder Industriefläche ist. Vielmehr erhöht die Planung den Freiflächenanteil sogar, weil 20 Prozent davon künftig nicht bebaut sind.

187 000 qm für die Kreuzkröte

Umfangreiche Voruntersuchungen sind vorgeschrieben, um den mit einer solchen Planung verbundenen Eingriff ins Ökosystem zu erfassen. Vor allem der Lebensraum der streng geschützten Kreuzkröte ist demnach betroffen. Für sie sollen vier Ersatzlebensräume ausgewiesen werden: ein 50 000 qm großer Streifen entlang der künftigen Betuwe-Linie zwischen Von-Trotha-Straße und Weierstraße, ein weiterer 27 000 qm großer Streifen nördlich des Plangebiets selbst, also ebenfalls zur Betuwe hin, ferner 35 000 qm zwischen A 42 und Emscher südlich von Vondern sowie weitere 15 000 qm noch weiter östlich, entlang der Breilstraße, das Böllhoffgelände in Osterfeld.

Solange ein sogenanntes Sicherungsbauwerk gegen Wanderungen der Kröten entlang der Au­tobahn 3 noch nicht fertig ist, darf auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Sterkrade, im Hinterland der Von-Trotha-Straße, eine Fläche von 60 000 qm als „temporäre Zwischenhälterung“ für die Amphibien ausgewiesen werden.

>>> Zeiten und Ort der öffentlichen Auslegung

Die entsprechenden Pläne liegen noch bis Donnerstag, 28. Juni, im Technischen Rathaus in Sterkrade, Bahnhofstraße 66, zur Einsicht aus, nämlich im Erdgeschoss in Zimmer A 009. Öffnungszeiten im Technischen Rathaus sind Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr sowie Freitag von 8 bis 12 Uhr.

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