Parkgebühren

Hohe Parkgebühren – Autofahrer in Oberhausen kochen vor Wut

Wer in der Oberhausener Innenstadt parken möchte, zahlt dafür eine Gebühr von einem Euro pro Stunde.

Wer in der Oberhausener Innenstadt parken möchte, zahlt dafür eine Gebühr von einem Euro pro Stunde.

Foto: Gerd / Funke Foto Services

Oberhausen.  Günstige oder gratis Parkplätze in der Innenstadt oder nahe des Arbeitsplatzes: Auf diesen Luxus wollen viele Oberhausener nicht verzichten.

Die Herzen der Autofahrer in Oberhausen schlagen hoch. Vor Wut. Die Erhöhung der Parkgebühren sorgt seit Wochen für hitzige Diskussionen in der Stadt. Im Rathaus trudeln Unterschriftenlisten der Belegschaft des Evangelischen Krankenhauses ein, in sozialen Medien überschlagen sich Betroffene mit Kritik an der politischen Entscheidung, die Kosten fürs Parken von 50 Cent auf einen Euro pro Stunde zu erhöhen sowie die kostenpflichtigen Zeiten und Gebiete zu erweitern.

Parkgebühren an Krankenhäusern und dem Arbeitsamt zu verlangen, sei eine „gute Möglichkeit, sich als Stadt die Taschen zu füllen“, schreibt etwa Bernd Sachs auf der Facebook-Seite unserer Redaktion. Und mit seiner Meinung ist er nicht allein: Etliche Nutzer gehen davon aus, dass die Gebühren nicht aus ökologischen Gründen erhöht wurde, sondern um das Stadtsäckel zu füllen.

Linke halten Klimaschutz für Ausrede

Und sie erhalten Rückenwind von den Oberhausener Linken. Der Fraktionsvorsitzende Yusuf Karacelik hält den Klimaschutz für vorgeschoben. „Als die Diskussionen um das Parkraumbewirtschaftungskonzept geführt und das Konzept gegen unsere Stimmen abgestimmt wurde, war von Klimaschutz keine Rede. Wenn jetzt die CDU auf diesen Zug aufspringt, um die drastisch erhöhten Gebühren zu rechtfertigen, ist das sehr unredlich und eine Irreführung der Öffentlichkeit. Stattdessen werden die Mehreinnahmen mit Sicherheit dazu verwendet werden, um Finanzlöcher zu stopfen.“

Die Linke Liste fordert, das neue Parkgebühren-Konzept auszusetzen, „bis gangbare Alternativen auf dem Tisch liegen.“ Das würde auch die Belegschaft des Evangelischen Krankenhauses an der Virchowstraße entlasten. Dort verlangt die Stadt erst mit Einführung der neuen Gebührenregel Geld fürs Parken. „Die ernste Personalnot im Gesundheitswesen, auch in Oberhausen, wird durch die enorme Parkgebührenbelastung noch erhöht“, schreibt auch Jürgen Dittmeyer.

Innenstadt-Händler in Sorge

Händler der Innenstadt bekunden regelmäßig ihre Sorge, dass durch die Erhöhung der Parkgebühren Kunden ausbleiben – und so ein Besuch der City immer unattraktiver werde. Leserin Ursula Rozman kommentiert die neuen Gebühren passenderweise so: „Dann geh’ ich halt gar nicht mehr nach Oberhausen in die Innenstadt, da können die Läden mal sehen, wo ich als Kunde bleibe.“ Und Volker Racho schreibt: „Ich fahr’ halt einfach weiterhin ins Centro. Da ist parken für lau.“

Neben der Oberhausener CDU und den Grünen, die in den vergangenen Tagen die Erhöhung der Parkgebühren bereits verteidigt haben, melden sich auch Leser, die sich positive Effekte durch die neuen Gebühren erhoffen. So schreibt Boris Dresen auf Facebook: „Durch die jahrzehntelange Bevorzugung des Autos können wir uns kaum noch eine andere Fortbewegungsart vorstellen, zu komfortabel ist das Autofahren geworden. Es ist erstmal immer schwierig Gewohnheiten abzulegen, aber es geht nun mal nicht mehr anders: zu viel Stau, kein lebenswerter Stadtraum mehr und die Klimakrise machen dies notwendig.“

Radwege „mies und unübersichtlich“

Der Wille, öfter aufs Auto zu verzichten, sei durchaus da, meinen andere Kommentatoren. Doch es mangele an Alternativen. Annette Friedhoff schreibt: „Damit mehr Leute mit den Bussen fahren, brauchen wir im gesamten Ruhrgebiet einen optimalen Nahverkehr (Schluss mit örtlichem Nahverkehr), der häufig fährt, mit passgenauen und pünktlichen Anschlüssen und auch noch preiswert ist.“ Für die kommenden Jahre, gar Jahrzehnte sehe sie da aber schwarz. Die Oberhausenerin wohne am Stadtrand und vermisst gute Busverbindungen. „Eine Fahrt, die ich zwei Mal die Woche mache: Auto hin und zurück 15 Minuten, Bus 70 Minuten“. Bei anderen Fahrten sehe es ähnlich aus. „Also bitte nicht immer über die bösen Autofahrer schimpfen!“

Anna Lichtwardt würde gern öfter mit ihren Kindern das Rad nutzen, doch auch sie vermisst die passende Infrastruktur. Sie wohne vergleichsweise ländlich, da sei das Radeln angenehm. Aber in der Innenstadt? „Sorry, aber da wird mir schlecht vor Angst.“ Die Radwege bezeichnet sie als „mies und unübersichtlich“. In die Stadt fahre sie mit dem Auto, auch weil es ihr mit dem Bus zu teuer ist: Für zwei Kinder und einen Erwachsenen zahle sie zwölf Euro für Hin- und Rückfahrt.

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