Pandemie

Hochzeit: Corona-Kontrolleure plötzlich auf der Tanzfläche

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) in Regie des Ordnungsamtes ist seit März im Stadtgebiet unterwegs, um die Einhaltung der Corona-Kontaktregeln zu kontrollieren.

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) in Regie des Ordnungsamtes ist seit März im Stadtgebiet unterwegs, um die Einhaltung der Corona-Kontaktregeln zu kontrollieren.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Jähe Unterbrechung einer Hochzeitsparty: Plötzlich steht die Corona-Kontrolle auf der Tanzfläche! Ein Einsatz, der Befremden und Kritik auslöst.

Die zweite Corona-Welle rollt unerbittlich. Da kommt es besonders darauf an, dass nachhaltige Kontakt-Kontrollen im Stadtgebiet das Infektionsrisiko senken und Gesellschaften die maximal zulässige Gästezahl nicht überschreiten. Eine solche Kontrolle einer Hochzeitsgesellschaft im feinen Parkhotel an der Teutoburger Straße in Oberhausen löste jetzt allerdings manches Befremden und teils empörte Kritik aus. Stadt und Polizei weisen die Vorwürfe zurück.

In beträchtlicher Personalstärke hätten Kräfte von Ordnungsamt und Polizei am Abend des 17. Oktobers die besagte Hochzeitsgesellschaft „gestürmt“, heißt es ziemlich drastisch in einer Beschwerde-Mail, die von Verfasserin Denize Heger – an jenem Abend als normaler Gast und nicht als Teil der Hochzeitsgesellschaft im besagten Hotel präsent – direkt an Oberbürgermeister Daniel Schranz, Corona-Krisenstableiter Michael Jehn und Polizeipräsident Alexander Dierselhuis geschickt wurde, mit Kopie an unsere Redaktion.

„Hochzeit willentlich gestört“

Die Beschwerdeführerin berichtet in der Mail ausführlich von ihren Beobachtungen und formuliert zum Beispiel: „Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes stürmten sofort Tanzfläche und Saal, dicht gefolgt von den Beamten der Polizei. Zu diesem Zeitpunkt fielen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei diesem Einsatz nur dadurch auf, dass sie - ohne irgendjemanden über ihr Handeln zu informieren oder mit jemandem zu reden - mit Händen bis zum Anschlag in der Hosentasche und in martialischer Weise im Raum umherstreunend die Feierlichkeiten der Hochzeit willentlich und bewusst gestört haben.“

Ein ähnliches Auftreten hätten die Polizisten gezeigt, heißt es in der umfangreichen Mail. All das habe bei den Hochzeitsgästen und den im Restaurant befindlichen Hotelgästen das Gefühl hervorgerufen, „Bestandteil eines Schwerverbrechens zu sein“.

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Unsere Redaktion fragte bei der Inhaberin des Parkhotels, Uschi Wischermann, nach, die den Fall deutlich entspannter, aber ebenfalls kritisch sieht: „Ein wenig unangemessen habe ich den ,Auftritt‘ des Ordnungsamtes schon auch empfunden“, formuliert Uschi Wischermann. Am Samstag zuvor, also am 10. Oktober, seien lediglich zwei uniformierte Beamte vom Ordnungsamt gekommen, hätten relativ diskret nachgefragt, kontrolliert und seien dann wieder ohne Beanstandungen nach zehn Minuten gefahren. Am 17. Oktober seien nun „direkt acht uniformierte Beamte direkt auf die Tanzfläche gegangen und haben sich ziemlich markant aufgebaut“.

Hotelinhaberin: „War ein bisschen unverhältnismäßig“

Erst auf ihre Bitte hin, so die Hotelinhaberin weiter, seien die Beamten ihr in die Hotelhalle gefolgt, auch dort hätten sie sich wieder „alle sehr offensiv aufgebaut“, während der Einsatzleiter mit ihr gesprochen und die „Papiere“, also die Einhaltung der maximal zulässigen Gästezahl, kontrolliert habe. Der Einsatzleiter sei sehr höflich gewesen und dann sei auch alles in zehn Minuten erledigt gewesen: „War ein bisschen unverhältnismäßig, but nobody is perfect – wir alle sind Menschen.“

Allerdings sei auch das Hochzeitspaar ziemlich geschockt gewesen. Bemerkenswerterweise sei das Ordnungsamt zudem nicht wegen der an erster Stelle kontrollierten Hochzeit vor Ort gewesen, da diese stets nur mit 30 Personen vorgesehen und daher nicht angemeldet gewesen sei. Die Kontrolle sei wegen einer zweiten Hochzeit im Hotel erfolgt, die ursprünglich mit 62 Personen beim Ordnungsamt angemeldet gewesen sei, aber bereits am Montag zuvor auf 20 Personen reduziert worden sei. Das sei auch dem Ordnungsamt so gemeldet worden.

Polizei: „Keine dienstrechtlichen Verstöße“

Schnell reagierte unterdessen die Polizei auf die besagte Beschwerde-Mail. Man habe den Fall überprüft und keine straf- oder dienstrechtlichen Verstöße der beteiligten Beamten feststellen können, sagt Polizeisprecher Tom Litges. Er weist daraufhin, dass die Polizei hier lediglich unterstützend für das Ordnungsamt präsent gewesen sei.

Stadt: „In keinerlei Hinsicht formal zu beanstanden“

Auch der Stadt Oberhausen ist durch die Beschwerde-Mail und unsere redaktionelle Nachfrage die umstrittene Kontrollaktion bekannt. Die Stadtverwaltung erklärt, dass an dem besagten Wochenende 16. bis 18. Oktober durch den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) 18 Veranstaltungen (Hochzeiten, Geburtstage) überprüft worden seien. Schwerpunkt der Überprüfung sei die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung gewesen. Alle Veranstaltungen seien im Vorfeld mit bis zu 150 Gästen angemeldet worden.

„Um sicherzustellen, dass die Besucherzahlen entsprechend der zu dem Zeitpunkt geltenden Richtlinien der Coronaschutzverordnung von 50 Gästen nicht überschritten wurden, erfolgte die Überprüfung in Zusammenarbeit mit der Polizei, aus deren Sicht ebenfalls die Vorgehensweise am 17. Oktober völlig korrekt gelaufen und in keinerlei Hinsicht formal zu beanstanden ist“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Stadt. In diesem Zusammenhang erinnert die Stadt an den jüngsten Appell des derzeit amtierenden Krisenstableiters Frank Motschull: „Durch das Einhalten der Regeln können wir das Geschehen kontrollieren und das Virus isolieren. So kann jeder einen eigenen Beitrag dazu leisten.“

Hotelgast: „Stimmung auf dem Nullpunkt“

Derweil fasst Denize Heger, die Autorin der Beschwerde-Mail, das Ergebnis der Kontrollaktion aus ihrer Sicht wie folgt zusammen: „Hochzeitsfeier ruiniert, Stimmung auf dem Nullpunkt, belastbare Hinweise auf einen Regelverstoß wurden nicht gefunden. Ein Auftritt dieser Art fördert nur, dass es immer mehr Bürger geben wird, die kein Verständnis mehr für eigentlich sinnvolle Regularien zur Bekämpfung von Corona haben werden.“

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