Rock-Gottesdienst

„Helleluja“: Musical-Gottesdienst endet mit Zugabe-Rufen

Pfingst-Gottesdienst in den Kulissen von „Bat out of Hell“ im Stage Metronom Theater: Beim Outfit hatte das Ensemble zwar „abgerüstet“ – beim Einsatz allerdings keineswegs.

Pfingst-Gottesdienst in den Kulissen von „Bat out of Hell“ im Stage Metronom Theater: Beim Outfit hatte das Ensemble zwar „abgerüstet“ – beim Einsatz allerdings keineswegs.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Beim Pfingstgottesdienst im Metronom-Theater feiern Rock-Jünger das Ensemble. Die Zugabe fällt aus – doch am Ausgang wartet eine Überraschung.

Vater unser im Himmel, gerockt werde dein Name. Hat Pfarrer Steffen Hunder am Pfingstsonntag zwar nicht gesagt, aber wer weiß, vielleicht mal gedacht. Die Idee, seinen Gottesdienst aus Essen zum Musical „Bat out of Hell“ zu verlegen, war auf jeden Fall ein Volltreffer. Denn wo darf der Besucher umsonst im Theater Stars lauschen und welche Kirchengemeinde fordert überhaupt geschlossen eine Zugabe?

Der Grund für Letzteres ging vor allem ins Ohr: Unter dem Motto „Aus Liebe alles tun“ (im Original: „I’d do anything for Love“) sangen sich die Darsteller des Musicals „Bat out of Hell“ im Stage Metronom-Theater in die beseelten Herzen der Gläubigen. Mehr noch: Für eine Stunde schweißten die bekannten Rock-Hymnen gepaart mit Psalm, Predigt und „Vater unser“ die Rock-Gemeinde derart zusammen, dass kaum einer nach Hause wollte.

Der Pfarrer ist bekennender Musical-Fan

Punkt 18 Uhr betritt Pfarrer Hunder die Bühne. Spät für einen Gottesdienst; für seinen „Chor“ normale Arbeitszeit. Dieser folgt gleich hinter ihm: unter dem Applaus der Gläubigen verteilt sich das komplette Ensemble aus zehn Ländern in der endzeitlichen Kulisse. „Liebe Musical-Gemeinde“, sagt Pfarrer Hunder stolz ins Mikrofon. „Ich muss euch sagen: Das ist schon ein erhebendes Gefühl, hier oben zu stehen.“ Erste Lacher hat er auf seiner Seite – und die nächste Stunde wird kein typischer Sonntag in der Kirche.

Das Musical „Bat out of Hell“ greift traditionelle Liebes-Dramen auf. Pfarrer Steffen Hunders Predigten wirken daher fast wie Steilvorlagen für die Stars Robin Reitsma alias „Strat“ und Sarah Kornfeld, die als „Raven“ inbrünstig „Aus dem Nichts hast du Liebe gemacht“ singen. Zudem stört sich kein Kirchgänger ob des epischen Pomp-Rock inmitten des düster-futuristischen Bühnenbildes der Stadt Obsidian anno 2030 am Fehlen des Kreuzes und anderer christlicher Symbole. Warum auch?

Theaterpolster statt harter Kirchenbank

Ganz im Gegenteil: In den bequemen roten Sitzen genießen die Gottesdienst-Besucher fortan ein Wechselspiel von Gottes Wort und Heiligem Geist und den Hits von Meat Loafs Über-Album, hinter dem bekanntlich Jim Steinman als genialischer Komponist steckt. Nickende Köpfe, Fan-Shirts und ein Pfarrer mit Regenbogen-Stola, der zwischendurch immer mal wieder mitwippt, machen den Gottesdienst im Metronom-Theater einzigartig.

Überraschung bei der Kollekte

Dem Segen am Ende folgt der Chorus und die Abschiedsnummer „I’d do anything for Love“. Spontan stehen alle auf, klatschen mit und rufen „Zugabe, Zugabe, Zugabe“. Für Pfarrer Hunder ist das Neuland. Trotz zwischenzeitlicher Tonprobleme sagt er seiner Gemeinde jedoch routiniert ab. Jeder noch so gläubige Rockjünger solle bitte verstehen: Die nächste Show startet in ein paar Minuten, Karten seien zu haben, wer mag, könne bleiben – das wirkt echt.

Die Kollekte draußen darf selbst im Theater nicht fehlen. Dort wartet noch eine Überraschung: Die Darsteller der Show mit Klingelbeutel. Kurz ein Selfie mit den Stars gemacht und Gutes per Spende getan: So kann der Sonntag enden.

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