Klimawandel

Haus Ripshorst zeigt Ausstellung über den „Patient Erde“

Michael Lorenz (li.) und Wolfgang Gaida, der Leiter des Besucherzentrums Haus Ripshorst, vor einer Vitrine mit Symbolen der Überfluss-Gesellschaft.

Michael Lorenz (li.) und Wolfgang Gaida, der Leiter des Besucherzentrums Haus Ripshorst, vor einer Vitrine mit Symbolen der Überfluss-Gesellschaft.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Akribisch hat der Ökologe Michael Lorenz zusammengetragen, woran der Planet Erde erkrankt ist. Seine Ausstellung ist in Haus Ripshorst zu sehen.

Für Michael Lorenz (57) ist es der helle Wahnsinn, wie die Menschen mit ihrem Planeten, der Erde, umgehen. So nämlich, als hätten sie noch einen in Reserve. Der Essener ist nicht nur studierter Biologe und Ökologe, sondern organisiert von Berufs wegen Museumsausstellungen.

Diesmal, in Haus Ripshorst, ist es seine Privatausstellung. Auf der Empore des Besucherzentrums demonstriert er die Fakten zum Thema „Patient Erde. Wie der Mensch seinen Heimatplaneten behandelt“.„Das ist es, was mich seit meinem Studium umtreibt“, erklärte er bei der Eröffnung vergangenen Freitag.

Was ihn bedrückt, ist hinter Glasvitrinen und an Wänden zusammengestellt. Die Informationen sind mehr als reichlich. Seit 2005 gibt es bei uns im Schnitt jährlich 20 Tage im Jahr mit über 30 Grad Hitze. In den 1960er und 70er Jahren waren es erst zehn Tage. 3,5 Millionen Tonnen Müll werden täglich weltweit erzeugt, darunter Sondermüll mit Umweltgiften wie Blei und Cadmium. Viel Plastikmüll davon, von uns exportiert, gelangt in die Meere. Auch ein Großteil jener 169 Millionen Tonnen Düngemittel aus der Landwirtschaft werden nach dort geschwemmt. Zusammen mit den Resten von 26 Millionen Tonnen Waschmitteln weltweit.

Der Energiebedarf ist unersättlich

Seit 2016 steigt der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid wieder an. Der Energiebedarf auf der Erde scheint unersättlich. Denn der Abbau von Kohle bleibt weltweit auf hohem Niveau. Die Förderung von Erdöl und -gas nimmt noch zu. Erstmals seit zehn Millionen Jahren, so ist da zu lesen, ist der Nordpol wieder ohne Eisschicht. Und der Grönlandgletscher hat seit 1995 rund 4000 Millionen Tonnen Eis verloren. In bestimmten Gegenden der Erde häufen sich Waldbrände, Starkregen, Dürren und Hitzewellen.

Die Landwirtschaft sucht mit Hilfe von Gentechnik nach immer weiteren Möglichkeiten, ihre Produktion zu steigern. Der Regenwald wird weiter abgeholzt. Riesige Monokulturen entstehen. Überhaupt nimmt der Landverbrauch weiter zu. Keine zwei Prozent der eisfreien Landfläche bestehen noch aus unberührten Arealen von mindestens 100 Quadratkilometern. Jeden Tag sterben weltweit 130 Arten aus. Auf natürliche Weise wären es maximal drei im Jahr, ist da zu lesen.

Die Natur setzt nicht auf Wachstum

Michael Lorenz kommt zu der Erkenntnis: Es sei die Wachstums-Ideologie, die dazu geführt habe. Und sie sei widernatürlich: „Ökologisch gesehen geht ein Überfluss immer zu Lasten eines gleich großen Mangels, auch wenn er an ganz anderer Stelle auf der Erde auftritt. Die Natur strebt immer ein Gleichgewicht an, ist nicht auf Wachstum angelegt.“

Wenn sich die Erzeugnisse der Wachstums-Gesellschaften wenigstens gleich verteilen würden. Schließlich werden, so zeigt es die Ausstellung, Tag für Tag für 500 Milliarden US-Dollar Wertpapiere gehandelt. Aber trotzdem sterben gleichzeitig 24.000 Menschen den Hungertod. Seit 1975 hat selbst Deutschland nie weniger als eine Million Arbeitslose gehabt. Sechs Millionen Menschen stehen bei den Jobcentern Schlange. Der so teuer erkaufte Wohlstand nützt nicht allen Menschen. Wie es möglich ist, all das umzukehren, ist auch Lorenz ein Rätsel. „Ich möchte aber wenigstens das Bewusstsein dafür schärfen“, sagt er.

Die Ausstellung im Besucherzentrum an der Ripshorster Straße 306 ist bis zum 29. September zu sehen, zu den Öffnungszeiten dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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