Höhere Parkgebühren

Handel bezweifelt die Strahlkraft der Oberhausener City

Marc Heistermann, Hauptgeschäftsführer Handelsverband NRW Ruhr.

Marc Heistermann, Hauptgeschäftsführer Handelsverband NRW Ruhr.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Die Verdoppelung der Parkgebühren für Autofahrer in der Oberhausener Innenstadt hält der Handelsverband Ruhr für ein falsches Zeichen.

Oberhausen. Die kontroverse Debatte um die höheren Parkgebühren in der Oberhausener Innenstadt und in Sterkrade befeuert nun auch der Handelsverband Ruhr mit einer ausführlichen Stellungnahme.

Marc Heistermann, Hauptgeschäftsführer Handelsverband NRW Ruhr e. V, warnt die Ruhrgebietsstädte und insbesondere Oberhausen, den Zugang zu ihren Innenstädten immer weiter zu beschweren und zu verteuern. Er reagiert damit auf die Ansichten der Oberhausener CDU-Ratsfraktion („CDU verteidigt höhere Parkgebühren“) und den Kommentar der Redaktion zur Verteuerung der Parkpreise für Autofahrer („Warum höhere Parkgebühren in der Klimakrise notwendig sind“).

Hier die Stellungnahme des Handelsverbandes Ruhr im Wortlaut: „Richtig ist sicherlich, dass die Erhöhung von Parkgebühren eine verkehrslenkende Wirkung im Bereich des Individualverkehrs haben kann. Beide Artikel scheinen allerdings von der Annahme auszugehen, dass das Ziel des potenziellen Innenstadtbesuchers feststeht und es damit nur darum geht, womit er dieses Ziel erreichen kann. Wenn man die Anreise mit dem Pkw nur genug erschwere, werde quasi automatisch auf den öffentlichen Nahverkehr oder weniger klimaschädliche Antriebsformen umgeschwenkt.

Oberhausen ist nicht so attraktiv wie London

Ja, ein solches Konzept kann funktionieren, setzt aber voraus, dass das Ziel so attraktiv ist, dass der Besucher für seinen Besuch bereit ist, einigen Unbill in Kauf zu nehmen. In Metropolen wie London kann man so etwas ohne größere Auswirkungen auf die Besucherfrequenz machen. Ob die Strahlkraft der Oberhausener Innenstadt groß genug ist, dass Besucher jegliches Hindernis in Kauf nehmen, wage ich zu bezweifeln. Seit Jahren wird versucht, die Oberhausener Innenstadt neu zu beleben. Mit höheren Parkgebühren wird dies nicht gelingen. Wenn Sie im Kommentar ausführen, dass „weitgehend autofreie Innenstädte die Lebensqualität erhöhen“, mag dies sein, setzt allerdings voraus, dass noch genügend Leben in einer Innenstadt vorhanden ist.

Leerstände tragen nicht zur Attraktivität eines Standorts bei. Besuchern muss ein Grund gegeben werden, warum sie einen Standort aufsuchen sollen. Autofreie, gleichzeitig aber auch menschenleere Innenstädte helfen niemandem. Richtig ist, dass Nachbarkommunen ebenfalls an der Parkgebührenschraube gedreht haben. Zur Attraktivität der Standorte hat dies nicht in einem einzigen Fall beigetragen. Weiterhin werden Frequenzrückgänge beklagt – sogar zunehmend!

Zudem habe ich auch den Artikel „Noch mehr Staus rund ums Centro?“ gelesen. Zu welchen verkehrlichen Problemen die Ansiedlungspolitik der Stadt dort geführt hat, wird anschaulich dargestellt. Wenn ausgerechnet die Partei, nämlich die CDU, die nicht nur diese Ansiedlungspolitik mitgetragen hat, sondern darüber hinaus 2015 auch maßgeblich dazu beigetragen hat, die Durchstreckung der Straßenbahnlinie 105 von Essen zum Centro zu verhindern, nun die Parkgebührenerhöhung in der Oberhausener City mit Klimaschutzgesichtspunkten begründet, muss die Frage erlaubt sein, ob dort noch konsequent gehandelt wird. Am Rande: Im Bereich der Neuen Mitte habe ich den Ruf nach Parkgebühren noch nicht vernommen.“

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