Berufsschule

Grüner Ratsherr leitet das Oberhausener Hans-Böckler-Kolleg

Seit 1. April ist David Fischer der neue Schulleiter des Hans-Böckler-Berufskollegs in direkter Nähe zu Hauptbahnhof und Rathaus.

Seit 1. April ist David Fischer der neue Schulleiter des Hans-Böckler-Berufskollegs in direkter Nähe zu Hauptbahnhof und Rathaus.

Foto: Jörg Schimmel

Oberhausen.   In Gelsenkirchen sitzt David Fischer im Stadtrat, in Oberhausen leitet der 44-Jährige jetzt das Hans-Böckler-Berufskolleg. Das hat Priorität.

Am Ende ist dann alles sehr schnell gegangen: David Fischer erhielt Mitte März einen Anruf von der Bezirksregierung. Zum 1. April könne er die Schulleiter-Stelle am Hans-Böckler-Berufskolleg in der Oberhausener Innenstadt antreten. Damit ist für den 44-Jährigen ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Der Lehrer für Rechts- und Sportwissenschaften wollte zurück ins Ruhrgebiet und hatte sich schon im vergangenen Jahr um die Schulleiter-Stelle in Oberhausen beworben.

Viereinhalb Jahre hat David Fischer das Hansa-Berufskolleg in Münster geleitet, mit rund 4300 Schülern „die größte kaufmännische Berufsschule in Nordrhein-Westfalen“, sagt Fischer. Das Hans-Böckler-Berufskolleg ist mit rund 2100 Schülern gerade einmal halb so groß – ein Rückschritt in der Schulleiter-Laufbahn? Nein, beteuert David Fischer, der mit Frau und achtjährigem Sohn in Gelsenkirchen lebt. „Ich wollte aus familiären Gründen wieder im Ruhrgebiet arbeiten“.

Er weiß, wie die Stadtgesellschaft funktioniert

Nur nicht an einer Schule in Gelsenkirchen. Dort könnte es zu Interessenkonflikten kommen, meint er, denn dort sitzt David Fischer als Stadtverordneter für Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat. Schwerpunktthemen: Bildung und Sport. Sein ehrenamtliches kommunalpolitisches Engagement könne ihm bei der Arbeit als Schulleiter in Oberhausen helfen, „ich weiß, wie eine Stadtgesellschaft funktioniert, wer die Ansprechpartner sind, wie die Wege laufen“.

Ob seine Tätigkeit als Ratsherr zu Lasten seines Jobs geht? Wie im Falle der Essener CDU-Ratsfrau und Lehrerin Walburga Isenmann: Eltern am Alfred-Krupp-Gymnasium beklagen, dass ständig Unterricht wegen der politischen Aktivitäten der Französisch-Lehrerin ausfalle. Nein, sagt David Fischer, das komme bei ihm nicht vor, schon allein wegen der Vorbildfunktion. „Meine Prioritäten sind ganz klar: Familie, Beruf und an vierter Stelle kommt erst die Politik.“ Dazwischen liegt noch der Sport an dritter Stelle. David Fischer spielt Badminton auf Turnierebene, daher kennt er auch Sterkrade, wo die Sportvereinigung Sterkrade-Nord eine starke Badmintonabteilung hat.

Aus der DDR geflohen

Warum David Fischer sich politisch beteiligt, liegt in seiner persönlichen Geschichte begründet: Bis zum Alter von 15 Jahren ist der Pädagoge in der DDR aufgewachsen, mit seiner Mutter floh er 1989 über die Prager Botschaft in die Bundesrepublik. „Ich empfinde es als großes Glück, mich in einem freien Rechtsstaat politisch engagieren zu können.“

Nach der Referendarzeit habe er sich gedacht: „Hörste mal auf mit den Stammtischgesprächen und machst mal was.“ In der Kommunalpolitik könne man etwas gestalten, „das kommt direkt bei den Bürgern an“. Ambitionen auf die Landes- oder Bundespolitik habe er nicht, versichert Fischer, der auch Sprecher in der Landesarbeitsgemeinschaft der Grünen ist. Was die Schule betrifft, gilt für ihn das Neutralitätsgebot: „Meine Politik gehört hier nicht hin, das ist mein Beruf.“

Gesundheitsfördernder Führungsstil

Studiert hat der Gelsenkirchener an der Ruhruniversität Bochum, wo er auch heute noch einen Lehrauftrag an der sportwissenschaftlichen Fakultät hat. An seiner Schule will er einen „gesundheitsfördernden Führungsstil“ etablieren, soll heißen: Auf Augenhöhe mit den rund 100 Kollegen sprechen, Entscheidungen erklären, schlicht: eine gute Arbeitsatmosphäre schaffen. „Alle sind unterschiedlich leistungsfähig“, das zu beachten gehöre dazu.

In Richtung des Schulträgers äußert David Fischer den dringenden Wunsch nach einer besseren digitalen Ausstattung. Um die pädagogischen Konzepte umzusetzen, „brauchen wir ein unabdingbar funktionierendes WLAN und eine entsprechende Bandbreite“, sagt Fischer. Die Gerätschaften seien installiert, aber es gebe halt kein Funknetz. Und trotz der Funkmasten auf dem Dach des Kollegs: Der Handyempfang im Gebäude sei sehr schlecht. „Kein Vorwurf“, so der neue Schulleiter, „aber das müssen wir schnell in den Griff kriegen“.

>>> Info: Berufsschule für kaufmännischen Bereich

Von 2011 bis Juli 2018 hat Wolfgang Greiner das Hans-Böckler-Berufskolleg geleitet. Zum Ende des vergangenen Schuljahres ging der Schulleiter in den Ruhestand, seitdem leitete Stellvertreterin Martina Feltmann kommissarisch die Schule.

Das Berufskolleg ist eine Schule für die kaufmännischen Berufe in Industrie, Handel, Verwaltung und privatem Dienstleistungssektor. Neben der dualen Ausbildung in der Berufsschule bietet das Kolleg den Vollzeit-Bildungsgang Handelsschule sowie Höhere Handelsschule an.

Außerdem können Schüler die Qualifikation zum Besuch einer gymnasialen Oberstufe erwerben oder den schulischen Teil der Fachhochschulreife absolvieren. Kontakt: 0208-43733-0; sekretariat@hbbk.de

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