Altmarktgarten

Großes Interesse am Dachgewächshaus in Oberhausens City

Gärtner Wolfgang Grüne steht Besuchern des Dachgewächshauses am Samstag, beim Tag der offenen Tür im Altmarktgarten Rede und Antwort.

Gärtner Wolfgang Grüne steht Besuchern des Dachgewächshauses am Samstag, beim Tag der offenen Tür im Altmarktgarten Rede und Antwort.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Es soll einmal Vorreiter für die Abkehr vom stadtfernen Lebensmittelanbau sein. Am Samstag präsentierte sich das Dachgewächshaus den Bürgern.

Ein Kommen und Gehen herrscht auf dem Dach des neuen Jobcenters. Der Altmarktgarten, wie das Dachgewächshaus heißt, hat zum Tag der offenen Tür eingeladen. Im Laufe des Samstags lassen es sich mehrere hundert Interessierte nicht entgehen, einen Blick in die u-förmige gläserne Halle hoch über der Innenstadt zu werfen.

Fast andächtig schreiten die Besucherinnen und Besucher an den großen Tischen mit den Topfpflanzen vorbei. Auf ihren Gesichtern liest man Neugier, Staunen, aber auch Skepsis. Hier hält sich Umweltdezernentin Sabine Lauxen den ganzen Tag auf. „Es ist doch mein Projekt“, sagt sie. Viele Gäste, die hereinkommen, kennt sie persönlich. Sie führt etliche Gespräche. Für zwei Frauen packt sie gerade eine Topfpflanze mit Pfefferminze und eine mit Petersilie in eine Jutetasche. Jeder Gast kann so ein Souvenir mitnehmen.

Gdanska nimmt schon Gewürzpflanzen ab

Eine Frau befühlt die Blätter einer Topfpflanze und riecht anschließend an ihren Fingern. „Altmarktgarten Oberhausen“ steht auf dem Blumentopf. Vorn, bei Sabine Lauxen, möchte jemand wissen, ob es denn schon Abnehmer für die hier wachsenden Gewürzpflanzen gibt. Das Gdanska, auf das man vom luftigen Treppenhaus draußen aus der Vogelperspektive blickt, nehme schon etwas ab, erklärt sie.

Seit September wird in dem 1000 Quadratmeter großen Gewächshauskomplex Pflanzenzucht betrieben. „Wir werden aber noch etwa ein Jahr brauchen, bis der Betrieb richtig läuft“, erklärt nebenan, im anderen Teil des Gewächshauses, der Gärtner Wolfgang Grüne. Hier herrscht nicht mehr Zimmertemperatur, wie nebenan. Der Raum scheint vielmehr unbeheizt zu sein.

Salatköpfe schwimmen in einer Nährlösung

Gärtner Grüne ist an diesem Tag ein gefragter Mann. Während bei Sabine Lauxen nebenan Topfpflanzen wachsen, ragen bei ihm Salatköpfe durch die Löcher quadratischer Styroporplatten empor. Die wiederum schwimmen in schienbeinhohen Wasserbecken. „Es ist eine Nährlösung“, erklärt der Gärtner. An einer Wand sind hohe Schaltkästen angebracht, mit deren Hilfe Temperatur, Licht und der Wasserkreislauf geregelt werden können.

Zwar hängen auch über den Salatköpfen von oben Strahler herab. Aber auf die Frage eines Besuchers, ob denn die Pflanzen zum Wachstum keine Wärme benötigten, antwortet der Gärtner, nur Basilikum brauche Wärme. „Welche Temperatur hat denn das Wasser?“, möchte eine Frau wissen. „Raumtemperatur“, antwortet der Gärtner.

Nur Sonnenlicht wird benötigt

Eine Besuchergruppe diskutiert über die Abläufe hier oben. Die Leute wollen wissen, ob es schon einen Pächter für den Dachgarten gibt. Das ist nicht der Fall. Ein Mann würde sich hier selbst gerne mit einer kleinen Zucht einbringen. Ob künftig Sonnenenergie genutzt werden soll, wird gefragt. Das ist nicht geplant. „Wir benötigen ganz normal Sonnenlicht“, erklärt Wolfgang Grüne. Ein Paar scheint über den Sinn und Zweck des Ganzen zu diskutieren. „Wenn man Neues verwirklichen will, muss man etwas riskieren“, hört man die Frau sagen.

Zu den Skeptikern gehören Ulrike Schäfers und Dieter Maaßen aus der Altstadt. „Sieht ja ziemlich nüchtern hier aus“, wundert er sich. Er hatte mit einem reichlich begrünten Gewächshaus gerechnet, nicht nur mit Stahl, Beton und Glas. Aber draußen, an der stählernen Außentreppe, rankt noch nichts hoch, wie es die Animation seinerzeit gezeigt hat. „Es soll ja schon Beschwerden aus der Nachbarschaft geben, dass es nachts hier oben zu hell ist“, sagt sie. Sie hat Zweifel, ob durch den Pflanzenanbau auf einem Dach etwas verändert werden kann.

Ganz anders sieht es Bernhard Flack aus Lirich, der als Friedhofsgärtner quasi vom Fach ist. „Ich glaube, es steckt Potenzial dahinter“, sagt er. Ihn beeindruckt die moderne Gartenbautechnik, die hier zum Einsatz kommt. Und der biologische Pflanzenschutz. So kommen Schlupfwespen zum Einsatz, um Schädlinge zu vertilgen. „Toll, dass man hier reinkommt“, ergänzt seine Tochter Daria.

Auch am Nachmittag reißt der Strom der Neugierigen nicht ab. Ein Mann bedankt sich nach seinem Rundgang bei Sabine Lauxen: „Der Gärtner erklärt sehr gut.“

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