Niebuhrg-Sommerprogramm

Große Melodien im Garten des Theaters an der Niebuhrg

Boten an Pfingstmontag im Garten der Niebuhrg große Melodien: Thomas Schiffmann (li.), Laura Albert (re.) und im Hintergrund Susanne Starzak.

Boten an Pfingstmontag im Garten der Niebuhrg große Melodien: Thomas Schiffmann (li.), Laura Albert (re.) und im Hintergrund Susanne Starzak.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Wie gut Schauspielerinnen auch singen können, zeigten sie beim Corona-gerechten Parkbanktheater im Garten des Theaters an der Niebuhrg.

An die Zeit der großen Samstagabendshows im Fernsehen erinnerte sich, wer am Pfingstmontag zum Parkbanktheater in den Garten der Niebuhrg in Lirich gekommen war. Unter dem Titel „Ne Dame werd’ ich nie“ luden drei Schauspielerinnen mit beachtlichen Gesangsqualitäten und Moderator Thomas Schiffmann zu einem kurzweiligen Nachmittag mit Chansons und Liedern ein. Leider waren es nur etwa 40 Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich bei bestem Frühsommerwetter dazu eingefunden hatten. Sie wurden zwei Stunden lang mit weltbekannten Melodien und geistreichen Texten verwöhnt.

Zu viert bespielten sie die aus Beton-Quadern gebildete Freilichtbühne mit ihren beiden Ebenen, deren karge Ausstattung einige Jungbäume, vier Tischchen mit Stühlen und einige daneben abgestellte altmodische Koffer bildeten. Das lenkte die Aufmerksamkeit auf die Darbietungen der Künstler. Die wiederum konnten bei dem Programm ihre besonderen Stärken einbringen.

Weibliche Eitelkeit und männliche Ignoranz

Bei Susanne Starzak, die im Kleinen Schwarzen die Bühne betrat, war das die Verbindung von Gesang und schauspielerischem Ausdruck. Leicht textlich abgewandelt trug sie im Stil von Marlene Dietrich und Hildegard Knef „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“ vor. Mit Thomas Schiffmann lieferte sie sich später einen Dialog über weibliche Eitelkeit („Wie findest Du mein Kleid?“) und über männliche Ignoranz auf diesem Gebiet. Nach der Pause trug sie, ebenfalls zu Playback-Musik, das Lied einer Stripperin vor und bekam schließlich großen Applaus, als sie sich wie die Knef wünschte, „Für mich soll’s rote Rosen regnen“.

Schlager, die zu Evergreens avancierten, sind die große Stärke von Schauspielerin und Choreographin Nina Barton. Mit ihrer kräftigen, glasklaren Stimme trug sie „Wunder gibt es immer wieder“ vor. Damit war Katja Ebstein beim Eurovision Song Contest 1970 immerhin Dritte geworden. Und auch den fanfarenartigen Gesang von Joy Fleming bei „Ein Lied kann eine Brücke sein“ vermisste man bei Bartons Interpretation nicht. Die Zuschauer gaben viel Applaus, als sie die wuchtig vertonte James-Bond-Titelmelodie der Folge „Skyfall“ gekonnt darbot.

Mit klassischer Stimmbildung

Klassische Stimmbildung verriet die Dritte im Bunde, die Sopranistin Laura Albert, die übrigens ein Kind der Städtischen Musikschule Oberhausen ist. So bei „Schlösser, die im Monde liegen“ aus der Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke. Eigens für ihren Auftritt in Lirich hatte sie eine Klavierbegleitung dazu eingespielt. Sie wusste aber genauso bei Edith Piafs Chanson „Mylord“, bei der Filmmelodie „The Windmills of your Mind“ oder, in lässiger Pose, bei der Cole-Porter-Komposition „C’est Magnifique“ zu überzeugen, zu der sie auch tanzte.

Und so beleuchteten die Frauen Romanzen, Hochstimmung und tiefste Verzweiflung, während Thomas Schmittmann ihnen gleich zum Auftakt wie Roger Cicero bescheinigte, „Frau’n regieren die Welt“. Er brachte an diesem Nachmittag das swingende Element in den Garten der Niebuhrg, ersetzte bei „Immer wieder geht die Sonne auf“ standesgemäß Udo Jürgens und sang mit den Damen zum Finale „Eine Dame werd’ ich nie“ nach dem Frank-Sinatra-Klassiker „The Lady is a Tramp“. Schade nur, dass er bei der Moderation nervös wirkte.

Bei Regen gibt’s Autotheater

Um den Corona-Bestimmungen zu genügen, hat Niebuhrg-Chef Holger Hagemeyer das traditionelle Gartentheater zum Parkbanktheater umfunktioniert. „Beim Gartentheater haben wir normalerweise bis zu 300 Plätze“, erklärte er. Zweier-Sitzbänke auf der ebenen Fläche und mit großen Abständen reduzierten die Zahl der Plätze auf 100. Mundschutz muss deshalb während der Aufführung nicht getragen werden. Dieses Wochenende war nur der Auftakt von über 40 Sommervorstellungen mit rund 30 verschiedenen Programmen. „Bei schlechtem Wetter spielen wir Autotheater“, kündigte er an. Niemand wird also nass.

Das Parkbank-Theaterprogramm hatte am Samstagabend mit einer Schlager-Show begonnen, die ausverkauft war. Pfingstsonntag folgte eine Show mit Musical-Melodien, ebenfalls gut besucht. Mit normalen Spielbedingungen rechnet Holger Hagemeyer nicht vor dem Jahr 2022.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben