Wirtschaft

GHH Radsatz investiert Millionen in Standort Oberhausen

Zur Eröffnung der neuen Werkshalle brachten die Mitarbeiter ihre Familien mit.

Foto: Kerstin Bögeholz

Zur Eröffnung der neuen Werkshalle brachten die Mitarbeiter ihre Familien mit. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Der Radsatz-Hersteller hat gerade erst eine neue Werkshalle eröffnet, da verkündet er weitere Investitionen in den Sterkrader Standort.

Wenn in Kanada die Straßenbahn durch Toronto fährt, ist immer auch ein Stückchen Oberhausen dabei. Denn Räder und Radsätze wurden in Sterkrade entwickelt und produziert, wo ein Weltmarktführer seinen Sitz hat: GHH Radsatz. Und das Unternehmen ist auf Wachstumskurs, hat gerade erst eine neue Werkshalle auf dem Gelände an der Gartenstraße in Betrieb genommen.

5,1 Millionen Euro sind in den rund 2200 Quadratmeter großen Neubau geflossen. Und Geschäftsführer Ronald Seidelman verspricht weitere Investitionen: Rund 3,6 Millionen Euro sollen Jahr für Jahr in neue Maschinen und neue Ausrüstung gesteckt werden. Das haben Eigentümer und Management – seit 2014 gehört GHH Radsatz zur tschechischen Bonatrans-Gruppe – nun beschlossen.

Verantwortung für Menschenleben

In der neuen Halle sollen die Mitarbeiter künftig hauptsächlich Wartungen und Reparaturen durchführen – neben der Produktion ab sofort ein neues Standbein des Unternehmens. „Im Prinzip funktioniert es wie beim Auto“, erklärt Radsatz-Geschäftsführer Seidelmann. Auch das müsse regelmäßig in die Werkstatt, damit es verkehrssicher bleibe. Bei Radsätzen und Bremsschienen von Zügen und Bahnen sei die Sache aber ein bisschen komplizierter. „Unsere Kunden sind darauf angewiesen, dass wir auf den Punkt arbeiten.“ Kunden sind in diesem Fall meist Verkehrsbetriebe. „Und die haben einen strengen Zeitplan, der durcheinander gerät, wenn ein Einzelteil nicht pünktlich zurückkommt.“

Deshalb ist auch die Wartung in Oberhausen gut organisiert: Die Ware – also Räder, Radsätze oder Wellen – wird angeliefert, zerlegt, analysiert und wenn nötig ausgebessert. Große Sorgfalt ist das A und O, denn auf den Schultern der Mitarbeiter liegt eine hohe Verantwortung. Sind Räder defekt, stehen Menschenleben auf dem Spiel. Ronald Seidelman erinnert sich noch gut an den katastrophalen Unfall von Eschede. Ein ICE war 1998 in Niedersachsen entgleist und gegen einen Brückenpfeiler gekracht. 101 Passagiere fanden den Tod. Grund damals: Materialermüdung an einem Rad. „Als ich von dem Unfall hörte, stockte mir der Atem“, erinnert sich Seidelman heute. Das schadhafte Rad stammte nicht aus der GHH-Schmiede, „aber der Vorfall ist eine Mahnung an alle Produzenten, niemals nachlässig zu sein.“

Bei seinen derzeit rund 270 Mitarbeitern mache er sich aber keine Sorgen: „Langjährige Kollegen und erfahrene Leute, die sich mit unseren Produkten identifizieren und dem Unternehmen verbunden fühlen.“ Zur Einweihung der neuen Halle haben sich davon auch die Familien der Mitarbeiter überzeugt. Seidelman hatte zur Feier des Tages ein Grillfest mit Livemusik und Kinderbespaßung organisiert. Bei Führungen durch das Werk konnten sich die rund 400 Gäste ansehen, wie und wo die fahrbaren Untersätze für Züge und Bahnen auf der ganzen Welt entstehen.

1845 begann die industrielle Fertigung

Schon im Jahr 1808 hat die Oberhausener Antony-Hütte die ersten Radsätze produziert und damit den Grundstein für das heutige Sterkrader Unternehmen GHH Radsatz gelegt. 1845 begann die industrielle Fertigung von Radsätzen am Standort Sterkrade.

Seit 1990 werden Radsätze und andere Komponenten durch Handelspartner der Gutehoffnungshütte (GHH) vertrieben. Die GHH Radsatz GmbH wurde 1994 gegründet. Nach verschiedenen Übernahmen und Fusionen gehört sie heute zur tschechischen Bonatrans-Gruppe.

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