Pflege

Gewalt in der Pflege: Verdi will Pflegekräfte mehr schützen

Unter besonderen Vorzeichen geht es am 23. Januar bei der Infoveranstaltung von Verdi in Oberhausen um das Thema Gewalt in der Pflege.

Unter besonderen Vorzeichen geht es am 23. Januar bei der Infoveranstaltung von Verdi in Oberhausen um das Thema Gewalt in der Pflege.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Oberhausen.  Gewerkschaft Verdi holt das Thema aus der Tabu-Ecke und lädt am 23. Januar zur Infoveranstaltung ein.

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Die Gewerkschaft Verdi greift ein sensibles und oftmals tabuisiertes Thema auf: Bei einer Informationsveranstaltung in Oberhausen am Donnerstag, 23. Januar, geht es um jene Gewalt, die von Pflegebedürftigen an Pflegekräften ausgeübt wird.

Das Thema sei schon seit Längerem unterschwellig vorhanden und werde in Fachkreisen diskutiert, es werde aber nur ungern öffentlich und ausführlich angesprochen, sagt Björn Jadzinski, der bei Verdi für die Pflegebranche zuständig ist. Was mache ich als Pflegekraft, wenn zum Beispiel ein dementer Mensch, der körperlich noch über einige Kräfte verfügt, mich plötzlich schlägt oder beißt? Wie gehe ich gegen psychische Gewalt vor, die ein Pflegebedürftiger gegen mich als Pflegekraft immer wieder mit Worten ausübt? Björn Jadzinski nennt diese Beispiele und macht zugleich klar, wie sensibel diese Punkte in der gesellschaftlichen Debatte sind.

Über das Thema Gewalt in der Pflege werde sowieso schon wenig gesprochen, auch wenn es um jene Gewalt gehe, die im Einzelfall gestresste Pflegekräfte gegen zu Pflegende ausübten. Wenn dann jene Gewalt angesprochen werde, die von Pflegebedürftigen in Altenheimen, in den ambulanten Seniorendiensten oder der Behindertenhilfe an den Pflegekräften ausgeübt werde, falle der öffentliche Diskurs dazu schnell „sehr dünn aus“, so der Gewerkschafter.

Unter anderem können ja auch manche Krankheiten aggressives Verhalten verursachen. Es kommt also immer auf den Einzelfall an. Besonders schwierig sei die Situation in der ambulanten Pflege, ergänzt Jadzinski, da die Pflegekräfte in diesem Bereich mit den Patienten meist allein seien. Während es etwa in Altenheimen oftmals Zeugen für eine Gewalttat gegen Pflegekräfte gebe, fehlten diese im privaten, häuslichen Umfeld der Patienten in der Regel. Damit sei dann auch die Beweislage deutlich schlechter.

Kurzvortrag vom Rechtsanwalt

Um diese rechtlichen Punkte zu erläutern, wird Rechtsanwalt Markus Neuhaus bei der Infoveranstaltung am 23. Januar im DGB-Haus an der Friedrich-Karl-Straße einen Kurzvortrag halten, um darüber aufzuklären, in welchen Fällen es sich für Pflegekräfte lohnt, den Rechtsweg zu beschreiten und sich mit einer Klage gegen physische oder psychische Angriffe von Patienten zu wehren.

Auch die Möglichkeiten der Berufsgenossenschaft sollen beleuchtet werden. So haben zum Beispiel vor einiger Zeit die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und das Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) eine Befragung zum Thema Gewalt gegen Pflegekräfte gestartet, wie das Pflegeportal „BibliomedPflege“ berichtet: 76 Prozent der befragten Pflegekräfte aus Krankenhäusern gaben dabei an, innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate körperliche Gewalt am Arbeitsplatz erlebt zu haben. Bei den Pflegekräften in der stationären Altenpflege seien es 73 Prozent gewesen, bei den Pflegekräften in der ambulanten Pflege 51 Prozent.

Miteinander ins Gespräch kommen

Björn Jadzinski rechnet nun mit 50 bis 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim kommenden Informationstreffen in Oberhausen. Es gehe vor allem darum, mit Betroffenen aus der Alten- und Behindertenhilfe ins Gespräch zu kommen und ihnen erste Handlungsempfehlungen zu vermitteln. „Wir geben unseren Mitgliedern in besonderen Fällen von Gewalt auch Rechtsschutz im Strafrecht und nicht nur im Arbeitsrecht“, sagt Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Henrike Eickholt. Die Rechtsberatung zeige, das dies bei den Mitgliedern gefragt sei.

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