Lehrer-Angriffe

Gewalt an Schulen in Oberhausen: Problem größer als bekannt

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Die Gesamtschule Osterfeld hat mehrere Projekte, um gewalttätige Übergriffe zu verhindern. Bei Straftaten zeigt sich die Schulleitung offenbar konsequent und bringt die Fälle zur Anzeige.

Die Gesamtschule Osterfeld hat mehrere Projekte, um gewalttätige Übergriffe zu verhindern. Bei Straftaten zeigt sich die Schulleitung offenbar konsequent und bringt die Fälle zur Anzeige.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Erstaunliche Zahlen: Die Attacke eines 13-Jährigen auf seine Lehrerin an der Gesamtschule Osterfeld lenkt den Blick auf die Gewalt an Schulen.

Gewalttaten, Beleidigungen, Mobbing, Pöbeleien – das Problem an Oberhausener Schulen ist viel größer, als es bisher der breiten Öffentlichkeit bekannt ist.

Das zeigt sich an der Polizeistatistik des Polizeipräsidiums für die Gesamtschule Osterfeld. Die größte Schule mit über 1400 Schülerinnen und Schüler hat alleine in diesem Jahr 27 Anzeigen auf der Polizeiwache stellen müssen – wegen Körperverletzungen, Beschimpfungen und Bedrohungen. Im gesamten Jahr 2021 sahen sich Lehrer und Eltern nur 18 Mal gezwungen, die Ordnungshüter einzuschalten. Im ersten Pandemiejahr 2020 waren es allerdings 43 Übergriffe auf dem Schulhof oder in den Klassenzimmern.

Bluterguss am Arm und Beule am Kopf

Der schlimmste bisher bekannte Vorfall, war der körperliche Angriff eines 13-jährigen Schülers gegen seine 38-jährige Lehrerin am 18. Mai 2022. Sie trug eine Beule am Kopf davon und einen Bluterguss am Arm.

Nun kann man anhand der Zahlen nicht vorschnell urteilen, dass es an der Gesamtschule Osterfeld besonders schlimm zugeht. Zu bedenken ist nicht nur die Größe der Schule, sondern auch der Umgang mit Straftaten. Wie polizeinahe Kreise und Schulpolitiker vor Ort berichten, verhalten sich Schulleitungen sehr unterschiedlich. Während die Gesamtschule Osterfeld wie in dem Fall des 13-jährigen Schülers sehr konsequent handelt (Strafanzeige, Verweis von der Schule), bemühen sich andere Schulen, Übergriffe unter der Decke zu halten. Sie raten Eltern und ihren Lehrern, Gewalttaten und Beleidigungen nicht zur Anzeige zu bringen, um den Ruf der Schule nicht zu gefährden. Man will solche Ereignisse lieber intern behandeln.

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Polizeisprecher Axel Deitermann hebt hervor, dass die Entscheidung, ob man eine Anzeige stellt, letztendlich von der Einschätzung der Lehrkräfte und der Eltern abhängt, die pädagogisch über den Fall zu urteilen haben. „Grundsätzlich gilt für uns als Polizei aber: Wenn es sich um eine Straftat handelt, sollte man diese zur Anzeige bringen. Wir ermitteln dann in solchen Schulfällen genauso wie in anderen – und das geht dann danach an die Staatsanwaltschaft.“ So werden in dem Angriff gegen die Lehrerin sowohl der 13-Jährige mit den Eltern vernommen als auch die Lehrerin selbst.

Die CDU-Schulpolitikerin und frühere Grundschulrektorin Gundula Hausmann-Peters hält es für notwendig, unter Einbindung von Polizei und Jugendamt stärker vorbeugend gegen Gewalt zu agieren. „Die Gewaltbereitschaft an Schulen ist wie in der gesamten Gesellschaft gestiegen. Das liegt auch an den durch Social Media gesunkenen Hemmschwellen.“

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