Einzelhandel

Geschäft nimmt einen Euro von Kunden, die nichts kaufen

Typische Schlemmereien aus dem Osten der Republik gibt es in dem Oberhausener Geschäft „Geschmackszentrum Ost“. Weil viele Kunden nur Beratung wollen, nehmen die Inhaber nun einen Euro „Pfand“ fürs Gucken.

Foto: Matthias Graben

Typische Schlemmereien aus dem Osten der Republik gibt es in dem Oberhausener Geschäft „Geschmackszentrum Ost“. Weil viele Kunden nur Beratung wollen, nehmen die Inhaber nun einen Euro „Pfand“ fürs Gucken. Foto: Matthias Graben

oberhausen.   Weil sich viele Kunden beraten lassen und im Internet einkaufen, nimmt dieses Geschäft in der Oberhausener Innenstadt nun einen Euro „Eintritt“.

Mit dem Problem haben Einzelhändler seit Jahren zu kämpfen: Kunden kommen in die Geschäfte, gucken, lassen sich eventuell auch noch beraten – kaufen aber nichts. Im schlimmsten Fall bestellen sie sich die Ware nach der Beratung vor Ort sogar bei einem Konkurrenten im Internet. Einige Geschäftsinhaber haben darauf reagiert und nehmen einen „Eintrittspreis“ für ihr Geschäft. Wer nur schaut, zahlt Geld. Auch in Oberhausen wird das nun praktiziert.

Denn Heike Frühauf reicht es. Seit rund einem Monat nimmt die Inhaberin des „Geschmackszentrum Ost“ nun einen Euro, wenn Kunden nichts in ihrem Geschäft kaufen. Die „Ich will nur mal gucken“-Gebühr erstattet sie, wenn die Kunden dann doch etwas kaufen. Wenn nicht, bleibt der Euro in der Spardose.

Von Halloren-Kugeln bis zur Spreewaldgurke

Das Vorgehen hält Heike Frühauf für notwendig , weil „die Leute in den Laden kommen, sich umsehen und teilweise noch freche Kommentare abgeben, ehe sie den Laden mit leeren Händen wieder verlassen.“ Auch ihr ist es schon passiert, dass sich Kunden ganz genau informieren, um die gleichen Produkte anschließend im Internet zu kaufen.

Im „Geschmackszentrum Ost“ gibt es Waren und Produkte aus dem Osten der Republik, von den Halloren-Kugeln bis zur echten Spreewaldgurke. Aber: „Wir sind kein Museum“, stellt Heike Frühauf klar. Denn dann würden sie erst Recht Eintritt nehmen.

Ihre Maßnahme sei dagegen eine Art Pfand-System. Seitdem das Geschäft an die Lothringer Straße in der Innenstadt gezogen ist, habe sich das Problem mit den Einkaufsbummlern extrem verschärft, erklärt Frühauf weiter. Doch seit sie das Pfand-System eingeführt hat, habe sie damit „keine Probleme mehr“. Heike Frühauf ist mit dem Resultat zufrieden.

Keine Angst um Kunden

Dass ihr die Kunden nun weglaufen werden, glaubt Heike Frühauf nicht. „Wer wirklich Interesse an unseren Waren hat, ist von dem Pfand gar nicht betroffen. Die bekommen den Euro an der Kasse ja wieder zurück. Nur den Bummlern wird so entgegen gewirkt“.

In anderen Städten wie beispielsweise Essen und Münster haben ähnliche Aktionen schon große Diskussionen ausgelöst. Kunden beschwerten sich, sie würden „abgezockt“. Auch Heike Frühauf hat schon negative Kommentare in ihrem Geschäft zu hören bekommen. Aber die Oberhausener Geschäftsfrau stört sich nicht daran. „Klar regen sich einige Leute darüber auf“, sagt sie. „Doch die verstehen das System entweder nicht oder wollen von vornherein nichts kaufen.“

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