Kindertheater

Gemeinsam geht’s im Theater über Grenzen

45 Rollen für fünf Schauspieler: Schon die fliegenden Kostümwechsel von (v.li.)

45 Rollen für fünf Schauspieler: Schon die fliegenden Kostümwechsel von (v.li.)

Foto: Ant Palmer

Oberhausen.   Das Wimmelbilderbuch „Hier kommt keiner durch“ wird zum Schauspiel für Menschen ab vier Jahren. Fünf Darsteller schlüpfen in 45 Rollen.

Ein hübsches Wimmelbilderbuch, sagt einem der erste Blick auf „Hier kommt keiner durch“: Die Seiten füllen sich mit Kindern, Tieren, Spielsachen, Erwachsenen, sogar ein Astronaut purzelt kopfüber durchs Bild. Doch die rechten Seiten bleiben zunächst leer, denn in der Mitte steht ein Aufpasser und will niemanden durchlassen – bis ein Ball nach rechts rollt.

Aus dem aufmüpfigen Bilderbuch, geschrieben von Isabel Martins und gezeichnet von Bernardo Carvalho, macht Paulina Neukampf nun ein Schauspiel für Menschen ab vier Jahren. Die Premiere steigt am Freitag, 18. Januar, zur besten Kindergartenzeit um 10 Uhr im Saal 2 des Theaters.

„Dieses Buch fand ich so toll“, sagt Prof. Romi Domkowsky, die Leiterin der Theaterfaktorei, es musste einfach ins Repertoire. „Ein prickelndes Thema“, sagt Paulina Neukampf, die von der Insel Wolin stammende Regisseurin. Schließlich gebe es immer mehr Menschen, die anderen Wege verbauen und Mauern aufrichten wollen, die man längst glücklich abgeräumt wähnte. Im Wimmelspiel erkennen die Kinder, sagt die 38-Jährige: „Man kann erst handeln, wenn man sich mit seinen Mitmenschen zusammentut.“ Romi Domkowsky ergänzt, man wolle auch zeigen, „wie schwierig es ist, einig zu werden“. Und wie kreativ Protest sein kann.

Jeder hat zehn oder elf Figuren

Nein, hier geht’s nicht ums Fahnenschwenken. Die Parade, die Paulina Neukampf mit nur drei Schauspielerinnen und zwei Schauspielern des Ensembles aufbietet, ist viel bunter. 45 Figuren haben Regisseurin und Dramaturgin aus dem bunten Gewimmel des Bilderbuches gepickt: „Jeder hat zehn oder elf Figuren.“

„Eine große Koordinationsleistung“, sagt Romi Domkowsky – und der Blick in den Saal 2 verrät, wie’s gemeint ist. So bunt war’s dort wohl noch nie. Wandhohe Folienbahnen im poppigen Farbenmix begrenzen den Raum, sowohl hinter der Kissentribüne fürs Publikum als auch hinter der Spielfläche. Und genau so ein Farbenspektakel bieten die hinter den Folien bereit liegenden Kostüme: Sogar zwei Schnecken gehen ins Rennen gegen den Aufpasser.

Das Testpublikum war begeistert

Mit dieser Ausstattung – Bühne und Kostüme stammen von Valentin Peter Eisele – nähert sich die Inszenierung einem Spiel, bei dem die Erwachsenen großäugig staunen durften: Peter Handke und Claus Peymann als sein Uraufführungsregisseur ließen 1992 mit „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ eine ganze Stadt in einer poetischen, wortlosen Prozession erstehen.

Das Testpublikum jedenfalls war begeistert von „Hier kommt keiner durch“, berichtet Romi Domkowsky: „Unsere Patenkinder aus Lirich waren zweimal bei den Proben und haben dann ganz eifrig nachgespielt.“

>>> Das Schauspiel zum Wimmelbilderbuch

Die Premiere von „Hier kommt keiner durch“ beginnt am Freitag, 18. Januar, um 10 Uhr im Saal 2 des Theaters. Weitere jeweils 50-minütige Vorstellungen folgen am Mittwoch, 23. Januar, um 10 Uhr, am Samstag, 2. Februar, um 16 Uhr sowie zweifach am Donnerstag, 14. Februar, um 9.30 und 11 Uhr. Karten gibt’s zu 5 und 8 Euro, 0208 - 8578 184, theater-oberhausen.de.


Das Wimmelbilderbuch von Isabel Martins und Bernardo Carvalho gewann 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis, erschienen als Klett Kinderbuch, 40 Seiten stark, zum Preis von 14 Euro, ISBN 978-3-95470-145-2.

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