Pandemie

Gegen Masken und Massentests: Corona-Leugner in Oberhausen

Gesundheitliche Aufklärung im Sinne der Corona-Skeptiker: Der Mann links ist aus Düsseldorf angereist, um in Oberhausen über „die Schädlichkeit von Masken aufzuklären“.

Gesundheitliche Aufklärung im Sinne der Corona-Skeptiker: Der Mann links ist aus Düsseldorf angereist, um in Oberhausen über „die Schädlichkeit von Masken aufzuklären“.

Foto: gowe

Oberhausen.  Immer montags werben Corona-Skeptiker in der Oberhausener City für ihr Weltbild. Die Nähe zu Extremisten macht ihnen wenig aus.

Fast einheitlich uniformiert fragen sie auf ihren T-Shirts: „Warum nehmt ihr uns die Luft zum Atmen?“ Der Störfaktor sind die Masken – deren Tragepflicht hier auf der Marktstraße in der Oberhausener Innenstadt entweder gar nicht oder auch mal mit einem Netz vor dem Gesicht „eingehalten“ wird: Rund zehn selbst ernannte „Corona-Rebellen“ stehen an diesem Montagnachmittag mal wieder an der Ecke Elsässer Straße. Sie wollen nach eigener Aussage „gesundheitliche Aufklärung“ leisten. Einem Passanten drücken sie einen der Flugblätter in die Hand, die seit Wochen in Oberhausener Briefkästen landen. „Ihr glaubt nicht an Corona?“, sagt er. „Ich auch nicht.“

Heilpraktikerin: „Soziale Distanz ist schädlich!“

Dass die Alternativ-Erzählungen über die Pandemie bei manch einem Menschen Anklang finden, sieht man auch an den hunderttausendfach geklickten Youtube-Videos von Corona-Skeptikern wie dem Schwindel-Arzt Bodo Schiffmann, dessen Botschaften schon seit April in der Oberhausener Innenstadt weiterverbreitet werden. Eine der Damen hier, eine 54-jährige Heilpraktikerin, die ihren Namen „auf keinen Fall nennen möchte“, ist Mitglied bei Schiffmanns Verein „Freiheitsboten“ und aktiv in den Telegram-Gruppen der Gleichgesinnten. Was sie zu der Corona-Skepsis bewegt? „Die Unmenschlichkeit, wie mit Kindern und Alten in dieser Zeit umgegangen wird“, sagt sie. „Soziale Distanz ist schädlich!“

Ausgelegt sind hier am Infostand auch Zeitungen wie der „Querdenker“-nahe „Demokratische Widerstand“, in dessen sarkastischem Haupttext Clownsnase statt Bundesverdienstkreuz an Christian Drosten verliehen wird. Auch die Bastelanleitung für eine „Kotztüte“ als Mund-Nasen-Schutz liegt bei. Auf Flyern werden die AHA-Regeln zu „Angst ablegen + Hinterfragen + Austauschen“ umgedeutet oder vor „millionenfachen Impfgeschädigten“ gewarnt.

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„Die Anzahl der Corona-Tests mit einem falschen Ergebnis ist so groß, dass man die Pandemie künstlich aufrechterhalten kann, wenn man millionenfach testet“, glaubt eine 67-jährige, die sich Diplom-Biologin nennt und hier mitmischt, „weil sie schockiert war, wie die Menschen sich reglementieren lassen“. Dass viele unerkannte Corona-Erkrankungen überhaupt erst durch die ausgebaute Testkapazität erkannt werden können, ist für sie sekundär. Ebenso, dass sich unter der Maskenverweigerer-Bewegung auch Rechtsradikale oder Verschwörungstheoretiker wie die Gruppe QAnon tummeln, die an einer pädophilen, Kinderblut-trinkenden und weltbeherrschenden Elite glaubt.

Corona-Skeptikerin: „Wer QAnon-Anhänger ist, soll es ruhig sein“

„Wir lassen uns nicht spalten“, sagt die Heilpraktikerin. „Es geht uns allen doch um ein Ziel – die Leute von den Corona-Maßnahmen wegzubewegen.“ Da müsse man unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen aushalten. „Wer QAnon-Anhänger ist, soll es ruhig sein“, sagt die 54-Jährige. Hauptsache, die Menschen würden endlich mal wieder mehr zusammenkommen.

Und während die Oberhausenerin von „sozialer Nähe“ spricht, nennt es wenige Meter neben dem Stand ein junger Mann auf Krücken „völlig asozial“, was hier verbreitet wird. „Ich habe zwei Herzinfarkte hinter mir“, erzählt er und ärgert sich – weil auf ihn als Risikopatienten hier offenbar niemand Acht geben möchte.

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