Mosaic-Mission

Gasometer: Expedition mit Eisbär, Sturm und Miss Piggy

| Lesedauer: 4 Minuten
Sie sprachen im Gasometer Oberhausen über Kälte und Klimaerwärmung: Meereis-Physikerin Stefanie Arndt vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, Geo-Journalistin Marlene Göring und die Arktis-Fotografin Esther Horvath.

Sie sprachen im Gasometer Oberhausen über Kälte und Klimaerwärmung: Meereis-Physikerin Stefanie Arndt vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, Geo-Journalistin Marlene Göring und die Arktis-Fotografin Esther Horvath.

Foto: Gasometer / Handout

Oberhausen.  Eine Mission in größter Kälte hat 420 Besucher im Gasometer Oberhausen ins Schwitzen gebracht. Forscherinnen berichteten packend aus der Arktis.

Sie sprechen über die Klimaerwärmung - und 420 Besucher im ausverkauften Gasometer in Oberhausen laufen die Schweißperlen vom Gesicht. Dabei tapsen auf der Leinwand gerade Eisbären („Süß, aber gefährlich“) durchs Bild. Dicke Schneeschichten bedecken den Untergrund. Und in kurzen Videos hört man ungastlich den Eissturm pfeifen. Es geht um minus 50 Grad.

Die internationale Expedition Mosaic, die vor drei Jahren startete, brachte den Forschungseisbrecher Polarstern mitten in die Arktis. Auf den dicken Eisschollen errichteten die Forscher kleine Camp-Städte - und sammelten in den Zelten wichtige Daten. Für die Klimawissenschaft ist das ein Meilenstein. Es ist die größte Arktisexpedition aller Zeiten.

Die Meereis-Physikerin Stefanie Arndt, die Fotografin Esther Horvath und Geo-Journalistin Marlene Göring lieferten den gespannt lauschenden Zuschauern ungeschminkte Einblicke. Eigentlich hätte auch Expeditionsleiter Markus Rex gesprochen. Doch der Wissenschaftler fiel krankheitsbedingt kurzfristig aus.

Artkis: Polarregion als Epizentrum der globalen Erwärmung

500 Polarfahrer aus 20 Ländern und von 90 Organisationen - ein riesiger logistischer Aufwand. Fast zehn Jahre dauerte die Vorbereitung. 70 Tonnen Material kamen zusammen. „Der Winter ist etwas, von dem wir am wenigsten wissen und am meisten lernen können“, sagt Wissenschaftlerin Arndt.

Vorne wechseln beeindruckend die frostigen Fotos. Zuschauer fächern sich im über den Tag durch die Sonne aufgeheizten Gasometer kühlende Luft zu. Keine schlechte Szenerie, um über den Klimawandel zu sprechen.

Forscherin Stefanie Arndt betont: „Die Polarregion ist das Epizentrum der globalen Erwärmung.“ Die Temperatur erhöht sich hier zwei- bis dreimal so schnell wie anderswo auf der Welt. Eine dramatische Tendenz, die alle betreffe. Durch den Polarwirbel ist die Arktis schließlich eine Wetterküche - auch für Deutschland. Gerade deshalb, erklären die Expeditionsteilnehmerinnen, war die Mosaic-Mission so wichtig.

Fotografin Esther Horvath gelangen spektakuläre Aufnahmen, teils preisgekrönt. Sie zeigt, wie sich die Forscher auf den Eisschollen einrichten, wie kleine Dörfer entstehen - und wie das eingefrorene Eisbrecherschiff Polarstern wie ein Raumschiff mitten im Nichts als Licht- und Stromquelle dient. Es sieht aus wie auf dem Nordpol-Mond.

Mosaic-Expedition: Vorbereitung im aufgewühlten Wasserbecken

„Man muss sich klar sein: Wenn jetzt etwas passiert, dann dauert es drei Wochen bis Hilfe diesen Ort erreicht“, sagt die Fotografin. „Auch lässt sich hier nichts bei Amazon nachbestellen.“ Vorbereitung sei darum alles. Erst das Eisbären-Schutztraining, dann Erste Hilfe bei medizinischen Notfällen. Die Rettung in eiskalter und aufgewühlter See wurde vorher in einem Schwimmbecken simuliert. Die größte Gefahr an Bord eines Schiffes? Feuer!

Der Expeditionsvortrag im Gasometer zeigt den Forschungsballon Miss Piggy, der in den Himmel steigt. Und das unter den Zelten tiefe Löcher gebohrt sind, um Forschungssonden herabzulassen. Straßenschilder liefern im Camp Orientierung. Bis die absolute Dunkelheit hereinbricht. Und das alles zum Drift der Eisschollen.

Ein Jahr verweilt die Kernmission eingefroren im Nordpolarmeer. Dreieinhalb Monate dokumentierte Esther Horvath die Expedition. Das Gastspiel im Gasometer zeugt vom großen Abenteuer - aber auch von der drastischen Notwendigkeit. „Es geht darum, wie nachfolgende Generationen die Erde bewohnen werden.“

>>> Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ - nun auch montags

Mit Themenabenden flankiert der Gasometer Oberhausen seine aktuelle Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“. Eine 20 Meter große Erdkugel schwebt beeindruckend im Innenraum der 117,5 Meter hohen Kultur-Tonne.

Eintrittskarten kosten 11 Euro für Erwachsene und 8 Euro ermäßigt. Es gibt Sondertarife für Gruppen und Familien. Die Ausstellung öffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. In den Ferien ist der Gasometer nun zusätzlich auch am Montag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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