Diesel-Skandal

Ganztägiges Lkw-Fahrverbot auf der Mülheimer Straße geplant

Stau auf der Mülheimer Straße in Oberhausen ist keine Seltenheit.

Stau auf der Mülheimer Straße in Oberhausen ist keine Seltenheit.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Stadt muss nun schnell Vorschläge nennen, wie die Stickoxid-Werte gesenkt werden können. Sonst droht Oberhausen ebenfalls ein Diesel-Fahrverbot.

In einem Punkt herrscht Einigkeit zwischen Stadtverwaltung und Politik: Ein Diesel-Fahrverbot in Oberhausen muss unter allen Umständen vermieden werden. Doch die Ankündigung der Deutschen Umwelthilfe (DUH), wegen erhöhter Stickoxid-Werte auch die Stadt Oberhausen zu verklagen und damit Diesel-Fahrverbote zu erstreiten (wir berichteten), zwingt die Stadtverwaltung zum schnellen Handeln. Die Bezirksregierung muss „ein nachvollziehbares Maßnahmenkonzept“ für die Stadt Oberhausen vorlegen, durch das eine Einhaltung der Grenzwerte zum 1. Januar 2018 gegeben ist. Die DUH macht in ihrem Anschreiben selbst Verbesserungsvorschläge – unter anderem das gefürchtete Diesel-Fahrverbot.

Bis zum 14. September muss Oberbürgermeister Daniel Schranz nun der Bezirksregierung aufzeigen, was Oberhausen für die Senkung der Stickoxidwerte bislang tut und welche Veränderungen in Zukunft geplant sind. Diese Punkte stellte Umweltdezernentin Sabine Lauxen erstmalig am Donnerstagabend in der Sitzung des Umweltausschusses als Diskussionsgrundlage vor. Ein Überblick.

Lastwagen

Für Lkw gilt jetzt bereits eine zeitlich eingeschränkte Nutzung der Mülheimer Straße. Denkbar sei ein komplettes Durchfahrtverbot für Lastwagen – mit Ausnahme von bestimmten Zeitfenstern für den Anlieferverkehr. Diese Maßnahme muss dann aber konsequent von der Polizei kontrolliert werden, lautet eine Überlegung.

An der Mülheimer Straße befindet sich die Messstation für Stickoxide. Sie liegen derzeit acht Mikrogramm pro Kubikmeter über dem von der Europäischen Union benannten Grenzwert von 40 Mikrogramm.

Fließender Verkehr

Der Verkehr auf der Mülheimer Straße soll laut Vorlage der Stadtverwaltung „dynamisch“ sein, im Klartext: Er soll fließen. Daher ist eine Überlegung, nur so viel Verkehr zuzulassen, dass eine störungsfreie Abwicklung erfolgen kann.

Umleitungen

Oberhausen hat per Bluetooth-Datenauswertung festgestellt, dass 22 Prozent der Fahrzeuge in Richtung Norden und 9 Prozent in Richtung Süden nicht auf der Mülheimer Straße halten. Diese Fahrzeuge sollen über die Autobahnen geleitet werden. Dazu will man Hinweisschilder an den Autobahnanschlussstellen anbringen lassen.

Elektromobilität

Die Stadtverwaltung wird in einem zweijährigen Pilotversuch am Technischen Rathaus in Sterkrade die Einführung eines zentralen Fahrzeugpools testen. Mit 24 Fahrzeugen, ÖPNV-Monatstickets und Dienstfahrrädern sollen Abgaswerte, Kosten und Fahrten mit dem eigenen Auto eingespart werden.

Bislang sind aus Kostengründen nur vier Elektro-Fahrzeuge in dem Pool geplant. Allerdings erhofft sich die Stadt nach dem zweiten Dieselgipfel, an dem auch Oberbürgermeister Daniel Schranz teilgenommen hat, finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung einer hundertprozentigen E-Flotte.

Außerdem soll es Gespräche mit Dienstleistern sowie den Stadttöchtern OGM und WBO zur Umstellung der Fahrzeugflotte auf Elektrofahrzeuge oder auch Lastenräder geben.

Auch die 103 angemeldeten Taxen in Oberhausen sollen schnellstmöglich auf E-Taxen umgestellt werden. Außerdem werden sechs Fahrzeuge des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und ein Fahrzeug der Abfallberatung durch E-Fahrzeuge ersetzt. Für das kommende Jahr sind weitere drei E-Busse von der Stoag für den Einsatz auf der Linie 979 zwischen Oberhausen und Bottrop bestellt. Insgesamt sind dann sechs E-Busse im Einsatz.

Wird es mehr E-Mobile geben, muss auch die Infrastruktur stimmen. Ein Konzept zur Erweiterung der Ladesäulen soll erstellt werden.

Dieselnachrüstung

Auf dem jüngsten Dieselgipfel wurden Gelder zur Umrüstung der Busflotten in den Städten besprochen und in Aussicht gestellt. Nach Auskunft der STOAG können 40 Fahrzeuge der aktuellen Flotte auf Euro-6-Norm umgerüstet werden.

Radverkehr

Aktionen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ oder „Stadtradeln“ sollen stärker beworben werden. Die Anlage eines Rad- und Gehweges in der Ruhraue von Mülheim an der Ruhr nach Oberhausen als gewässernaher Lückenschluss des Ruhrtalradweges werde zurzeit vorbereitet.

In Zukunft sollen der sogenannte Styrumer Pfad II sowie die Flachglasstrecke zu Rad- und Gehwegen ausgebaut werden. Radler sollen sich mithilfe einer automatischen Detektion schneller im Verkehr bewegen können.

Die Zahl der Fahrradgaragen und Abstellanlagen soll ausgeweitet werden.

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