Kunst-Aktion

Flüchtlingsboot ankert in der Oberhausener Marina

Flüchtlingsboot legte in Oberhausen an

An Bord der "Al-hadj Djumaa" sind 70 Figuren, die symbolisch für die Menschen stehen, die mit diesem Boot über das Mittelmeer nach Lampedusa gekommen sind. Die Wanderausstellung möchte auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen.

An Bord der "Al-hadj Djumaa" sind 70 Figuren, die symbolisch für die Menschen stehen, die mit diesem Boot über das Mittelmeer nach Lampedusa gekommen sind. Die Wanderausstellung möchte auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen.

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Oberhausen.  282 Menschen brachte die „Al-hadj Djumaa“ übers Mittelmeer. Jetzt ist das Boot auf dem Rhein-Herne-Kanal unterwegs. Mit 70 Skulpturen an Bord.

Der rostrote Lack des alten Fischerbootes ist notdürftig ausgebessert, die Bordwand hat einige Löcher, und die Geländer sind verrostet. Überall auf der „Al-hadj Djumaa“ drängen sich Kupfer-Skulpturen dicht an dicht. Trotz des ruhigen Wassers in der Heinz-Schleußer-Marina schwanken sie an Deck. Dass diese Nussschale fast 300 Flüchtlinge von Libyen aus über das Mittelmeer nach Lampedusa gebracht haben soll, ist kaum vorstellbar.

Im Sommer 2013 erreichte das mit 282 Menschen völlig überladene Boot die süditalienische Insel Lampedusa und wurde dort von der Küstenwache beschlagnahmt. 217 Eritreer und 65 Äthiopier hatten ägyptische Schleuser mit dem Boot auf die lebensgefährliche, über zwei Tage andauernde Reise geschickt und 1000 Euro pro Flüchtling kassiert. Ein lohnendes Geschäft.

Heute gehört das Boot der gemeinnützigen Vereinigung „Rederij Lampedusa“ aus Amsterdam, die es, bestückt mit 70 Kupfer-Skulpturen, für thematische Grachtenfahrten nutzt. Auf ihrer Deutschland-Rundreise machte die „Al-hadj Djumaa“ am Montag und Dienstag in Oberhausen Station. Unter dem Motto „Mit Sicherheit gut ankommen“ konnten Interessierte sich vor Ort rund um das Thema Flucht informieren und auch das Boot besichtigen.

Flüchtlingsboot legte in Oberhausen an

An Bord der "Al-hadj Djumaa" sind 70 Figuren, die symbolisch für die Menschen stehen, die mit diesem Boot über das Mittelmeer nach Lampedusa gekommen sind. Die Wanderausstellung möchte auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen.
Schiffsprojekt macht auf Flucht und Migration aufmerksam

„Das verändert die Wahrnehmung. Man steht den Menschen nicht mehr gegenüber, sondern ist mittendrin“, sagt Adolf Bartz von der Stiftung Outlaw, die die Reise organisiert. Timo Schirmer vom Aquapark zeigt sich beeindruckt: „Das hier ist noch ein vergleichsweise gutes Boot “, sagt er.

Skulpturen mit ernsten Mienen

Die 70 Figuren des dänischen Künstlers Jens Galschiøt stellen Flüchtlinge dar. Sie tragen lange, afrikanische Gewänder und ihr ernster Blick ist in die Ferne gerichtet. „Jedes Gesicht ist von großem Ernst geprägt, weil Flucht kein Spaß ist“, sagt Bartz. Besonders eindrucksvoll: Das Schiff wirkt mit nur 70 Skulpturen bereits voll besetzt. Unvorstellbar, dass vier mal so viele Menschen dort eingepfercht die Überfahrt nach Europa gewagt haben.

Die Aktion soll nicht nur die Flüchtlingsorganisationen an den Stationen zusammenbringen, sondern mehr Verständnis für die Situation der Asylsuchenden schaffen. „Menschen, die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen haben, möchten auf keinen Fall Flüchtlingen begegnen“, sagt Bartz. „Denn wenn sie ihnen begegnen, stellen sie fest, dass es Menschen sind.“

Gegen 14 Uhr am Dienstag legte die „Al-hadj Djumaa“ in Oberhausen ab, begleitet von der Kindertanzgruppe von Terre des hommes.

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