Fremdenhass

Flüchtlingsberater entdecken makabres „Einschussloch“

Die Beschädigung der Scheibe mutet an wie ein Einschussloch im Kopf einer arabisch aussehenden Figur.

Die Beschädigung der Scheibe mutet an wie ein Einschussloch im Kopf einer arabisch aussehenden Figur.

Foto: AWO/ZAQ Oberhausen

Oberhausen.  In Oberhausen haben Unbekannte die Fensterscheibe einer Flüchtlingsberatung beschädigt. Schaden sieht aus wie ein Einschussloch.

Den Flüchtlingsberatern der Oberhausener AWO bot sich am Donnerstag bei Dienstantritt ein besonders makabres Bild. Sie entdeckten ein vermeintliches Einschussloch in der Fensterscheibe der Beratungsstelle an der Styrumer Straße – das „Geschoss“ traf eine auf der Scheibe abgebildete Figur mit arabischem Aussehen mitten in den Kopf.

Für den Laien sieht das Loch in der Scheibe tatsächlich wie ein Einschussloch aus. Die Experten der Polizei haben sich den Schaden genau angesehen und festgestellt: „Dass der Schaden durch das Projektil einer Schusswaffe entstanden sein könnte, ist nahezu auszuschließen“, heißt es auf Nachfrage in einer öffentlichen Meldung. Der oder die Täter könnten eventuell einen Nothammer benutzt haben. Mit einem solchen Nothammer lassen sich die Fensterscheiben von Bussen und Autos nach einem Unfall einschlagen.

Staatsschutz in Essen ermittelt

AWO und ZAQ (Zentrum für Ausbildung und Qualifikation) verurteilen die Tat und vermuten einen gezielten Angriff mit fremdenfeindlicher Motivation. Sie sei Teil der „anhaltenden Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas.“ Fremdenfeindliche und rechtspopulistische Kräfte schürten Hass und sorgten dafür, „dass Menschen, bei denen man einen Migrationshintergrund vermutet, als Gegner angesehen und Mitbürger zu Feinden deklariert werden“.

Weil die beschädigte Zeichnung auf der Fensterscheibe eine arabisch anmutende Person zeigt, hat der Staatsschutz in Essen die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. Zeugen, die Verdaächtiges in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag beobachtet haben, sollen sich melden: 0201-82 90.

Den betroffenen Mitarbeitern der Flüchtlingsberatung gehe es indes den Umständen entsprechend gut, erklärt Sprecherin Julia Koch auf Nachfrage. Die Beratungen und Angebote an der Styrumer Straße werden wie gewohnt fortgeführt – mögliche Einschränkungen sind ausschließlich corona-bedingt. Das ist deshalb so beachtenswert, weil der oder die Täter aus Sicht von AWO und ZAQ mit dem Schuss „eine mögliche Verletzung der Mitarbeiter und Besucher wissentlich in Kauf genommen“ haben.

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