Stadtentwicklung

Fitnessprojekt Mirai in Oberhausen vorerst auf Eis gelegt

So stellt sich der Investor die zur Dauer-Fitnessmesse umgebauten Industriehallen an der Straße Alte Walz vor. Zur Zeit ruhen die Vorarbeiten aber.

So stellt sich der Investor die zur Dauer-Fitnessmesse umgebauten Industriehallen an der Straße Alte Walz vor. Zur Zeit ruhen die Vorarbeiten aber.

Foto: Entwurf: RSG

Oberhausen.  McFit-Gründer Schaller lässt das Konzept der Fitness-Dauermesse „The Mirai“ am Centro überarbeiten. Corona stürzte die Branche in eine Krise.

Die Vorbereitungen für den Bau der weltgrößten Fitness-Messe in den Industriehallen westlich vom Centro in Oberhausen sind vorerst auf Eis gelegt. Das teilt die in Berlin ansässige Rainer-Schaller-Gruppe (RSG) auf Nachfrage der Redaktion mit. Grund dafür sind die bislang unüberschaubaren Auswirkungen von Corona.

Die wochenlangen Schließungen der Fitnessstudios und die seit ihrer Wiedereröffnung geltenden Hygienevorschriften haben die Fitness-Branche in Schwierigkeiten gebracht. Grund genug für die RSG (früher McFit-Gruppe), das 100-Millionen-Euro-Projekt in Oberhausen noch einmal zu überdenken.

Branche hat jeden fünften Kunden verloren

Baubeginn sollte in diesem Jahr sein, die Eröffnung 2022.Noch im Juni wurde daran auch festgehalten. „Aufgrund der aktuellen Pandemielage pausieren die Arbeiten“, heißt es nun in einer Mitteilung von RSG-Pressesprecher Ole Hans auf Fragen der Redaktion. Stattdessen werde untersucht, wie sich der Fitnessmarkt und die Partner bei dem Projekt weiterentwickeln würden und welche Erfolgsaussichten sich daraus ergeben.

Die 9700 Fitnessstudios in Deutschland haben seit Ausbruch von Corona jeden fünften Kunden verloren. Das teilte der Vorsitzende des Bundesverbands der Gesundheitsstudios, Botond Mezey, dem „Tagesspiegel“ mit. Investor Schaller selbst ist mit der McFit-Kette einer der großen Anbieter. Viele Kunden haben offenbar auch Sorge, sich trotz aller Hygienestandards in den Fitness-Studios mit Corona anzustecken.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete schon im Frühjahr unter Berufung auf den Branchen-Fachverband, dass die meisten Fitnessstudios wirtschaftlich nicht gut aufgestellt sind, auch wenn ihre Geldeinnahmen (Umsätze) sich in den vergangenen Jahren stark erhöht haben.

Ihre Gewinne lägen im Durchschnitt aber nur bei 4,6 Prozent der Einnahmen (Umsatzrendite). Nur zu zwölf Prozent würden die Studios mit eigenen Geldern arbeiten. Dennoch ist die befürchtete Pleitewelle laut Bundesverband Gesundheitsstudios vorerst ausgeblieben.

Dauerausstellung von Sportgeräten

Die Rainer-Schaller-Gruppe sah bislang vor, in dem großen Fitness-Zentrum eine Dauerausstellung von neuen Sportgeräten einzurichten, verbunden mit einer Kongress- und Messehalle für 1000 Menschen. „The Mirai“ (japanisch für Zukunft) soll eine Plattform für Firmengründungen in der Branche werden. Ein eigenes Fernsehstudio soll eingerichtet werden, ferner Studio mit Sport-Videos, persönlichen Trainern und Computer-Fitness-Spiele. Die Sportwissenschaften sollen dort eine Anlaufstelle finden, Trainingsflächen für Besucher sind geplant. In einem bis zu 70 Meter hohen Turm als Wahrzeichen sollen Seminare zum Thema abgehalten werden.

Finanziert werden sollte dies mit Sponsoren, Werbeträgern und Ausstellern aus dem Fitnessbereich – doch diese halten sich wegen der Corona-Pandemie jetzt erst einmal zurück, wollen abwarten, wie die Kunden mittelfristig reagieren.

So stehen alle Pläne nun bei der Schaller-Gruppe auf dem Prüfstand – man bastelt erneut an dem Konzept von „The Mirai“. Denn Corona hat den Trend beschleunigt, dass sich mehr und mehr Menschen zu Hause Fitness-Geräte anschaffen und mit neuartigen Digitalprogrammen trainieren. Hier wäre ein Anknüpfungspunkt, dass gerade eine solche einzigartige Messe-Halle wie „The Mirai“ profitieren könnte: Hier soll man ja die neuesten Geräte der Branche kostenlos ausprobieren können.

Bebauungsplan auch noch nicht fertig

Voraussetzung für den Umbau der alten Industriehallen wäre ohnehin das Inkrafttreten eines neuen Bebauungsplans. Das ist seit 2017 in Arbeit. Dadurch würde das bisherige Industriegebiet an der Straße Alte Walz in ein Gewerbegebiet umgewandelt und auch die erforderliche Verkehrsführung geregelt.

Allerdings ist das Planungsverfahren vom Rathaus längst noch nicht abgeschlossen. So wurde die als nächster Schritt erforderliche öffentliche Auslegung der Pläne für die Bevölkerung ebenfalls wegen Corona ausgesetzt. Auch fehlt noch die Beteiligung anderer Behörden und Institutionen an der aktuellen Planung. Erst wenn Stellungnahmen von beiden Seiten dazu ausgewertet sind, könnte der Rat der Stadt dort Baurecht schaffen.

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