65. Kurzfilmtage

Festival zeigt Kurzfilme von Simbabwe bis Samoa

Aus dem einstigen Bürgerkriegsland Ruanda in Ostafrika stammt dieser Beitrag zum Internationalen Wettbewerb: „I got my thing and left“ von Imitana Productions.

Aus dem einstigen Bürgerkriegsland Ruanda in Ostafrika stammt dieser Beitrag zum Internationalen Wettbewerb: „I got my thing and left“ von Imitana Productions.

Foto: Kurzfilmtage

Oberhausen.   Außer Konkurrenz laufen erstmals zwei Serien bei den 65. Kurzfilmtagen. Die fünf Wettbewerbe zeigen 139 Filme aus 44 Ländern in sechs Tagen.

In ihren fünf Wettbewerben zeigen die 65. Internationalen Kurzfilmtage vom 1. bis 6. Mai insgesamt 139 Filme aus 44 Ländern. Mit 7616 Arbeiten aus 127 Ländern ist die Zahl der Einreichungen auch 2019 wieder angestiegen – und hat in wahrer „Globalisierung“ kaum eine Ecke des Planeten ausgelassen.

Denn die Werke kommen nicht nur aus traditionellen Filmländern. Neue Kurzfilme erreichten die Festivalmacher in der Kulturvilla auch aus Simbabwe und Sierra Leone in Afrika, aus Tadschikistan in Zentralasien und aus Samoa im pazifischen Ozean. In Oberhausen zeigt sich deutlicher denn je, dass digitale Vernetzung und der vergleichsweise geringe kommerzielle Druck den Kurzfilm zum nahezu universalen Ausdrucksmittel machen.

Fast 42.000 Euro Preisgelder

Dazu Festivalleiter Lars Henrik Gass: „Kurzfilme nehmen sich im Vergleich zum langen Spielfilm formal gesehen immer größere Freiheiten. Hier wird Filmsprache ständig neu erfunden.“ Die ausgewählten Filme konkurrieren um Preise im Gesamtwert von fast 42.000 Euro.

Im Internationalen Wettbewerb, dem größten und ältesten des Festivals, zeigen die Kurzfilmtage 52 Werke aus 35 Ländern. Knapp die Hälfte der Arbeiten stammt von Filmemacherinnen, 33 Filme sind als Weltpremiere oder internationale Premiere zu sehen. „Im internationalen Kurzfilm werden Grenzen verschoben“, sagt so Hilke Doering, die Leiterin des Internationalen Wettbewerbs. „Die Regisseure und Regisseurinnen wählen für ihre Geschichten ganz individuelle Formen, die oft Einflüsse aus Theater, Tanz, Musik oder Kunst aufnehmen.“ Trends ließen sich in dieser Vielfalt kaum mehr ausmachen.

Erstmals sind auch Kurzfilm-Serien dabei

Im Deutschen Wettbewerb zeigen die Kurzfilmtage 24 Filme. „Auffällig war, dass unter den Einreichungen erstmals eine Reihe von höchst interessanten Kurzfilm-Serien waren“, erklärt Carsten Spicher. Das sprengt die Wettbewerbs-Vorgaben. Stattdessen zeigt das Festival zwei Serien außer Konkurrenz, aber in voller Länge – darunter eine Hommage an den in den 1970ern großen Schlagersänger Ricky Shayne.

„Auch im deutschen Kurzfilm – in diesem Jahr stammen 60 Programme der Beiträge von Filmemacherinnen – gibt es eine große formale Ausdifferenzierung, auf hohem Niveau“, wie Carsten Spicher konstatiert. „Migration, Gender, Politik – die Kurzfilme greifen Themen auf sehr persönliche Art auf, beleuchten Randaspekte und legen unerwartete Zusammenhänge offen.“

Junge Filmemacher bleiben in NRW

Für den NRW-Wettbewerb wurden zwölf Arbeiten ausgewählt. Zur einen Hälfte sind’s Hochschulproduktionen, die andere Hälfte sind freie Produktionen. „Eine positive Entwicklung für das Filmland Nordrhein-Westfalen“ erkennt Carsten Spicher, der neben dem Deutschen auch den NRW-Wettbewerb leitet: „Filmemacher, die früher nach ihrem Studiums nach Berlin abwanderten, bleiben lieber hier und gründen mit Kommilitonen eigene Produktionsfirmen.“

Der 21. MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo präsentiert elf Videos. Und im 42. Kinder- und Jugendfilmwettbewerb zeigen die Kurzfilmtage, geordnet nach Altersgruppen, 42 Filme aus 25 Ländern.

>>> Alexander Sokurov gibt Meisterklasse

Weit über 500 Filme in 122 Programmen zeigen die 65. Kurzfilmtage vom 1. bis 6. Mai. Eine große Themenreihe ist Trailern gewidmet. Unter dem Titel „Die Sprache der Verlockung“ beleuchten die Kurzfilmtage ein oft vernachlässigtes Kurzfilmgenre.

In sechs Filmprogrammen präsentiert das Festival das selten gezeigte Frühwerk des großen russischen Autorenfilmers Alexander Sokurov, verehrt als „Maler mit der Kamera“. Der 67-Jährige aus dem sibirischen Irkutsk wird in Oberhausen eine Masterclass geben.

Weitere Werkschauen sind der Griechin Eva Stefani sowie Kiri Dalena (Philippinen) und Kayako Oki (Japan) gewidmet. Das Programm komplettieren Reihen bedeutender Archive, „Conditional Cinema“ (gemeint ist Kino mit Live-Elementen) und „Re-selected“.

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