Feinripp-Rhythmus

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Drei Ska-Bands gaben den Ton an beim Konzert am Dienstag im Jugendzentrum Druckluft:Von Jazz bis Pop nutzten die rund 30 Musiker die ganze Bandbreite ihres Genres

"Arbeit ist scheiße, Arbeit ist scheiße", skandierte in anarchistischer Romantik ein Punk an der Theke des Cafe?s. Ein paar Meter entfernt, vor der Türe, besprühten junge HipHopper einen alten Bus. Und noch ein paar Meter weiter standen Skinheads in der Herbstnacht. Der Punk blieb in der Kneipe, der Sprüher am Bus, denn der Abend verlief nach dem Geschmack der Skins. Die Ska-Fans erlebten am Dienstag ein hochrangig besetztes Festival im "Druckluft".

Die Konzerthalle des Kulturzentrums ist alles andere als ein Festsaal. Beinahe alles, was bröckeln kann, nimmt diese Möglichkeit in Anspruch. Die Wände sind dunkel, die Beleuchtung dürftig. Doch wenn eine Ska-Band auftritt, dann funkelt jede Bühne. Drei Bands mit insgesamt rund 30 Musikern spielten von kurz nach acht bis spät in die Nacht. Posaunen, Trompeten, Saxophone - nicht nur optisch glänzend, besonders auch musikalisch. Jede der Gruppen interpretierte die Musikrichtung anders.

Die Sir Henry Morgan Buccaneers eröffneten als zumindest lokale Bekanntheiten den Abend. Die Band aus Duisburg und Umgebung gehört zu den ruhigeren Vertretern des Genres. Sie bedient sich den Rhythmen der Ska- und RockSteady-Periode aus den 60er-Jahren. Ihr Parade-Stück "Rudi will be mine" war am Dienstag der Höhepunkt der Show, Sängerin Mareike verdiente sich dabei besonderen Applaus für die sanfte Stimme, zu deren Gunst sich die Bläser zurückhielten.

Das Festival nahm mit dem Auftritt von Eastern Standard Time an Fahrt auf. "Von mir aus können die den Ska auch ganz rauslassen und jetzt völlig auf Jazz setzen", resümierte ein Konzertbesucher nach den ersten Stücken. Der Band aus Washington gelang es, die sonst einfachen Strukturen der Ska-Songs mit Improvisationen und Standards hoher Klasse Schwung zu geben, den eine traditionelle Rhythmus-Gruppe nicht erreicht. Auf den Alben liegt ihr Schwerpunkt auf Instrumental-Stücken, im Druckluft durfte sich Sänger I-Peace Unikue zur Freude der Zuschauer austoben.

Der 32-jährige Amerikaner verlor in Sachen Ausgelassenheit allerdings deutlich gegen einen Engländer, der bereits Platten veröffentlichte, als Unikue noch lesen lernte. Mark Foggo, das Energiebündel im Feinrippunterhemd, tapste mit aufgerissenen Augen hektisch zwischen den Musikern seiner Band, den Skasters, umher. Nachdem sich der Ska an diesem Abend zunächst von seiner gemächlichen, dann von seiner jazzigen Seite zeigte, präsentierte er durch Mark Foggo sein tanzendes Hinterteil. Hohes Tempo und erschütternde Einsätze der Bläser, Foggos extatischer Gesang und eingängige Melodien zogen den Ska in einen beinahe popmusikalischen Bereich. Und wenn der Punk aus dem Cafe? doch noch herübergekommen wäre, hätte es auch ihm gefallen.

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