Denkmalschutz

Experten geben historischer Decke Vorzug vor Mawick-Kunst

Als „Spagat, der gestalterisch nicht gelingen kann“empfindet Architektin Britta Lingenberg

Als „Spagat, der gestalterisch nicht gelingen kann“empfindet Architektin Britta Lingenberg

Foto: BST

Oberhausen.   Beim Umbau des Ratssaals in Oberhausen sehen Denkmalschützer eine Kombination aus expressionistischem Deckenrelief und Mawick-Fries kritisch

Mit Fragen, die den Umbau des Ratssaals betreffen, werden sich am heutigen Montag die Mitglieder des Hauptausschusses befassen. Dabei wird es vor allem um die Frage der Barrierefreiheit gehen. Aber auch eine andere Frage wird derzeit noch diskutiert: Soll der aus dem Jahr 1958 stammende Mawick-Fries im Ratssaal bleiben oder wird er im Zuge der Renovierung weichen müssen?

Die Untere Denkmalbehörde und das zuständige Denkmalfachamt jedenfalls gelangen in ihrer Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt, zu dem Schluss, dass der Freilegung der originalen, expressionistischen Deckenplastik samt Wiederherstellung der bauzeitlichen Wandverkleidung eine deutlich höhere Priorität zukommen müsse.

Auf die Podien verzichten

Ein Nebeneinander der beiden Gestaltungselemente Deckenplastik und Mawick-Fries als Dokumentation unterschiedlicher Phasen sehen die Experten als „noch vertretbar, aber nicht vorzugswürdig“ an.

Darüber hinaus sprechen sich die Denkmalschützer dafür aus, auf die Podien zu verzichten, die die hinteren Sitzreihen anheben, um die Fensterfront wieder bodengleich zugänglich zu machen. Das ermögliche nicht nur eine bessere Blickachse in den Park, sondern diene vor allem der Barrierefreiheit, die schließlich Ausgangspunkt aller Überlegungen zur Umgestaltung gewesen sei.

Der hohe Denkmalwert des Oberhausener Rathauses gründe auf Planungen, die 1910 begannen und 1927 bis 1930 von Ludwig Freitag abgeschlossen worden seien. Darin sei die Idee des Gesamtkunstwerks verwirklicht worden.

Das spiegele sich nicht nur in der Architektur des Gebäudes und seiner Fassaden wider, sondern auch im „architektonischen Herzstück des Hauses“, dem Ratssaal mit seiner expressionistischen Formensprache und Ornamentik – vor allem in der plastischen Struktur der Decke. Durch Abhängung war sie jetzt jahrzehntelang den Blicken entzogen.

Eine „historische Chance“

„Mit dem nunmehr angedachten Umbau des Ratssaales ist die historische Chance verbunden, dem überregionalen Denkmalwert des Rathauses Oberhausen, einem Meisterwerk des Backsteinexpressionismus im Rheinland, nach heutigen Erkenntnissen und Anforderungen gerecht zu werden“, so die Stellungnahme der Denkmalschützer.

Dem Mawick-Fries dagegen komme nach denkmalfachlicher Prüfung kein eigenständiger Denkmalwert zu, zumal er mit seiner Aufbringung auf Holztafeln wenig qualitätsvoll hergestellt sei. Im Interesse einer ruhigeren Gesamtgestaltung des Ratssaals komme es deshalb in Betracht, den Fries abzunehmen und an anderer Stelle aufzuhängen.

Architektin Britta Lingenberg vom Büro „BST Architekten“ urteilt: „Das nun angedachte Nebeneinander der beiden Gestaltungselemente schwächt diese. Die Atmosphäre im Raum wird unruhig und konfus.“ Das gleichwertige Nebeneinander beider Epochen stelle einen Spagat dar, der gestalterisch nicht gelingen könne.

>>> Info: Die andere Variante

Auch Architekt Werner Funke war um eine Stellungnahme gebeten worden. Wie die anderen Experten kommt auch er zu dem Schluss: „Die räumliche Nähe der Decke zum Bildfries des Malers Walter Mawick erscheint besonders bedenklich.“

Anders als die Denkmalschutzbehörde plädiert er für eine andere Variante: „Die Decke des ersten Bauzustands sollte konserviert werden und bleibt so unter einer neuen, inneren Decke erhalten.

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