Lebens-Drama

Ex-Spionin Marita Lorenz lebt im Oberhausener Seniorenheim

Bereits 2014 besuchte die ehemalige Geheimagentin Marita Lorenz in Oberhausen das damalige Spionagemuseum mit ihrer Tochter Monica  und ihrem Sohn Mark.

Bereits 2014 besuchte die ehemalige Geheimagentin Marita Lorenz in Oberhausen das damalige Spionagemuseum mit ihrer Tochter Monica und ihrem Sohn Mark.

Foto: Volker Hartmann

Oberhausen.  Die 79-Jährige, die mit 19 Jahren Fidel Castro töten sollte, begleitet die Entstehung des Doku-Dramas „Alles ist wahr“ am Theater Oberhausen.

Im Sterkrader Seniorenwohnheim „Gute Hoffnung“ richtet sich eine einst als „Schutzheilige aller Verschwörungstheoretiker“ berühmte Spionin ein. Den Titel kreierte die Zeitschrift „Vanity Fair“ für die 79-jährige gebürtige Bremerin Marita Lorenz. Nach über 60 Jahren in den USA ist sie nun nach Oberhausen gezogen – so wie das Theater Oberhausen es angekündigt hatte.

Die brisantesten Kapitel der CIA-Historie

Denn die Frau, die als 19-Jährige Fidel Castro liebte – und den kubanischen „Maximo Lider“ im Auftrag der CIA töten sollte – begleitet die Kreation eines Doku-Dramas für die kommende Spielzeit am Will-Quadflieg-Platz: Hausregisseurin Babett Grube inszeniert die für den 11. Oktober angekündigte Premiere von „Alles ist wahr – die neun Leben der Marita Lorenz“ (wir berichteten). Ob „alles wahr“ ist, steht bei der Vita einer Geheimagentin stark in Frage.

Babett Grube verglich den schier unglaublichen Lebensweg von Marita Lorenz sogar mit jenem von „Forrest Gump“, der in Robert Zemeckis’ filmischem Geniestreich nahezu allen großen Persönlichkeiten des späteren 20. Jahrhunderts über den Weg läuft.

Die zeithistorischen Begegnungen haben bei der bald 80-jährigen Lorenz allerdings eine deutlich sinistre Seite, denn ihre Biografie ist verwoben mit den brisantesten Kapiteln der CIA-Historie.

Der Hang zu Geheimdiensten könnte bei der Tochter eines deutsch-amerikanischen Ehepaares ererbt sein, denn schon ihre Mutter, die Schauspielerin und Tänzerin mit dem Künstlernamen Jane Paget, wurde im Bremen der Weltkriegsjahre mehrfach wegen Spionage-Verdachts verhaftet. Weil sie bei der Befreiung von Zwangsarbeitern geholfen haben soll, kam Alice June Lorenz (so ihr eigentlicher Name) mit ihren Kindern ins Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Begegnung an Bord der „Berlin“

In ihrer Nachkriegs-Jugend begleitete Marita Lorenz gerne die Törns ihres Vaters, der als Kapitän zur See inzwischen transatlantische Linien- und Kreuzfahrtschiffe kommandierte. So kam es 1959 an Bord der „Berlin“ im Hafen von Havanna zur Begegnung mit Fidel Castro: Der damals 33-jährige Revolutionsheld hatte gerade den Diktator Battista aus Kuba vertrieben – und ließ seine 19-jährige Geliebte ins Havanna Hilton holen.

Erst nach mehreren Monaten, einer Schwangerschaft und der erzwungenen Abtreibung im siebten Monat verließ die Deutsch-Amerikanerin ihren Geliebten. In Florida bedrängten CIA-Agenten sie, zurückzukehren, um Castro zu vergiften.

Abgründe aus Widersprüchen

Marita Lorenz’ Verbindungen zu den Exil-Kubanern brachten sie auch vor jenen von 1976 bis ‘78 tagenden Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses, der den Ermittlungsfehlern nach den Morden an John F. Kennedy und Martin Luther King nachforschte. Laut Lorenz’ Aussage habe Lee Harvey Oswald, der Kennedy-Mörder, zusammen mit Exil-Kubanern die Waffen an den Tatort gebracht – sie selbst habe mit ihnen im Auto gesessen.

Man darf gespannt sein, ob sich Dominik Busch, der Schweizer Bühnenautor von „Alles ist wahr“ für die kommende Uraufführung durch diesen Abgrund einander widersprechender Aussagen und Dokumente fräst – oder ob er das „Forrest Gump“-hafte dieses Lebensweges betont.

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