Gitarissimo-Konzert

Erst Trump ließ Bluesrock-Gitarrist Taft politisch werden

Der amerikanische Rock-Gitarrist Dudley Taft mit seinem Schlagzeuger Marty McCloskey und dem Bassisten Kasey Williams im Oberhausener Gdanska.

Foto: Sven Thielmann

Der amerikanische Rock-Gitarrist Dudley Taft mit seinem Schlagzeuger Marty McCloskey und dem Bassisten Kasey Williams im Oberhausener Gdanska.

OBERHAUSEN.   Dudley Taft, Gitarrist aus dem republikanischen Ohio, rockt das rappelvolle Gdanska. Bisher schrieb er nur einen politischen Song.

Alle Wetter, Taft hat echt was auf der Pfanne – nämlich eine ziemlich spezielle Mischung aus Blues, Rock und Grunge, die der bald 52-jährige Gitarrist am Freitagabend erfreulich unprätentiös in der Oberhausener Kultkneipe Gdanska präsentierte. Um 18.13 Uhr hatte Gitarrissimo-Chef Jürgen Reinke angesichts von erst 13 vorbestellten Karten noch Sorgen, ob das Debüt des coolen US-Rockers, der schon rein optisch bestens bei ZZ Top mitspielen könnte, nicht unter einem schlechten Omen stehe. Aber da nur Aberglaube bekanntermaßen Unglück bringt, war natürlich um Schlag acht die Hütte rappelvoll.

Prachtvolle Bass-Fundamente

Wer da auf den Bühne stand, war unübersehbar: „Dudley Taft“ schrie nicht nur der Vorhang hinter der kommoden Combo, sondern auch das Genre-typische Logo auf der Bass-Drum von Marty McCloskey, der für mächtig Druck hinter seinem Frontman sorgte. Während Kasey Williams, der vom Habitus her an „Blues Brother“ Donald „Duck“ Dunn erinnerte, auf seinem Fünf-Saiter prachtvolle Bass-Fundamente ausbreitete.

Eine höllisch groovende Chose, über der Dudley Taft mit flirrendem Charme vom Texas-Blues inspirierte Guitar-Lines zelebrierte. Wobei er für die rockigeren Tracks die Finger auf einer weißen Stratocaster fliegen ließ, während bei eher balladesken Nummern eine schwarze Les Paul die Axt der Wahl war.

In überraschendem Kontrast stand dazu die warm-modulierte Stimme, mit der das, ähem, „rote Schaf“ aus dem Ur-Adel der Ohio-Tafts seinen Songs hinreißend Ausdruck verlieh.

Witzig, dass er etwa „Skull & Bones“ besang – die gleichnamige älteste Studentenvereinigung der USA hatte 1832 einer seiner vielen berühmten Vorfahren gegründet. Worüber Dudley Taft normalerweise keine Worte verliert, im Gespräch vor dem Konzert allerdings betonte, dass die vielen Politiker seiner großen Familie alle gemäßigte Republikaner seien: „Die kümmern sich nicht um Homo-Ehe oder Abtreibung, sondern um faire Steuern und einen funktionierenden Staat.“

Er selbst halte sich aus der Politik völlig heraus und habe erst jetzt wegen Donald Trump seinen ersten politischen Song geschrieben. Der sei freilich eher dezent. Was man von den unübersetzbar-eindeutigen Worten nicht sagen kann, die Dudley Taft über den Nachfolger seines Urgroßonkels äußerte: „Peep peep peep …“ klänge es wohl im familieneigenen TV-Sender, der Schimpfwörter in Dialogen – wie in den USA üblich – mit einem Signalton übertüncht.

Nun, in der rockenden Show fiel die Trump-Abrechnung nicht weiter auf. Sehr wohl aber Tafts Huldigung für einen der Drei Heiligen Könige des elektrischen Blues – nämlich den verehrten Freddie King, dem er einen prächtigen „Palace“ mitten ins Gdanska hinstellte. Um wenig später dem darob gerührten Rezensenten ein hinreißendes Jimmy Hendrix-Instrumental zu widmen.

Was natürlich keinen Einfluss auf dessen Urteil hat, dass Dudley Taft ein verdammt geiler Gitarrist ist, der mehr Anerkennung verdient. Das Publikum bei der 670. Gitarrissimo-Ausgabe feierte ihn und seine Band jedenfalls angemessen lautstark.

>>> AMERIKANISCHER UR-ADEL

Dudley S. Taft jr. (*1966) stammt aus einer berühmten republikanischen Familie, die seit dem 17. Jahrhundert viele Persönlichkeiten der USA hervorbrachte, darunter Gouverneure, Senatoren und Staatsbeamte.

So war Lydia Chapin Taft 1756 die erste Amerikanerin, die offiziell an einer Wahl teilnahm. Der studierte Gitarrist (Berklee), dessen Vater in Ohio die Taft Broadcasting Company gründete, ist der Urgroßneffe von William Howard Taft, dem 27. Präsidenten der USA (1909-13). Mit seinem Bruder Woody investierte Dudley Taft 2015 in eine der ersten legalen US-Marihuana-Farmen.

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