Gesundheit

EKO - Pflegenot in der Notfall-Ambulanz

In die Kritik geraten ist das Pflegepersonal der Notfall-Ambulanz im Evangelischen Krankenhaus Oberhausen.

In die Kritik geraten ist das Pflegepersonal der Notfall-Ambulanz im Evangelischen Krankenhaus Oberhausen.

Foto: Ulla Emig

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Oberhausen.Viereinhalb Stunden harrte Ulrich Jäger schwer krank in der Notfall-Ambulanz des Evangelischen Krankenhauses Oberhausen aus. Was er dort erlebte, beschreibt seine Frau Elisabeth als „schockierend“. Ulrich Jäger selbst kann diese Geschichte nicht mehr erzählen, er liegt inzwischen im St. Vinzenz Pallotti Hospiz.

Mit dem Verdacht auf einen Herzinfarkt wurde ihr Mann vom Notarzt ins EKO gebracht. Elisabeth Jäger, die ihren Mann begleitete, erzählt: „Die Erstaufnahme war noch in Ordnung.“ Doch dann ging die Warterei los. „Und das in einem winzigen Raum ohne Fenster.“

In einer schlechten Verfassung

Ihr Mann fror, eine vorübereilende Pflegekraft habe ihm einen Bettbezug gebracht. „Aber ohne Decke darin.“ Also eilte die 65-Jährige zu ihrem Auto und holte eine Decke. „Mein Mann ist Schrittmacher-Träger, ist an einer schweren Lungenkrankheit erkrankt und hat Krebs – er war insgesamt in einer sehr schlechten Verfassung, dennoch ließ sich dann überhaupt keine Pflegekraft mehr blicken“, sagt Elisabeth Jäger kopfschüttelnd.

Die Notärztin selbst sei zwar sehr bemüht gewesen. „Aber die Kabinen waren voll und sie konnte sich ja nicht vierteilen.“ Ihr Mann habe Durst gehabt. „Da glaubte ich noch, dass bald eine Krankenschwester käme, um nach ihm zu sehen und fuhr erst einmal nach Hause – wir wohnen in der Nähe – um eine Tasche zu packen und seine Medikamente zu holen.“ Doch als sie nach gut einer halben Stunde zurückkehrte, musste sie feststellen: „Es hatte sich keine Schwester bei ihm blicken lassen, er hatte nicht einmal einen Becher Wasser bekommen.“ Darauf angesprochen, habe sich die Notärztin selbst auf die Suche nach einem Becher gemacht und ihm Leitungswasser angeboten.

Einfach nach Hause gefahren

Immerhin: Der Verdacht auf einen Infarkt bestätigte sich nicht. „Aber die Ärztin sagte, es müsste noch eine Röntgenaufnahme von der Lunge gemacht werden, eine Schwester würde ihn abholen.“ Also wartete das Ehepaar. Als Ursula Jäger sich nach einer weiteren Stunde bei einem vorbeieilenden Arzt erkundigte, erfuhr sie: „Die Ärztin war inzwischen von eben diesem Arzt abgelöst worden.“ Er müsse sich aber erst sachkundig machen. „Aber auch in den nächsten 30 Minuten geschah rein gar nichts.“ Nach insgesamt fast fünf Stunden platzte dem Ehepaar der Kragen. „Wir fuhren nach Hause und später in eine andere Klinik.“

Das Ehepaar betont allerdings auch, dass es bei früheren Aufenthalten im EKO (Urologie und Gefäßchirurgie) immer sehr zufrieden gewesen sei – „mit den Ärzten und den Pflegekräften“

"Weder medizinisches Defizit noch Versäumnisse"

Auf Nachfrage versichert Susanne Kammann vom Beschwerdemanagement des EKO: „Es hat weder ein medizinisches Defizit vorgelegen noch sind Versäumnisse aufgrund von Fahrlässigkeit seitens des medizinischen Personals – sowohl ärztlich wie auch pflegerisch – erfolgt.“

Die Ärzte und Schwestern/Pfleger arbeiteten im EKO Hand in Hand. So war dem Pflegepersonal bewusst, dass sich die Notfallärztin angemessen um den Patienten gekümmert habe. Das Notfallaufkommen sei an jenem Tag sehr hoch gewesen. „Die Patienten werden nach Dringlichkeit behandelt und die Kollegen, auch die Schwestern und Pfleger, tun, was sie können“, betont Kammann. Auch bei einer hohen Frequentierung werde regelmäßig nach den Patienten geschaut. „Besonders nach denen, die ohne Angehörige da sind.“ Das Beschwerdemanagement habe sofort ein Schreiben an Herrn Jäger aufgesetzt und sich für die durch den hohen Andrang möglicherweise entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigt.

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