Eichenprozessionsspinner

Eklat in der Lokalpolitik: Eiche mit Gift-Raupen bleibt

Anwohnerinnen und Anwohner der Dellerheide in Barmingholten im Juni vor der umstrittenen Eiche.

Anwohnerinnen und Anwohner der Dellerheide in Barmingholten im Juni vor der umstrittenen Eiche.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Leidtragende des Eichenprozessions-spinners in Oberhausen verlassen empört die Sitzung der Bezirksvertretung. Sie fühlen sich im Stich gelassen.

Im Frühjahr können sie nicht mehr im Garten sitzen, leiden teilweise an heftigem Juckreiz am ganzen Körper und das schon seit Jahren. So beklagten es Anwohner der Straße Dellerheide in Barmingholten im Juni. Ursache ist der Befall einer einzelnen Eiche in ihrer Straße mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners. Die Redaktion berichtete darüber. Bei der Stadt hatten sie die Fällung der Eiche beantragt. Die Beratung darüber führte jetzt in der Bezirksvertretung Sterkrade zum Eklat. Unter lautem Protest verließ nicht nur ein betroffenes Paar den Saal, sondern auch Jens Carstensen, der Vertreter der Linken Liste.

Üblicherweise ist die Beratung darüber, welche städtischen Bäume gefällt werden müssen, in der Bezirksvertretung Routineangelegenheit. Mit einem Kleinbus fahren je ein Bezirksvertreter jeder Partei und Mitarbeiter der Stadtverwaltung jeden einzelnen Baum ab und geben als sogenannte Baumkommission eine Empfehlung ab. Ihr wird fast immer gefolgt. Das war auch diesmal so. Die Kommission hatte empfohlen, den Baum nicht zu fällen.

Nowak: die Leute evakuieren

Über 17 Fällanträge war zu entscheiden. Werner Nowak (Offen für Bürger) brachte Nummer sechs, die Eiche auf der Dellerheide, zur Sprache. Im halbseitigen Bericht der Stadtverwaltung über den Fall waren die Leiden der Betroffenen nicht beschrieben: „Beim Eintreffen der Baumkommission schilderte der Antragsteller eindrücklich die Problematiken, welche durch den Eichenprozessionsspinner hervorgerufen werden“, hieß es da nur. Nowak sprach von Verletzungen, die der Baumschädling verursache, erntete aber mit seiner Forderung Kopfschütteln, die betroffenen Familien woanders unterzubringen. Er erhob das auch nicht zum Antrag.

Denn der Baum sollte erhalten bleiben, war sich die Baumkommission einig. Es sei so vor Ort mit den Nachbarn so abgestimmt, stand in der Vorlage. Dabei hatte die Stadtverwaltung ausgeführt, dass eine Behandlung der Baumkrone mit Schädlingsbekämpfungsmittel im Frühjahr erfolglos war. Wegen des besonderen Falls sei eine Fachfirma beauftragt worden, die Raupen täglich vom Baum einzusammeln. „Wir waren dort 25 Mal vor Ort zum Absammeln“, ergänzte ein Mitarbeiter der zuständigen Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM).

Eidam: Raupen mit Wasserdampf abtöten

Helmut Eidam (SPD) schlug vor, im nächsten Jahr den Baum mit 90 Grad heißem Wasser zu benebeln. „Wenn das nicht hilft, müssen wir neu beraten.“ – „Vorbeugung ist sehr wirksam, aber in acht bis zehn Prozent der Fälle leider nicht“, sagte Umweltdezernentin Sabine Lauxen. Was bei Misserfolg zu tun sei, darüber berate man zur Zeit mit anderen Experten.

Einstimmig war bereits so entschieden, als sich das betroffene Paar im Saal erhob und dazu sprechen wollte. „Wir haben nichts zugestimmt. Das ist eine falsche Info“, erklärte der Mann und empörte sich. Man habe ihnen zugesagt, angehört zu werden. Dabei fiel der Name von Markus Werntgen-Orman, dem zuständigen Bereichsleiter bei der Stadt. Als Bezirksbürgermeister Ulrich Real eine Anhörung mit dem Hinweis ablehnte, der Punkt sei bereits entschieden, empörte sich auch Jens Carstensen und verließ die Sitzung.

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