Geschichte

Ein Stück Stadtgeschichte in Oberhausen

Jakob Plum (rechts im Bild) in Eisenbahneruniform. An der Hand hält er seine Tochter Agnes. Das Bild wurde im Jahr 1912 aufgenommen.

Jakob Plum (rechts im Bild) in Eisenbahneruniform. An der Hand hält er seine Tochter Agnes. Das Bild wurde im Jahr 1912 aufgenommen.

Foto: GESCHICHTSWERKSTATT

Oberhausen.  Der gemeinnützige Verein „Geschichtswerkstatt Oberhausen“ hat eine neue Ausgabe des Journals „Schichtwechsel“ herausgegeben

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Ein kurzes Sträßchen und eine Haltestelle in Osterfeld tragen seinen Namen. Ansonsten ist Jakob Plum, einer der Pioniere des genossenschaftlichen Wohnungsbaus, nicht sehr präsent im Bewusstsein der Oberhausener. Die spannende Geschichte, wie der 1879 geborene Eisenbahnbeamte in Zeiten drückender Wohnungsnot zum „Wohltäter der Menschheit“ wurde, wie Oberbürgermeister Otto Pannenbecker 1953 bei der Bundesverdienstkreuzverleihung formulierte, hat André Wilger von der Geschichtswerkstatt nachgezeichnet.

Nachzulesen ist sie in der neuesten Ausgabe des zweimal jährlich erscheinenden Magazins „Schichtwechsel“, das seit kurzem im örtlichen Buchhandel erhältlich ist.

Ins Visier der Obrigkeit geraten

Der Bericht über Jakob Plum, der mit anderen Eisenbahnern in Osterfeld anno 1904 den Spar- und Bauverein als Genossenschaft gründete, um Wohnraum für die vielen „minderbemittelten“ Familien der Bahnbediensteten zu schaffen, die es zum enorm wachsenden Güterbahnhof Osterfeld zog, wirft interessante Schlaglichter auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse Anfang des 20. Jahrhunderts. Wegen dieser Genossenschaftsgründung verdächtigte die Obrigkeit den treuen Zentrumsmann sogar zeitweise „sozialdemokratischer Umsturzversuche“. Mit Hartnäckigkeit und Schaffenskraft trug der Osterfelder Stadtverordnete und Genossenschaftsvorsitzende Plum dazu bei, den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der späteren Gemeinnützigen Wohnungsbau eG, Osterfeldern besser bekannt als GE-WO, zu legen. Die 43 familiengerechten Wohnungen, die 1905 im Losverfahren an Eisenbahner vergeben wurden, machten den Anfang...

Ziemlich genau 80 Jahre später, am 7. April 1984, schickten sich ambitionierte Alstadener an, die „Genossenschaft am Ruhrufer“ (GAR) zu gründen – mit dem großen Ziel, „durch gemeinschaftliche Selbsthilfe selbstverwalteten Wohnraum mit günstigen Mieten zu errichten und zu bewirtschaften“. Auf dem früheren Zechenareal wollten die von Partizipation und neuer Solidarität beseelten Pioniere um Gerd Vatterot ihre Vision von „anders leben – anders wohnen“ Wirklichkeit werden lassen. Sechs Jahre nach Gründung der GAR, im Frühjahr 1990, konnten die ersten Häuser der Werkbundsiedlung bezogen werden. Den ebenso schwierigen wie ereignisreichen Jahren dazwischen, den Höhen und Tiefen der Entstehungsgeschichte der Siedlung, aber auch der weiteren Entwicklung der „wohl kleinsten Genossenschaft der Bundesrepublik“ hat Redakteur Klaus Offergeld für das Geschichtsmagazin nachgespürt.

Fotobericht zum ehemaligen Concordia-Hafen

Ein Fotobericht zum ehemaligen Concordia-Hafen am Rhein-Herne-Kanal ist im neuen Schichtwechsel ebenso zu finden wie Christoph Strahls Bericht über die Evangelische Kirche Schmachtendorf, die samt Pfarrhaus als Denkmal unter Schutz gestellt und zuletzt als vorübergehende Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde, oder die Historie der Sterkrader Steinbrinkschule.

Ein Schatz für geschichtlich Interessierte ist auch der mit vielen Dokumenten und persönlichen Briefen versehene Bericht über die bisher unbekannte Geschichte des Oberhausener Theologie-Studenten Richard Göbel. Als Nazi-Gegner fühlte sich der junge Mann der Evangelischen Bekennenden Kirche zugehörig und kam im Zweiten Weltkrieg ums Leben. Sein Enkel begab sich auf Spurensuche und wird demnächst ein Buch dazu herausbringen. Einen Vorgeschmack darauf gibt er im aktuellen „Schichtwechsel“.

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