Kinotipps

Ein Rocksänger am Ende und ein Schach-Genie am Anfang

In körnigen Schwarz-Weiß-Bildern, seinem Markenzeichen, erzählt Anton Corbijn in  „Control“ das kurze Leben von Ian Curtis (Sam Riley), hier mit Alexandra Maria Lara als Annik.

In körnigen Schwarz-Weiß-Bildern, seinem Markenzeichen, erzählt Anton Corbijn in „Control“ das kurze Leben von Ian Curtis (Sam Riley), hier mit Alexandra Maria Lara als Annik.

Foto: Dean Rogers / Capelight Pictures/

Oberhausen.  Sehr junge Leben zwischen Tragik, Absturz und Aufstieg: Davon erzählen die aktuellen Arthouse-Filme in Oberhausener Kinos.

Junge und sehr junge Menschen sind die Helden der bemerkenswertesten Beiträge zum Arthouse-Programm dieser Woche – da darf ruhig einmal ein Altstar dazwischenfunken.

Zwölf Jahre nach der Uraufführung darf Anton Corbijns „Control“, die Biopic des „Joy Division“-Sängers Ian Curtis, schon als Klassiker gelten. Das Kino im Walzenlager zeigt das Werk in körnigem Schwarz-Weiß jeweils um 20 Uhr – mit einem speziellen Extra. Ian Curtis ist 19 Jahre jung, als er Debbie kennenlernt. Wenig später sind sie verheiratet und bekommen eine Tochter. Curtis stößt als Sänger zur Band „Joy Division“, die er mit seinem düsteren Charisma zum Geheimtipp auch außerhalb von Manchester macht. Doch er kommt mit der Aussicht auf schnellen Ruhm nicht zurecht. Eine Affäre mit der Journalistin Annik beschleunigt das Ende seiner Ehe und verstärkt seine Schuldgefühle.

Und das Extra? Am Freitag, 8., und Sonntag, 10. November, spielt die Zwei-Mann-Vorband „Nix Festes“ live im kleinen Walzenlager-Kino. Deren ermutigendes Motto: „Zwei Mann, ein Plan, keine Ahnung.“

Die siebenjährige hat ihren eigenen Kopf

Ein Mädchen mit Courage und ein junger Erwachsener sind die Helden des 18-Uhr-Films im Walzenlager: „Mein Leben mit Amanda“, ebenfalls körnig – aber in Farbe, beginnt mit dem unbekümmerten Single-Leben des 24-jährigen David. Gelegentlich schaut er auf einen Sprung bei seiner Schwester und ihrer kleinen Tochter Amanda vorbei. Doch von einem auf den anderen Tag findet die sommerliche Unbeschwertheit ein Ende. David ist plötzlich seine siebenjährige Nichte Amanda anvertraut. Aber die clevere Kleine hat so ihre eigenen Vorstellungen.

Ein etwas größeres „Kind“ spielt Tom Schilling als Sohn von Corinna Harfouch in „Lara“, in der Lichtburg um 16 und 19 Uhr. Der ewige Junge aus „Oh Boy“ zeigt sich abermals schwer sensibel: Als hochnervöser Pianist Viktor steht er vor der Premiere seines großen Konzertes. Die besorgte Mama kauft vorsorglich die Karten auf. Die Fassade ihrer Fürsorglichkeit bekommt jedoch Risse. Ist sie so eiskalt, wie einstige Kollegen behaupten? Je mehr das Puzzle dieser Lara Jenkins sich zusammensetzt, desto geheimnisvoller gerät dieses Psychogramm.

Die Anfänge eines Schach-Weltmeisters

„Das Wunder von Marseille” zeigt die Lichtburg täglich um 14 und 18.30 Uhr mit dem chronisch unbeherrschten Gerard Depardieu in der unwahrscheinlichen Rolle eines Schach-Altmeisters. Doch der „größere“ Protagonist in diesem Drama ist der kleine Fahim, der mit seinem Vater aus seiner Heimat Bangladesch nach Frankreich flieht. Beide ahnen nicht, welcher Spießrutenlauf ihnen als Asylsuchenden bevorsteht. Ständig droht die Ausweisung. Doch weil Fahim ein großes Talent fürs Schachspiel besitzt, lernt er einen der besten Schach-Trainer Frankreichs kennen: Sylvain (Depardieu). Aus anfänglichem Misstrauen wird Vertrautheit. Gerade als die Meisterschaft vor der Tür steht, sieht es so aus, als müsse Fahim seine neue Heimat wieder verlassen.

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