Verabschiedung

Ein engagierter Verfechter der Selbsthilfe in Oberhausen

Zum Abschied muss er ans Mikro: Parität-Geschäftsführerin Ursula Jakobs  und Richard Höhmann-Rölle, Intego-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied bei Parität, verabschieden Peter Jötten (Mitte) in den Ruhestand. Foto:Thöne

Zum Abschied muss er ans Mikro: Parität-Geschäftsführerin Ursula Jakobs und Richard Höhmann-Rölle, Intego-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied bei Parität, verabschieden Peter Jötten (Mitte) in den Ruhestand. Foto:Thöne

Oberhausen.   Peter Jötten, Urgestein des Paritätischen in Oberhausen und langjähriger Leiter der Selbsthilfe-Kontaktstelle, geht in den Un-Ruhestand.

Es ist schon beachtlich, wenn Arbeitnehmer gebeten werden, sich über die Pensionierungsgrenze hinaus einzusetzen und die Einarbeitung der Nachfolge zu übernehmen. Beachtlich ist auch der Werdegang des Mannes, dem das widerfuhr und der am letzten Tag im Februar seinen letzten Arbeitstag samt Verabschiedung feierte: Peter Jötten beim Wohlfahrtsverband „Der Paritätische“.

Gelernter Industriekaufmann

Mit Jöttens Biografie wäre mühelos eine Zeitungsseite zu füllen, wir begnügen uns hier mit Schlaglichtern, die Peter Jötten selber wirft: „Ich bin ja Dellwiger und kannte von Kind auf den damaligen sozialen Brennpunkt Unterbruch. Da habe ich mich schon engagiert, als ich von der Parität noch gar nichts gehört hatte.“

Dem jungen Jötten, der sich zunächst beim einstigen Bauunternehmen Gustav Kiel GmbH zum Industriekaufmann hatte ausbilden lassen, war der Beruf nicht genug: „Ich habe Abitur nachgemacht und dann Wirtschaft studiert, habe einen Abschluss als Diplom-Ökonom, meine Schwerpunkte waren übrigens Unternehmensführung und Marketing, konnte ich gut gebrauchen.“

Zweitstudium und Qualifikation als Diplom-Pädagoge

Aber das Wirtschaftsleben interessierte ihn dann doch nicht so wie menschliches Schicksal, vor allem regte er sich maßlos auf über alle Formen der Gleichgültigkeit, er wollte helfen.

Nach einem Zweitstudium und mit der Qualifikation als Diplom-Pädagoge in der Tasche half er: In der Berufsschule West betreute er Schüler, die über das CJD-Projekt gekommen waren. CJD stand für Christliche Jugenddörfer, und die Klientel? „Das waren alles junge Leute mit Knast- und Drogenerfahrung, und mein Grundgedanke war: Wer in so jungen Jahren eine solche Vorgeschichte hat, der muss eine Vorerfahrung haben, an der es anzusetzen gilt.“ Jötten kam gut mit seinen Jungs zurecht und sammelte Renommee, und so stieß er zu dem Verband, für den er so viele Jahre gearbeitet hat.

Betroffene zur Selbsthilfe anregen

Der in der Parität herrschende Grundgedanke, Betroffene zur Selbsthilfe anzuregen und sie sich so aus ihrer Lage entweder befreien zu lassen oder sie zu verbessern, das war jahrzehntelang der bestimmende Motor für Peter Jötten. In der von ihm geleiteten Selbsthilfe-Kontaktstelle waren und sind (das wechselt immer mal) über hundert Selbsthilfegruppen tätig. „Natürlich längst nicht alle von mir gegründet“, weist er darauf hin, dass es etwa die Gruppen von Alkoholkranken und Drogenabhängigen schon vor ihm gab, „aber mein Thema wurde die Depression. Darunter leiden viele Menschen aus allen Generationen, aus allen Berufsbildern. Wenn man sie zusammenführt, kann man ihnen helfen.“

Peter Jötten sind viele dankbar, er hat immer geholfen.

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