Aktion Uferschutz

Ein Dutzend Säcke am Ruhrufer in Oberhausen mit Müll gefüllt

Auf der Oberhausener Seite des Ruhrufers machten sich rund 35 Aktive am Samstagvormittag nützlich, um Unrat einzusammeln.

Auf der Oberhausener Seite des Ruhrufers machten sich rund 35 Aktive am Samstagvormittag nützlich, um Unrat einzusammeln.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Selbst dort, wo Abfallbehälter stehen, liegen Kippen und Flaschendeckel auf dem Boden. 35 Aktive sammelten sie am Samstag am Ruhrufer ein.

Es gibt schlimmer verschmutzte Bereiche als die idyllische Ruhraue entlang des Ruhrdeichs. Dennoch trugen rund 35 Bürgerinnen und Bürger am Samstag ein rundes Dutzend an Müllsäcken mit Unrat auf dem etwa einen Kilometer langen Abschnitt zwischen der Bahnstrecke Duisburg - Oberhausen und jener Stelle zusammen, an der der Radweg auf dem Ruhrdeich in Höhe Behrensstraße ins Hinterland abknickt. Die Naturschutzjugend NRW hatte zur Teilnahme an der Internationalen-Ufer-Reinigungsaktion aufgerufen.

Sie fand in zehn Städten in NRW gleichzeitig statt. In Oberhausen schlossen sich der Naturschutzbund (Nabu), der Bund Umwelt und Naturschutz (Bund), die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umweltschutz (LNU) und die Fridays for Future, die Freitagsdemonstranten für den Klimaschutz, an.

Gestank durch Hundekot stört die Idylle

Mit Handschuhen, Greifern und Müllsäcken ausgestattet, grasten sie das Ruhrufer ab. Hauptsächlich waren es Zigarettenkippen, Flaschendeckel, Bonbonpapier und andere Kleinabfälle, die sie zwischen dem hohen Gras einsammelten. Sogar ein Fernseh-Kamerateam begleitete die Aktiven. Sie alle bekamen zu spüren, dass weniger große Abfälle die beschauliche Lage dort beeinträchtigen, als Hinterlassenschaften von Hunden entlang der Trampelpfade und deren Gestank.

„Ich fahre viel mit dem Fahrrad. Dabei sehe ich, wie verdreckt es überall ist. Dagegen möchte ich etwas unternehmen“, erklärte eine 45-jährige Styrumerin, die namentlich nicht genannt werde wollte, warum sie sich an der Aktion beteiligt hat. Vor allem an einer Sitzgruppe ganz in der Nähe des Vereinsheims vom Paddelverein Wasserbummler lagen viele Abfälle. Dabei stehen dort zwei Abfallbehälter. Um sie zu erreichen, muss man aber von der Sitzbank aufstehen. Das ist vielen Zeitgenossen offenbar zu mühsam.

Vom Plastikmüll zum Thema Klimawandel

„Solche Aktionen verdienen Unterstützung“, erklärte Inge Ennuschat aus Osterfeld, die mit ihrem Mann und zwei Enkelkindern gekommen war, um mitzuhelfen. „Man hat doch Verantwortung für die Umwelt“, sagte sie. Sie jedenfalls möchte ihren Enkeln eine gute Zukunft bieten. Daheim, bei der Mülltrennung zum Beispiel, versuche man ja auch, den Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Dann schlug die 62-Jährige gedanklich einen Bogen vom Plastikmüll über die Industrieproduktion und die damit verbundenen Abgase zum Klimawandel. „Ich finde es toll, dass das zur Zeit so ein großes Thema ist.“

Für Kinder, die bei der Aktion mitmachten, hatte das Durchstreifen der Landschaft etwas Abenteuerliches. „Ich habe im Gebüsch einen Plastik-Einkaufswagen gefunden“, berichtete Justus (6) stolz. Er war mit Eifer bei der Sache.

Verwirrende Zuständigkeiten

Norbert Axt, Stadtverordneter der Grünen, diskutierte mit Ansgar Berg (50) aus Altstaden von Parents for Future über die verwirrenden Zuständigkeiten für Freiflächen. Gleich vier Institutionen sind zuständig: die städtische Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM), die Emschergenossenschaft, der Regionalverband Ruhr sowie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Und dann, so Axt, sei die Mülltrennung in Oberhausen auch noch fragwürdig, weil sowieso fast alles in die Müllverbrennungsanlage gehe, nur die groben Abfälle nicht. Dass nicht mal an jedem Kotbeutelspender ein Abfallbehälter steht, hält Axt für besonders absurd.

„Jeder müsste sein Handeln überdenken. Muss es jeden Tag Fleisch sein? Geht nicht auch die Wasserflasche aus Glas oder gar Leitungswasser?“, dachte Ansgar Berg laut. Noch am Freitag war er bei der Klimaschutz-Demo. Diesmal machte er am Ruhrufer mit, während seine Frau an der kombinierten Jogging- und Müllsammelaktion im Kaisergarten teilnahm. Perfekt könne sich niemand in Sachen Klimaschutz verhalten. „Aber wenn sich mehr Menschen fragen würden, was mach’ ich da eigentlich, welche Auswirkungen hat es, wäre schon viel gewonnen.“

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