Fundstück

Ein besonderes Fundstück für die Oberhausenerin Se-Iny Choi

„Das bist du Mama.“ Se-Iny Choi zeigt ihrer Tochter Hanna Lucia Kim und ihrem Mann Youn-Sun Kim ihren NRZ-Artikel von 1988.

„Das bist du Mama.“ Se-Iny Choi zeigt ihrer Tochter Hanna Lucia Kim und ihrem Mann Youn-Sun Kim ihren NRZ-Artikel von 1988.

Foto: Jörg Schimmel

OBERHAUSEN.   Vor 30 Jahren berichtete die NRZ von der achtjährigen Se-Iny Choi und ihrer Familie während der Olympiade in Seoul. Nun gab es ein Wiedersehen.

Jemanden auf dem Saporishja-Platz dabei zu beobachten, wie er die Zeitung liest, sollte keine Seltenheit sein. Doch wenn es sich wie im Falle von Se-Iny Choi um eine NRZ-Ausgabe handelt, die dreißig Jahre auf dem Buckel hat, liegt der Fall ein klein wenig anders. Schließlich war die heute 38-Jährige damals gemeinsam mit ihrer koreanischen Familie Mittelpunkt eines großen Artikels zu den olympischen Sommerspielen in Seoul. Für die gebürtige Oberhausenerin ein Blick zurück, auf ein kleines, aber besonderes Stück Familiengeschichte.

Seit knapp einem Jahr postet die NRZ-Lokalredaktion auf ihrer Facebook-Seite um Punkt 17 Uhr eines ihrer Fundstücke. Dabei handelt es sich stets um einen Artikel der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Eines jener Fundstücke handelte von Se-Iny Choi. Mitten in der Nacht schaute die NRZ beim gemeinsamen Fernsehgucken der olympischen Sommerspiele in Seoul vorbei.

Eine Schulfreundin machte Se-Iny Choi auf das Fundstück aufmerksam. „Da war ich baff, als ich mich gesehen habe. Gleichzeitig war es für mich auch sehr emotional, weil mein Vater vor Jahren gestorben ist“, berichtet Se-Iny Choi über die Entdeckung. Ihr Vater Kyu-Young Choi, damals Vorsitzender der Koreanischen Vereinigung in Oberhausen, hatte wie 100 seiner Landsleute die Spiele in seiner Heimat aufmerksam verfolgt. „Das war ein Großereignis, schließlich war Südkorea damals noch relativ unbekannt“, erinnert sich Se-Iny Choi.

Ihr Vater war 1971 als Gastarbeiter ins Ruhrgebiet gekommen. Hier lernte er seine Frau Chung-Sook kennen, die bereits ein Jahr zuvor nach Oberhausen gekommen war, um als Krankenschwester zu arbeiteten. Während ihre Mutter auch heute noch in Sterkrade lebt, wohnt Se-Iny Choi im hessischen Rodgau. Doch ihre Heimat bleibt Oberhausen. „Der Kontakt ist immer da, schon wegen meiner Mutter und der Freunde, die ich noch hier habe.“

Ihre siebenjährige Tochter Hanna entdeckt ihre Mutter natürlich sofort auf dem Foto, das sie neben ihrer älteren Schwester Juna Choi zeigt. „Mama, was hältst du da im Arm? Einen Bär?“ „Nein“, erwidert Se-Iny Choi. „Das ist Donald Duck.“ Auch Chois Mann Young-Sun Kim ist als Gastarbeiterkind in Deutschland aufgewachsen. Mittlerweile sind seine Eltern wieder in die koreanische Heimat zurückgekehrt. Auch er hat Erinnerungen an die Olympischen Spiele. Und die liegen gar nicht so weit zurück. „Meine Mutter war als Dolmetscherin für das deutsche Team im letzten Winter bei den Spielen in Pyeongchang im Einsatz.“

Beim Betrachten der Fotos bleibt ein Schmunzeln über den 80er-Jahre-Charme nicht aus. „Mit dem Videorekorder haben wir vieles von den Spielen aufgenommen. Damals gab es noch kein Internet, wo alles überall und jederzeit abrufbar war“, sagt Se-Iny Choi. Auch der Kontakt zu den vielen Verwandten in Korea sei heute viel leichter: „Es war als Kind eine große Sache, wenn wir aus der Telefonzelle aus angerufen haben. Heute ist die Entfernung nicht nur vom Kopf her deutlich geringer.“

Urlaub in der Heimat

Momentan macht die Familie Stopp in der Oberhausener Heimat. In Hessen sind bereits seit dieser Woche Herbstferien. Urlaub, dass heißt für Se-Iny Choi Zeit mit der Mutter in Oberhausen zu verbringen. Und eben auch einen kleinen Zwischenstopp bei der NRZ-Lokalredaktion einzulegen. Zu welch ungewohnten Wegen so ein Fundstück führen kann…

>>>> JEDEN TAG ein „FUNDSTÜCK UM FÜNF“ ENTDECKENAuf unserer NRZ-Facebook-Seite veröffentlichen wir jeden Tag pünktlich um 17 Uhr ein weiteres neues Fundstück aus den letzten Jahren und Jahrzehnten. Schauen Sie doch auch mal unter www.facebook.com/NRZOberhausen

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