Wandel der Bestattungskultur

Ehrenvorsitzende des Bürgerrings: Friedhof Alstaden erhalten

Sie prägen das Stadtteilbild entscheidend mit: Der Friedhof in Alstaden entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wurde von namhaften Bürgern selbst finanziert.

Sie prägen das Stadtteilbild entscheidend mit: Der Friedhof in Alstaden entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wurde von namhaften Bürgern selbst finanziert.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Oberhausen.  Friedhöfe als stille Parks? Dieser CDU-Vorschlag sorgt für Aufsehen. Die Ehrenvorsitzende des Bürgerrings Alstaden erteilt der Idee eine Absage.

Die Ehrenvorsitzende des Bürgerrings Alstaden, Marianne Vier, sieht die Anfang Juni vorgestellten Pläne der CDU, Friedhöfe im Stadtgebiet in stille Parks umzuwandeln, skeptisch und plädiert dafür, die Friedhöfe als möglichst wohnort- und stadtteilnahe Angebote beizubehalten: „Jeder Ortsteil braucht einen Friedhof“, überschreibt die Alstadenerin ihre ausführliche Stellungnahme zu diesem Thema.

Marianne Vier erinnert an die lange Friedhofs-Historie in Alstaden. Bis zum Jahr 1900 seien die Bürger Alstadens ausschließlich auf dem Landwehrfriedhof beigesetzt worden. Dann hätten namhafte Repräsentanten und alteingesessene Bürger beschlossen, in Altstaden einen eigenen Friedhof anzulegen.

„Der Friedhof wurde von den Alstadenern bezahlt“

Die Bürger hätten das Projekt selbst finanziert und in umfangreicher Form dafür gespendet. Das Geld sei von dem Landwirt und Mühlenbesitzer Hoppermann gekommen, vom Dachdecker Marbach, von Gastwirt Grotloh sowie von dem Gastwirt und Metzger Bruß. Ebenso hätten die Landwirte Stöckmann, Schönebeck und der Schreiner Fischdick gespendet. Marianne Vier erwähnt noch weitere Spender-Familien und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: „Im Jahr 1905 wurden alle Geldgeber in ein Erbgrabregister eingetragen und erhielten einen entsprechenden Besitzschein. So ist festzustellen, dass der Friedhof von den Alstadenern bezahlt wurde und somit den Alstadenern gehört!“

Die Ehrenvorsitzende des Bürgerrings kritisiert in ihrer Stellungnahme zugleich die jahrelangen, massiven Gebührenerhöhungen der Stadt im Bereich des Bestattungswesens. Wenn die Verwaltung mit den Gebühren „nicht jahrzehntelang Missbrauch getrieben hätte“, dann sähe die Lage heute auch bei den Erdbestattungen noch deutlich besser aus, ist sich die Ehrenvorsitzende sicher. Erst Proteste des Bürgerrings hätten im vorigen Jahrzehnt zu drastischen Gebührensenkungen geführt.

Ein sensibles Thema

Die detailreiche Stellungnahme der Alstadenerin zeigt, wie sensibel das Thema Friedhofs-Umwandlung in den Stadtteilen wahrgenommen wird. Die CDU sieht die Umwandlung von Friedhöfen in stille Parks als geeignetes Mittel, um dem rasanten Wandel der Bestattungskultur von der konventionellen Erdbestattung hin zur Urnenbestattung Rechnung zu tragen. Langfristig seien bis zu 50 Hektar von 65 Hektar kommunaler Friedhofsfläche in Oberhausen überflüssig, bilanzierte die Union auf ihrer jüngsten, dreitägigen Klausurtagung in Mannheim. Die Vorratshaltung von Flächen für künftige Erdgrab-Bestattungen sei für die Stadt einfach zu teuer geworden.

Marianne Vier will das nicht so einfach gelten lassen. Auch Urnen würden nach wie vor in der Erde bestattet und nicht allein in Kolumbarien, unterstreicht sie.

Und: Der Gedanke, sparen zu wollen, sei ja ein guter kommunalpolitischer Ansatz, doch dieses Sparen werde nicht gelingen, indem man Friedhöfe vor Ort in den Stadtteilen einfach schließe und in stille Parks umwandle.

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