Junge Klassik

Duo inszeniert im Gdanska charmante Loblieder auf die Liebe

Gitarristin Martina Gruber und Tenor Marcel Oleniecki.

Gitarristin Martina Gruber und Tenor Marcel Oleniecki.

Foto: Sven Thielmann

oberhausen.   Die Gitarristin Martina Gruber begeisterte mit dem jungen Tenor Marcel Oleniecki zum Ausklang der ersten „Gitarrissimo Klassik“-Spielzeit.

Junge Tenöre mit Zukunftsaussichten erlebt man auch nicht alle Tage. Und so war es eine schöne Überraschung, ausgerechnet bei „Gitarrissimo Klassik“ im kleinen Gdanska-Theater just einem solchen zu begegnen. Denn für ihre „Camino musical“ genannte Reise quer durch ein klingendes Europa aller Zeiten hatte die Gitarristin Martina Gruber mit dem erst 22-jährigen Marcel Oleniecki einen warmherzig singenden Begleiter an ihren Saiten.

Schon wie die beiden eingangs mit zwei Liedern des englischen Renaissance-Komponisten John Dowland auf den Spuren des berühmten Duos Julian Brehm & Peter Pears wandelten, war beachtlich. Spielerisch leicht erklangen die verträumten Zeilen „Time stands still“, mit zartem Schmelz textverständlich durchgezeichnet und delikat auf der Gitarre untermalt. „Come again“, dachten die sorgsam lauschenden Zuhörer angerührt mit dem ersten Dowland-Titel.

Und natürlich kam Marcel Oleniecki später zurück, um mit Benjamin Brittens Vertonungen der Traditionals „I Will Give my Love an Apple“ und dem gewitzten „Master Kilby“ die Brücke zu seinem berühmten Kollegen Peter Pears zu schlagen. Dazwischen kredenzte Martina Gruber in einer Uraufführung ihre delikate Bearbeitung der „Sonata II D-Dur“ des französischen Gitarristen Antoine de Lhoyer (1768-1852), die sie mit einer heiteren „Suite castellana“ des Beinahe-Zeitgenossen Federico Moreno Torroba (1891-1982) flirrend schön kontrastierte.

Jubel der allzu wenigen Zuhörer

Mutig, aber überzeugend, dass die beiden nach der Pause auch dem großen Romantiker Franz Schubert ihre Reverenz erwiesen. Thematisch passend mit „Der Wanderer“ offenbarte der junge Sänger sein Potenzial als lyrischer Tenor. Zum Weinen schön Martina Grubers feinfühlige Ausgestaltung der melancholischen „Fantaisie Élégiaque“, mit der Fernando Sor (1778-1839) den frühen Tod seiner offenbar geliebten Schülerin Charlotte zu bewältigen suchte. Für den unverzichtbaren Joaquin Rodrigo-Part wählte die 26-jährige Österreicherin neben dem bekannten „En los trigales“ auch ein eher selten zu hörendes Kabinettstückchen, „Junto al Generalife“, dem sie fingerflink feinen Glanz auflegte.

Und dann sangen die jungen Musiker mit drei „English Folksongs“ noch einmal in heiterer Gelassenheit charmante Loblieder auf die Liebe, was die allzu wenigen Zuhörer, die möglicherweise einen künftigen Star-Tenor erlebt hatten, mit begeistertem Jubel quittierten.

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