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DSDS-Sieger Davin Herbrüggen: „Du spürst schon den Druck“

Lebt das Wechselspiel von kleinen und großen Bühnen: DSDS-Sieger Davin Herbrüggen, hier bei Ziesak Plaza in Oberhausen, blickt auf das erste halbe Jahr nach dem Superstar-Titel in der RTL-Show zurück.

Lebt das Wechselspiel von kleinen und großen Bühnen: DSDS-Sieger Davin Herbrüggen, hier bei Ziesak Plaza in Oberhausen, blickt auf das erste halbe Jahr nach dem Superstar-Titel in der RTL-Show zurück.

Foto: Andreas Hofmann / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  DSDS-Sieger Davin Herbrüggen aus Oberhausen blickt nach einem halben Jahr zurück. Er spricht über Songs vor 7.500 Fans und ungewohnte Ruhe.

Seine Arme breitet er aus und für eine Karawane von meist jüngeren Mädchen ist das ein Erkennungszeichen, hurtig die Smartphones und Schreibblöcke zu zücken. Auf dem Parkplatz der Oberhausener Gewerbefläche Ziesak Plaza ist Davin Herbrüggen heute gefragt. Mehr als 100 Fans stehen für ihn fein säuberlich in Zweierreihen vor einem eilig aufgestellten Klapptisch an, einige sind sogar aus Frankfurt angereist – und das alles, ziemlich genau ein halbes Jahr nach dem Sieg bei der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS).

DSDS-Sieger unter Beobachtung – Fans filmen jede Bewegung

Ein Freundschaftsdienst führt Herbrüggen heute vor ein mit Lila-Luftballons dekoriertes Ladenlokal. Eine Bekannte eröffnet hier ein neues Kosmetikstudio. Der 21-Jährige aus dem Oberhausener Stadtteil Borbeck trägt einen Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Beauty Effect“ und wartet auf den Selfie-Marathon.

Wenige Minuten zuvor hat er auf der improvisierten Parkplatz-Bühne seinen neuen Song „O wie du“ gesungen. Viele Fans haben ihre Handys eingeschaltet und jede Bewegung gefilmt. Einige haben selbst gebastelte Plakate hochgehalten, die mit Herzchen verziert sind. Und als der Sänger angekündigt wird, ist auch ein zartes Kreischen zu hören.

„Es ist schön zu sehen, dass die Leute vor der Bühne feiern“, sagt der 21-Jährige. Der Borbecker lässt seinen Job als Altenpfleger im „Haus Isabell“ momentan ruhen. „Ich bin dankbar, dass ich nun meinen Traum leben darf.“ Er ist zur Ruhe gekommen. Auf die teils hektische Zeit während der TV-Show blickt er nun gelassen zurück. Es ist ein Leben, wie in einem Orkan. „Ein krasser Übergang – der Schritt vom Altenpfleger ins Rampenlicht.“

Ungewohnte Ruhe nach dem Sieg im Finale von DSDS

In der Warteschlange überprüfen die Fans ihre geschossenen Schnappschüsse und Videos. „Daaaavieeen“ rufen sie hier. Und hin und wieder hebt er den Kopf hinter seinem Klapptisch und winkt in die Schlange.

Ähnlich verlief es bei seinen Konzert-Heimspielen, die er reichlich pflegte. „Ich komme aus dem Pott und hier gehen die Fans natürlich besonders ab.“ Die Fahne für Oberhausen hat er auch während der TV-Show immer hochgehalten.

Sein Wunsch, von einem eigenen Konzert in der König-Pilsener-Arena, hat sich allerdings noch nicht erfüllt. 1.000 Fans besuchten seinen ersten Auftritt nach dem DSDS-Titel in der Turbinenhalle. Ähnlich viele kamen zum Osterfelder Stadtfest oder dem Hafenfest an der Marina.

Die Zeiten, in denen DSDS-Sieger ohne Kolonnen von Sicherheitspersonal nicht mehr auf die Straße gehen konnten, sind jedoch vorbei. Die Zeit nach der Show verläuft unaufgeregter als in den frühen Staffeln, bei denen Autogrammstunden in Einkaufszentren oft Polizei-Einsätze zur Folge hatten. Die beiden Aufpasser am Ziesak Plaza verleben einen recht ruhigen Nachmittag. Es gibt kaum Geschiebe.

DSDS-Sieger unterstützt Bruder Dustin bei „Ninja Warrior Germany“

„Man hört ja nichts mehr vom DSDS-Sieger!“ Die Sprüche, die manchmal kommen, kennt er. „Man ist eben nicht mehr jeden Samstag im Fernsehen zu sehen – das heißt ja nicht, dass man beschäftigungslos ist.“

Eine Clubtour führt ihn nach München und Memmingen. In Zwickau hat er gesungen, ist in der RTL-Show „Let’s Dance“ aufgetreten. Bachelorette Gerda Lewis trat in seinem ersten Musikvideo zum Siegersong „The River“ auf. Und im kommenden Jahr soll es ein eigenes Album samt Tournee geben.

Bruder Dustin ist stets an seiner Seite – auf der Parkplatz-Bühne moderiert er, heizt die Stimmung für Davin an. Seit der Kindheit musizieren die Geschwister gemeinsam. Dustin am Schlagzeug, Davin an der Gitarre. Zuletzt tauschten sie die Rollen – Dustin kämpfte sich in der RTL-Show „Ninja Warrior Germany“ durch den Hindernisparcours. Davin feuerte ihn im Studio an.

Druck nach dem Sieg bei DSDS – „Das bekommt man in den Griff“

Doch der Borbecker erinnert sich auch an die Tage direkt nach dem gewonnenen Finale im bulligen TV-Studio in Köln-Ossendorf – die plötzliche Ruhe, die nach all dem Trubel einkehrt. „Es ist ungewohnt, wenn du nach Hause fährst und auf dem Sofa plötzlich mal keiner etwas von dir will.“ Einen Umgang, den er auch lernen musste: der Druck. „Es herrscht ein gewisser Druck. Das ist aber ganz normal. Der Druck kam von mir selbst. Ich bin ein Perfektionist und ich mache mir Gedanken, wenn Sachen mal nicht so laufen wie geplant. Du denkst zum Beispiel: Ich hätte noch krasser abliefern können. Aber das bekommt man in den Griff.“

Neulich spielte er bei der Abschiedstournee der YouTube-Zwillingen „Die Lochis“ im Vorprogramm. In der Dortmunder Westfalenhalle blickte er in ein Lichtermeer von 7500 Fans. „Ein Wahnsinnsmoment!“ Und daheim? Aus dem Zimmer im Elternhaus in Borbeck ist er ausgezogen. „Natürlich kehre ich regelmäßig zurück – schließlich habe ich hier meinen Schrebergarten.“

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