Drei Akkorde in zehn Jahren Sechs Saiten sind viel zu viel

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Die Oberhausener Minimal-Rock'n'roller Nimrods feiern Geburtstag. Zum lautstarken Wiegenfest am Dienstag im Druckluft hat sich auch Punkrock-Prominenz aus Kalifornien angekündigt

Diese Band kann man getrost genügsam nennen: Rocken sich andere Musiker in einem Song gleich durch mehrere Tonarten, bescheiden sich die Oberhausener Punkrocker Nimrods konsequent mit nur drei Akkorden - und das seit nunmehr einer vollen Dekade.

Im August 1997 traf sich das Trio zur ersten gemeinsamen Probe. Doch noch bevor gemeinsam losgerockt wurde, formulierte man feierlich das in der Musikgeschichte wohl beispiellose "Nimrod Law".

Wichtigster Passus: "Du sollst keinen anderen Akkord benutzen als A, D und E!". Was nach einem Ulk klingt, meint die Band tatsächlich ernst: "Ziel war es, von vornherein eine Weiterentwicklung der Band, weg vom puristischen Punkrock, auszuschließen", erklärt Bassist Stefan alias "Supergiant Leader Nimrod". Ob der überschaubaren musikalischen Komplexität kommt er mit nur einer Saite auf seinem Bass aus.

"Das klingt nach Selbstbeschränkung, ist in Wirklichkeit aber nichts anderes als eine Hitformel - schließlich bilden A, D und E das Rock'n'roll-Schema, mit dem etwa ein Chuck Berry den überwiegenden Teil seiner Songs geschrieben hat", musikphilosophiert Stefan.

Der Sound der Band orientiert sich freilich weniger an Fiftys-Rockern wie Mister Berry als vielmehr an den legendären Ramones. Einen Preis für Originalität können Marky, Killer und Supergiant mit diesem künstlerischen Konzept zwar nicht wirklich erwarten ("Wollen wir auch nicht"); Fans bescherte den Nimrods ihr kompromissloser Ansatz jedoch sogar im Rock'n'roll-Mutterland USA. Einer davon, in der Szene nur als "Kepi" bekannt und bis vor kurzem Frontmann der kalifornischen Kult-Pop-Punks The Groovie Ghoulies, kommt mit seiner neuen Band eigens zum Geburtstagskonzert ins Druckluft.

"Eigentlich waren die Groovie Ghoulies bereits gebucht, doch dann lösten sie sich kurzfristig wegen interner Probleme auf", so Ober-Nimrod Stefan über die Band, die in Oberhausen bereits mehrere Male live zu erleben war.

"Kepi hat mit Kepi & The Batcaves jedoch in Windeseile eine neue Band formiert, und das musikalische Programm wird dasselbe sein wie bei den Ghoulies."

Einem standesgemäßen Geburtstags-Gig steht am kommenden Dienstag also nichts im Wege. Die Geschenke bringen die Nimrods dabei gleich selbst mit - in Form von brandneuen Songs.

Denn noch in diesem Jahr will das Trio ein neues Album veröffentlichen, sage und schreibe ihr zweites in zehn Jahren. Wie schon gesagt - die Nimrods sind eben eine sehr genügsame Band.

Kepi & The Batcaves + Nimrods am Dienstag, 7. August um 20 Uhr im Druckluft (Am Förderturm 27, Tel: 85 24 54). Eintritt: 7 E.

"Schließlich bilden A, D und E das Rock'n'Roll-Schema. . ."Weniger ist oft mehr, gerade im Punk- und Schrammelrock-Bereich. Einige Bands waren trotz ihrer bewussten Selbstbeschränkung nicht nur sehr kreativ, sondern sogar wirtschaftlich erfolgreich. Erstes Beispiel: Die White Stripes, ebenfalls gute zehn Jahre alt. Herr und Frau White machen Rock nur zu zweit (wobei Jack White allerdings oft mit seinem Effektgerät einen zusätzlichen Bass simuliert) und tragen immer nur die Farben rot, schwarz, weiß.

Vor drei Wochen gaben sie ein One-note-concert: sie spielten nur einen einzigen Ton, dann war Schluss. Zweites Beispiel: die mittlerweile etwas umstrukturierten Presidents oft the United States of America aus Seattle, mit Schaffenspause gute 15 Jahre alt. In dieser Band (Hits: Lump, Peaches) benutzen die zwei Herrscher über die Saiteninstrumente meistens nur zwei bis drei Saiten: Statt Gitarre und Bass gibt's Basitar und Guitbass. no

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